Emmendingen / Sexau

Hakenkreuze an Moschee geschmiert – Zweieinhalb Stunden vor den Schüssen in Hanau

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Fr, 21. Februar 2020 um 13:52 Uhr

Emmendingen

Unbekannte schmieren Hakenkreuze an die Wand der Emmendinger Moschee und zwei weitere Gebäude. Die Bestürzung im türkisch-islamischen Kulturverein ist groß.

Unbekannte Täter haben Hakenkreuze und rechtsradikale Parolen an die Emmendinger Moschee geschmiert. Auf dem Ramie-Areal traf es den Kindergarten, in Sexau die Grundschule. Jetzt ermittelt der Staatsschutz der Polizei. Die Bestürzung im türkisch-islamischen Kulturverein ist groß. "Wir sind maßlos enttäuscht", sagt Schriftführer Ömer Yanik.

Die Hakenkreuze sind verschwunden, die Parolen auch. Das Wort "Raus" ist übertüncht worden, der Satz "Weg mit euch" auch. "Wir haben der Kripo Bescheid gegeben, die hat das aufgenommen. Danach haben wir die Schmierereien gleich entfernt", sagt Ömer Yanik. "Wir wollten vermeiden, dass ein paar hundert Muslime das vor dem Freitagsgebet sehen."

Der Staatsschutz ermittelt

Yanik ist Mitglied im türkisch-islamischen Kulturvereines. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Abdul Gökdemir sitzt er am Freitagnachmittag in einem Besprechungsraum neben der Moschee. Das Gebet ist gerade zu Ende gegangen, Imam Eyüp Aslanbay hat auch über die rassistische Bluttat in Hanau vom Mittwoch gesprochen. "Dieser Angriff zeigt uns mit ganzer Nacktheit, welche erschreckliche Dimension die Fremdenfeindlichkeit erreicht hat", steht im Manuskript der Freitagspredigt, das die Ditib-Predigtkommission formuliert hat – diese Texte sollen in allen Moscheen dieses Dachverbandes vortragen werden.

Die ersten Schüsse in Hanau fielen gegen 22 Uhr. Zweieinhalb Stunden vorher, gegen 19.30 Uhr, beschmierten Unbekannte laut Polizeibericht die Emmendinger Moschee. Nun ermittelt der Staatsschutz, auf die Verwendendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen stehen laut Strafgesetzbuch bis zu drei Jahre Haft. "Wir haben Vertrauen in die Polizei", sagt Ömer Yanik.

Immer wieder Sachbeschädigungen

Er spricht von einem Unsicherheitsgefühl, das schon vor der Schmiererei da war – und das sich in den vergangenen Jahren verstärkt habe. "In den letzten Jahren ist zu viel über Kopftuchmädchen und Messermänner debattiert worden", sagt der 41-Jährige. "Das, was hier passiert ist, ist ein Produkt davon."

Laut Yanik ist es das erste Mal, dass die Moschee mit rechtsradikalen Symbolen beschmiert wird. Probleme mit Sachbeschädigungen gab es jedoch schon.

Im Mai 2014 zündete jemand einen Pavillon auf dem Vereinsgelände an der Schwarzwaldstraße an, im Juni 2010 rissen Unbekannte eine türkische Flagge ab und schnitten den Schriftzug "PKK" hinein. "Dass wir jetzt von der rechten Szene attackiert werden, kränkt uns", sagt Yanik. "Emmendingen ist eine Vorzeigestadt in Integration." Er verweist auf Tage der offenen Moschee, auf Begegnungsfeste, auf ungefähr 30 Führungen für Schulklassen, die in jedem Jahr stattfinden.

Ömer Yanik: Solche Aktionen schrecken uns nicht ab

Der türkisch-islamische Kulturverein wurde 1979 beim Amtsgericht Emmendingen eingetragen, die Moschee in der Schwarzwaldstraße im Jahr 2000 fertiggestellt. An Freitagen beten laut Yanik bis zu 400 Muslime in den Räumen.

"Solche Aktionen schrecken uns nicht ab", sagt er. "Wissen Sie eigentlich, wann ich mich integrieren muss? Wenn ich in die Türkei gehe." Abdul Gökdemir nickt. "Ich bin waschechter Emmendinger – auch wenn ich mittlerweile in Teningen lebe."
3 Tatorte

Die Polizei ermittelt wegen Straftaten mit rechtsradikalem Hintergrund an drei Orten in Emmendingen und Sexau. Unbekannte sollen Hakenkreuze und Parolen an Gebäude geschmiert haben. Ob es sich um die gleichen Täter handelt, ist laut Polizeisprecherin Laura Riske unklar. Zeugentelefon: 0761-8825777.
  • Moschee: Die Tat soll laut Polizei am Mittwoch gegen 19.30 Uhr passiert sein.
  • Kindergarten: An der Einrichtung in der Werkhofstraße auf dem Emmendinger Ramie-Areal sollen laut Polizei am Donnerstag "vergleichbare Graffitis" festgestellt worden sein.
  • Grundschule: Der Hausmeister der Sexauer Grundschule entdeckte am Freitag Hakenkreuze und Parolen.

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