Corona-Krise

Handel und Gastronomie befürchten Pleitewelle

Philipp Peters

Von Philipp Peters

Do, 21. Mai 2020 um 19:48 Uhr

Wirtschaft

"Covid-19 hat die Wirtschaft im Würgegriff", sagt Rudolf Kastner, der Präsident der Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU). Vor allem Händler und Gastronomen kämpfen ums Überleben.

Im VBU sind elf Branchenverbände gebündelt. Die Corona-Krise ist in der südbadischen Wirtschaft angekommen. Vor allem Gastronomie und Handel rechnen mit dramatischen Folgen der Pandemie.

Während die Bauwirtschaft noch robust dasteht und vom Vorjahr zehrt, als die Umsätze um gut neun Prozent gestiegen waren, wird es in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel immer enger. "Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben", sagte VBU-Hauptgeschäftsführer Michael Hafner in einer Pressekonferenz in Freiburg.

Im Handel liege der Umsatz um bis zu 80 Prozent unterhalb des Vorjahres. Eine landesweite Umfrage unter 700 Händlern habe ergeben, dass jeder Zweite mit dem Aus für sein Geschäft innerhalb der nächsten zwei Jahre rechne. In der Gastronomie fürchte jeder dritte Unternehmer, die Corona-Krise nicht zu überleben. Diese Effekte könnten zum Teil auch erst in ein oder zwei Jahren eintreten, so Hafner.

Der VBU forderte neue Wirtschaftshilfe vom Staat. Die Soforthilfen gälten nur für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter. Förderkredite seien schwer zu bekommen und zum Teil überteuert, sagte Hafner. Daher müsse ein Entschädigungsfonds kommen, der auch für mittelständische Unternehmen Abhilfe schaffe.

Hafner kritisierte zudem Versicherer, die Kunden trotz einer Betriebsschließungsversicherung im Regen stehen ließen. Tatsächlich ist sich die Versicherungswirtschaft noch uneins, ob und wie stark die Versicherer bei Corona bedingten Betriebsschließungen zahlen sollen. Hafner rechnet damit, dass schon bald eine Klagewelle auf die Versicherer zurollen werde. "Es sind Klagen in Vorbereitung", sagte er auf Nachfrage. Eingereicht sei seines Wissens bislang noch keine.