Krankenhaus

Gute Gründe für Protest

André Hönig

Von André Hönig

Sa, 21. Januar 2023

Schopfheim

Die geplante Krankenhaus-Umstrukturierung ist nicht der gravierendste Einschnitt für das Schopfheimer Krankenhaus, seitdem dieses in den 1990er Jahren vom Landkreis übernommen wurde. Es gab schon Schlimmeres – man könnte so gesehen von einer chronischen Leidensgeschichte sprechen. Allerdings ist dieser erneute Eingriff symptomatisch für den Umgang mit dem Standort. Weil es der Kliniken-GmbH finanziell schlecht geht, soll Schopfheim nochmals bluten. So gesehen gibt es also gute Gründe für die Demo, zu der die Schopfheimer Parteien am Montag aufrufen – und für den Appell, im Gemeinderat der Landrätin und dem Kliniken-Chef kritische Fragen zu stellen. Auch wenn es "nur" noch darum geht, die Übergangszeit bis zur Fertigstellung des Lörracher Zentralklinikums ordentlich zu überbrücken, ist es nicht zu spät, dass die Bevölkerung ihren Unmut zum Ausdruck bringt. Zwar hätte es in der Vergangenheit Momente gegeben, wo dies mehr gebracht hätte. Etwa, als 2003 bereits eine medizinische Grundversorgung am Standort Schopfheim in Frage gestellt wurde. Der damalige Krankenhaus-Fördervereinsvorsitzende Ruthard Hirschner musste den Bürgermeister damals sogar regelrecht zwingen, zu protestieren. Oder 2008/2009, als eine Teil-Amputation der Chirurgie erfolgte. Oder 2015, als die Weichen dafür gestellt wurden, dass der Lörracher Weg mit drei Krankenhausstandorten aufgegeben wird. Jetzt, mit der geplanten Umstrukturierung, soll Schopfheim fast alle noch vorhandenen Angebote verlieren – zweieinhalb Jahre früher als geplant. Ja, das Krankenhauswesen generell kränkelt und bräuchte dringend Finanzspritzen. Ob aber diese kurzfristige Not-Operation hilft, ist höchst fraglich. Zumal, wenn sie wie in diesem Fall das Vertrauen der Menschen in die Not- und Grundversorgung gefährdet und zudem Beschäftigte dazu bringt, mit Kündigung zu drohen. Mit Protest am Montag kann man vielleicht die Verantwortlichen nochmals zum Nachdenken über eine Lösung bringen, die allen Seiten besser gerecht wird. Es müsste auch im Interesse der Kreiskliniken-GmbH sein. Nicht nur wegen ihres Images im Wiesental, sondern auch, um personellen Aderlass zu verhindern. Ansonsten schneidet sie sich ins eigene Fleisch.