Gut geführt von Fels zu Fels

Rolf Müller

Von Rolf Müller

So, 19. Juni 2022

Südwest

Der Sonntag Geheimtipp im Pfälzer Wald: Auf dem Dimbacher Buntsandstein-Höhenweg – zehn Kilometer mit Aus- und Einsichten.

Er ist ein Premiumweg und doch nur wenigen bekannt: Der Dimbacher Buntsandstein-Höhenweg ist noch so etwas wie ein Geheimtipp in der Wanderszene und lohnt den weiteren Weg in die Pfalz durchaus.

Verglichen mit anderen Wanderwegen in der Region verirren sich nicht sehr viele Wanderer nach Dimbach in den Pfälzer Wald, um diesen immerhin als Premiumweg zertifizierten Buntsandstein-Höhenweg zu laufen. Mag es an den seltenen Busverbindungen liegen, an der Straße nach Dimbach, die hier als Sackgasse endet, oder dem allzu langen Aufenthalt in Hauenstein mit dem Deutschen Schuhmuseum und den passenden Outlets geschuldet sein. Auch in den gängigen Wanderführern findet man den Weg nicht. Immerhin hat die Tourist-Info am Ende der Schuhmeile ein Faltblatt mit dem Tipp.

So kamen auch wir auf den Höhenweg mit spektakulären Felsformationen und atemberaubenden Ausblicken – zu einer Bilderbuchwanderung mit zahlreichen Einblicken, sprich Informationen über die Geologie.

Gleich auf dem Wanderparkplatz kurz vor Dimbach steht eine Tafel mit grundlegenden Infos und einer Karte. Der Hinweis auf geeignetes Schuhwerk ist mehr als berechtigt, halbwegs trittsicher sollte der Wanderer auch sein. Entgegen den Pfeilen auf der Karte starten wir im Uhrzeigersinn und gehen Richtung Dimbach, wo uns an einem Brunnen mit Waschplatz die erste von einem Dutzend weiterer Informationen erwartet. Es geht um den Sandstein als Wasserspeicher und die Bedeutung von Brunnen und Waschplatz als Ort der dörflichen Kommunikation.

Nach rechts führt die Friedhofstraße in Richtung Wald, rot-weiß ist das Zeichen mit dem ganzen Namen und einer Zeichnung, die bei längerem Hinsehen als Fels zu erkennen ist. Der Asphalt der Straße endet bald, dafür erwartet uns der Aufstieg Richtung Hockköpfel. Dann geht’s weiter in einem großen Bogen über Häuselstein zum Immersberg und in stetigem Auf und Ab durch einen lichten Mischwald mit schönen Ausblicken in unterschiedliche Richtungen. Dazwischen ist mit 450 Metern ein Höhe-Punkt der Tour erreicht, aber es warten noch weitere Ab- und Aufstiege. Auf den Infotafeln geht es derweil um Lebensraum, Farben der Felsen oder das Gelände.

Der Rötzenberg ist ein weiterer Höhepunkt, nicht nur wegen der 459 Meter über dem Meer. Hier gibt es nicht nur eindrucksvolle Felsformationen mit Fenster, sondern auch einen atemberaubend weiten Blick auf die sanften Höhen des Pfälzer Walds. Atemberaubend durchaus im Wortsinn, denn es geht an der Felskante ganz schön senkrecht in die Tiefe. Hier ist wirklich Vorsicht angebracht. Wer will, kann auf einer Bank länger verweilen. Da es auf dem Höhenweg keine Einkehrmöglichkeit gibt, ist das die richtige Gelegenheit für ein ordentliches Vesper.

Echten Genießern sei an dieser Stelle empfohlen, erst die Infotafel zu studieren, die an dieser Stelle das passende Thema Landschaftsbild behandelt, und dann gemessenen Schrittes zwischen den Bäumen hindurch in Richtung Felsenkante zu schreiten. Das ist auch für den Pfälzer Wald, zusammen mit den Nordvogesen ein Biosphärenreservat und das größte zusammenhängende Waldgebiet in Mitteleuropa, kein alltäglicher Ausblick. Am Berg gegenüber steht, wie könnte es im Pfälzer Wald auch anders sein, eine Burgruine – die Lindelbrunn.

Nicht nur für den Rötzenfelsen gilt indessen eine Einschränkung: Während der Brutzeit der Wanderfalken ist der Zugang absolut tabu. Heißt: Sperrung im März und April.

Irgendwann muss man sich losreißen von so viel überwältigender Landschaft. Es erwarten uns noch gut drei Kilometer auf schmalen Pfaden entlang mancher Felswand mit nicht minder interessanten Ausformungen samt Kletterern, geologischer Erklärung – und der Abstieg zum Ausgangspunkt. Spätestens bei der Felsenkluft des Dimbergs wird klar, dass der Buntsandstein-Höhenweg sich vor dem einen oder anderen Traumziel im Südwesten der USA nicht verstecken muss.

Wie um das zu bestätigen, kommt uns eine große Gruppe fröhlicher junger Wanderer mit Vierbeinern als Gepäckträger entgegen – allerdings sind es keine Maultiere aus einem Western, sondern Lamas. Auch der Süden Amerikas lässt im Pfälzer Wald gelegentlich grüßen.

Weitere Infos: Dimbach liegt zwischen Landau in der Pfalz und Pirmasens.
Der Dimbacher Buntsandstein-Höhenweg ist knapp zehn Kilometer lang, mit rund 410 Höhenmetern, Start ist am Wanderparkplatz, Hauptstraße bei 76848 Dimbach,
GPS 49°10'16''N, 07°53'58''E
Infos unter mehr.bz/buntsand