Halsbrecherisch und wagemutig

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Do, 19. September 2019

Rheinfelden

Der Zirkus Charles Knie spielt zwei Tage auf der Richterwiese zwölf Programmteile in einer schnellen Folge.

RHEINFELDEN. Wieder einmal ist der Zirkus Charles Knie bei in der Region zu Gast. Alle zwei Jahre besucht er bei seinen Tourneen die gleichen Städte.

Programmteile in schneller Folge
Allerdings, sowohl Artisten als auch Programm sind völlig neu. Mit einem großen "Exotentableau" werden die Vorstellungen beginnen. Schon daran ist mindestens ein Tier von jedem Kontinent der Erde beteiligt. Noch zwei weitere Tiernummern wird es geben, eine Pferdevorführung und die große Raubtierschau von Alexander Lacey. Der Engländer zählt zu den besten Raubtierdompteuren der Welt.

Mit seinen bis ins Detail ausgefeilten Dressuren erlangte er auch schon die höchste Auszeichnung des Internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo. Zum Programm gehören neun artistische Nummern, darunter die sensationellen Fahrten in der Motorradkugel. "Dioro’s Tam" kommt aus Brasilien, die vier Motorradartisten gehören als Teufelsfahrer mit ihren Verfolgungsrennen in der Stahlkugel. Ähnlich spannend macht es das Duo Vanegas mit seinen Rädern. Die beiden Kolumbianer zeigen hoch oben in der Zirkuskuppel halsbrecherische Seilsprünge. Fröhlich wird sicherlich der Auftritt des jungen tschechischen Artisten Jan Navratil mit seinen unerwarteten Jonglagen, vor seiner Kunst ist kein Gegenstand sicher. Die Knie-Ballett-Dancers führen in ihren bunten Kostümen von einer Nummer zur anderen.

Jahrestournee durch fast 50 Orte
Zirkus Knie ist einer der letzten, der noch ein Live-Orchester einsetzt, acht Musiker sorgen für die musikalische Überleitung und Begleitung. Knapp 100 Menschen gehen der Truppe voran, sie kommen aus 13 Ländern. Der Tross ist stets mit fast 200 Fahrzeugen unterwegs. Erst am Montagnachmittag lief in Waldshut die letzte Vorstellung, danach wurde abgebaut und bereits am Dienstagnachmittag stand auf der Richterwiese das Zelt. "Unsere Mannschaft ist eingespielt, das sitzt jeder Handgriff und es geht zügig beim Standortwechsel," sagte Geschäftsführer Sascha Melnjak.

Der Zirkus Charles Knie stammt zwar aus der namhaften Schweizer Zirkusfamilie, hat aber seit vielen Jahren seinen Sitz in Deutschland. Der frühere Eigentümer Charles Knie lebt nicht mehr in Deutschland, Melnjak führt das Unternehmen seit 2017. Inzwischen gelang es, in Einblick bei Kassel das frühere Areal des einstigen Zirkus Barum zu erwerben, dort hat er einen voll auf seine Bedürfnisse ausgerichteten Stammsitz. Während der Tournee kauft der Zirkus in den Auftrittsorten alle jene Güter ein, die zur Versorgung der Tiere notwendig sind. Aber auch die Hinterlassenschaften müssen wieder beseitigt werden, für beide Zwecke bestehen auch in Rheinfelden gute Kontakte zu Landwirten.

Immer wieder sieht sich auch der Zirkus Charles Knie Protesten von Tierschützern ausgesetzt. Allerdings, so meinte Melnjak, die heile Welt in der Natur, die dabei beschrieben werde, gibt es nicht mehr. Alle rund 90 Tiere, die mit dem Zirkus wandern, leben unter guten Bedingungen, zunächst einmal, weil sie in dieser Umgebung groß wurden und den Umgang mit Menschen gewöhnt sind. Mit Bluttests konnte laut Melnjak im Zirkus nachgewiesen werden, dass beim Umsetzen die Stresshormone der Tiere nicht ansteigen. Solch stabile Versorgung mit Futter und regelmäßige tierärztliche Betreuung seien in der Natur nicht gegeben. Nach Rheinfelden folgen in dieser Saison noch zwölf Gastspielorte, dann sind es insgesamt 47.

Vorstellungen in Lörrach, Zirkusplatz im Grütt, von Samstag bis Montag, 21. bis 23. September: Samstag, 16 Uhr, Sonntag, 11 und 15 Uhr, und Montag, 16 Uhr.