Katastrophenschutz

Haushalte sollten Vorräte für 10 Tage haben – unabhängig von Corona

Hannes Koch

Von Hannes Koch

Di, 25. Februar 2020 um 20:24 Uhr

Panorama

Abgeriegelte Orte, leere Supermärkte: Die Lage wegen des Coronavirus in Italien wirkt dramatisch. Deutsche Behörden versuchen jedoch zu beruhigen – raten aber trotzdem zu Vorräten.

Viele Menschen sind in Sorge, weil sich das Coronavirus ausbreitet. Ein Nutzerin auf Twitter etwa schrieb: "Ich war heute früh mal einkaufen, nachdem ich mich mit Bekannten aus Piemont, Norditalien, über die Situation vor Ort ausgetauscht habe. Dort sind teilweise die Supermärkte leer." Dazu postete sie ein Foto von ihrem Einkauf, auf dem einige Flaschen Speiseöl, mehrere Packungen Nudeln und weitere Lebensmittel zu sehen sind.

Seit mehrere Städte in Norditalien unter Quarantäne gestellt wurden, die Bevölkerung also nur noch ausnahmsweise hinein- oder herausfahren darf, fragen sich einige Leute, ob so etwas auch in Deutschland droht. Zuständig wären für solche Maßnahmen zunächst die kommunalen Gesundheitsbehörden in Zusammenarbeit mit den Landesregierungen. Vom Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein hieß es dazu jedoch: Es "besteht zurzeit keine Veranlassung", sich auf Sperrungen des Zugverkehrs oder die Abriegelung von Städten vorbereiten.

Auch die Behörden anderer Länder halten den Ball flach. Die offizielle Risikoanalyse in Deutschland fällt differenziert aus. "Mit einem Import von einzelnen Fällen auch nach Nordrhein-Westfalen muss gerechnet werden", sagte Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens, am Dienstag. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sah es am Montag ähnlich: "Wir müssen damit rechnen, dass die Krankheit sich auch in Deutschland ausbreiten kann".

Kein Anlass für Maßnahmen wie in Italien – derzeit

Allerdings betonte das Robert-Koch-Institut, die zentrale Bundeseinrichtung der Krankheitsüberwachung: "Gegenwärtig gibt es noch keine Hinweise auf eine anhaltende Viruszirkulation in Deutschland, sodass die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell weiterhin als gering eingeschätzt wird."
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Zur Frage einer Quarantäne geben die Bundesländer Entwarnung. "Abstrakte Planungen im Rahmen des Katastrophenschutzes liegen vor", teilte das Gesundheitsministerium in Kiel zwar mit, schränkte dann aber ein: "Derartig weitgehenden Maßnahmen wie in Italien würde eine gründliche Abwägung sowie die Prüfung der Verhältnismäßigkeit und weniger eingreifender Maßnahmen vorausgehen." Für ein solches Vorgehen gäbe es "derzeit keinen Anlass".

Ortschaften können nur im Katastrophenfall abgeriegelt werden

Das niedersächsische Gesundheitsministerium schrieb: "Tatsächlich gibt das Infektionsschutzgesetz derzeit nicht her, dass, wie in China oder nun Italien, ganze Ortschaften abgeriegelt werden. Ganze Regionen unter Quarantäne zu stellen ist in unseren Pandemieplänen nicht vorgesehen. Dies könnte nur im Katastrophenfall angeordnet werden." Aus dem Sozialministerium in Stuttgart hieß es: "Das aktuelle Geschehen in Italien hat derzeit keine direkten Auswirkungen auf die Situation in Baden-Württemberg."

Einen Vorrat an Lebensmitteln für zehn Tage solle jeder Privathaushalt aber trotzdem lagern, rät das Bundesamt für Katastrophenschutz in Bonn. Unabhängig vom Coronavirus gilt dieser Rat für mögliche Naturkatastrophen und Ausfälle öffentlicher Infrastruktur wie etwa der Wasserversorgung. Unter anderem sollten pro Person, die im Haushalt lebt, 20 Liter Trinkwasser vorhanden sein.

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