Gesundheit

Hat Vitamin D Einfluss auf den Verlauf einer Sars-CoV-2-Infektion?

dpa

Von dpa

So, 07. März 2021 um 10:54 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Mit dem "Sonnenhormon" Vitamin D Corona bekämpfen – das klingt verlockend. Für die Wirksamkeit einer solchen Vitamin-Gabe gebe es aber keine Beweise, sagen Experten.

Behauptung: Im Internet machen Empfehlungen für die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten die Runde – aktuell auch begründet mit Hinweisen, eine Infektion mit dem Coronavirus oder ein schwerer Verlauf einer Covid-19-Erkrankung könnten damit verhindert werden. Appelle kursieren, die Bevölkerung mit Vitamin-D-Ergänzungsmitteln zu versorgen. Als Beleg für die Notwendigkeit werden Beobachtungen aus Kliniken in mehreren Ländern angeführt.

Bewertung: Eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und einem erhöhten Risiko für eine Sars-CoV-2-Infektion oder einen schweren Covid-19-Verlauf ist nicht nachgewiesen.

Fakten: Beobachtungsstudien in europäischen und US-Krankenhäusern haben ergeben, dass bei Covid-19-Patienten häufiger ein Vitamin-D-Mangel festgestellt wird als in Kontrollgruppen. Es wurde auch berichtet, dass Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel häufiger an der Erkrankung sterben als andere. Martin Smollich, Pharmakologe und Professor am Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck, weist jedoch darauf hin, dass ein bei der Krankenhausaufnahme gemessener niedriger Vitamin-D-Spiegel Folge – und nicht Ursache – der Covid-19-Erkrankung sein könnte. Im Rahmen einer akuten, schweren Infektion sinke der Vitamin-D-Spiegel nämlich kurzfristig drastisch ab. Zudem trete ein Vitamin-D-Mangel "überdurchschnittlich häufig bei Erkrankungen und Lebensumständen auf, die ihrerseits das Covid-19-Risiko erhöhen, also in hohem Lebensalter, bei Adipositas oder bei Diabetes Typ 2".

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat die Studienlage unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel und einem erhöhten Corona-Risiko könne zwar vermutet werden. Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen reichten jedoch nicht aus, um eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung nachzuweisen.

Auch dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind keine Studien bekannt, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten vor einer Infektion mit dem Coronavirus oder vor einer Erkrankung schützt. Zwar sei wissenschaftlich unstrittig, dass Vitamin D zur normalen Funktion des Immunsystems beitrage. Das heiße aber nicht, dass man deshalb vorbeugend und ohne ärztliche Kontrolle hoch dosierte Vitamin-D-Präparate zu sich nehmen sollte.