Harter Tobak am THG-Theater

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 10. Oktober 2019

Schopfheim

Die Theatergruppe "Theo Plus Thea Maxi" führt an zwei Wochenende das Stück "Einer flog über das Kuckucksnest" auf.

SCHOPFHEIM. Einen schweren Stoff hat sich die Theater AG des Theodor-Heuss-Gymnasiums ausgesucht: Die jugendlichen Darsteller bringen das Drama "Einer flog über das Kuckucksnest" auf die Bühne, das durch die Verfilmung mit Jack Nicholson in der Hauptrolle berühmt geworden ist. Am Freitag, 11. Oktober, hat die Inszenierung in der Regie von Lukas Engelke in der Aula des THG Premiere.

Seit gut einem Jahr sind die 14- bis 17-jährigen Akteure des Ensembles "Theo Plus Thea Maxi" am Proben für dieses Theaterstück, das in einer psychiatrischen Klinik spielt. Dort wird der Häftling Randle Mc Murphy eingeliefert, der seine psychische Erkrankung nur vortäuscht, um dem Gefängnis zu entgehen, und geschockt ist von den strengen Zwängen auf der Station. Der aufmüpfige Rebell versucht die anderen Insassen zu Aktionen und Widerstand zu ermuntern und legt sich mit der herrschsüchtigen Oberschwester Ratched an, die ein rigides Regiment führt und zu brutalen Methoden wie Elektroschocks greift. Der Machtkampf zwischen dem Freigeist und der herrischen Oberschwester endet tragisch.

Ein schwieriges Stück, harter Tobak, den sich die Jugendlichen der Oberstufen-Theater-AG vorgenommen haben. Wie der Leiter der Theatergruppe, der Deutsch- und Biologielehrer Lukas Engelke, sagt, basiert ihre Inszenierung hauptsächlich auf der Bühnenfassung von Dale Wasserman nach dem Roman von Ken Kesey, der 1962 erschienen ist. Doch auch einige Elemente aus dem Buch und dem oscarprämierten Film von 1975 kommen vor. "Das Theaterstück ist die Blaupause", sagt Engelke, der seit 15 Jahren sehr engagiertes Schultheater macht. Es gibt am THG zwei Theater AGs, die jedes Jahr mit einer Produktion herausgekommen. 2017 wurde das Stück "Das besondere Leben der Hilletje Jans" über das ungewöhnlich harte Schicksal eines Waisenmädchens im Holland des 18. Jahrhunderts aufgeführt, im vergangenen Jahr wurde Shakespeares "Sommernachtstraum" in moderner Version gespielt.

In der Regel, erzählt Engelke, schlage er als Regisseur die Stücke vor. Dabei tendiert er lieber zu "leichteren, unterhaltsamen Stücken". In diesem Fall war es anders, da kam der Vorschlag aus der Gruppe, die "Einer flog über das Kuckucksnest" spielen wollte. Engelke hatte zuerst Bedenken, weil es ein beklemmendes und düsteres Stück ist, bei dem die Zuschauer am Ende "mit hängenden Schultern" anstatt mit lächelnden Gesichtern aus dem Theater gehen. Dennoch ließ sich Engelke von seinen jugendlichen Theaterspielern überreden und überzeugen, die offenbar entschlossen waren, "mal nicht niedlich zu sein". Das Stück sei eine "echte Herausforderung" für die jungen Schauspieler. Das Drama um den aufmüpfigen Eindringling, der versucht Menschlichkeit und Lebensmut in eine psychiatrische Station zu bringen, empfindet Engelke als "universelles Geschehen": Es gehe um den "Widerstand gegen Willkürherrschaft". Deshalb sei das Stück, auch wenn es aus den 60er Jahren stammt, heute aktuell. Und Engelke lässt es mit seiner Gruppe zeitlos in der Ausstattung und den Kostümen spielen. Die Inszenierung wird, so viel verrät Engelke, "drastisch realistisch" und arbeitet mit Mitteln wie Schattenspiel und Videos und auch mit surrealen Elementen, die sich aus der Realität herausheben.

Um sich dem Stoff zu nähern, ging Engelke in Etappen vor. Zuerst erarbeiteten sich die Jugendlichen die Charaktere des Stücks, indem sie den Figuren eigene Biografien geschrieben haben und überlegt haben, wo Verbindungen zu ihrem eigenen Leben sind. Auf halber Strecke, so Engelke, habe man sich gemeinsam den Kultfilm mit Jack Nicholson angesehen. Und dann ging es ans Erarbeiten der Rollen und Szenen. Um allen 35 Mitwirkenden die Chance zum Mitspielen zu geben, sind alle Rollen doppelt besetzt, so dass es an den Aufführungen alternierende Besetzungen gibt. In der Hauptrolle des Randle Mc Murphy sind Marlon Birgel und Siyabend Dogan zu sehen, in der Rolle der Oberschwester Ratched agieren Liliane Rieckmann und Jana Jauk, den Indianer "Häuptling Bromden", dem am Ende die Flucht gelingt, spielen Imke Olsen und Aeneas Stutz.

Info: Die Aufführungen sind am 11., 12., 18. und 19. Oktober, jeweils 20 Uhr, in der THG-Aula.