"Helden in besonderen Situationen"

Erik Stahlhacke

Von Erik Stahlhacke

Mo, 25. März 2019

Heitersheim

Stimmungsvoller Festakt zum hundertjährigen Jubiläum der Feuerwehr Heitersheim in der Malteserhalle.

HEITERSHEIM. Als sich der Vorhang hebt, geht ein Raunen durch die Menge. Tausend Glühwürmchen flackern durch die Malteserhalle, tauchen die festlich gedeckten Tafeln in grünes Licht. Dazu Bigband-Sound vom Musikverein. Es sollte nicht der einzige Gänsehautmoment an diesem Abend bleiben. Die Feuerwehr Heitersheim stellte zum hundertjährigen Jubiläum einen Festakt auf die Beine, der einen Vergleich mit dem Berliner Presseball nicht scheuen muss.

Dies zumindest befand Politiker Armin Schuster, einer der geladenen Ehrengäste, die Bürgermeister Martin Löffler in seiner Willkommensrede begrüßte. Der Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann, die Landrätin Dorothea Störr-Ritter, etliche Stadträte und Bürgermeister aus der Region, befreundete Feuerwehrleute – sie alle feierten mit. "Die Heitersheimer Feuerwehr ist im Markgräflerland hochanerkannt", so Löffler. Dass in Hundert Jahren nur sechs Kommandanten die Feuerwehr führten, zeuge von großer Kontinuität. Der sechste Kommandant Kai Ullwer, der das Amt seit 2011 ausübt, hatte eine besondere Überraschung für seine Kameraden im Gepäck – ein Video, in dem sich Heitersheim herzlich bei der Feuerwehr bedankt. In dem Film zu sehen sind unter anderem der Schützenverein, das DRK, der Luisenkindergarten und die Kollegen von der Polizei. Es wurde deutlich: Die Feuerwehr ist ein unverzichtbarer Teil der Malteserstadt und stärkt das Sicherheitsgefühl bei Bürgern, Vereinen und Firmen – seit nunmehr Hundert Jahren.

Hundert Jahre, in denen sechs Kommandanten die Feuerwehr geprägt und kameradschaftliches Miteinander gefördert haben. Ihr Zusammenwirken symbolisierten sechs 1,5-Meter-Schläuche an der Bühne, die miteinander verschraubt die Zusammenarbeit über Generationen symbolisierten.

Melanie Hatt-Sütterle, die Urenkelin des ersten Kommandanten Albert Sütterle, gab einen Einblick in die neue Chronik, in der auch beschrieben wird, wie sich die Feuerwehr 1919 formierte. Hans Höfler, Enkel und Sohn der Kommandanten Nummer zwei und drei, Oskar Höfler und Johann Höfler, berichtete kurzweilig aus seiner Kindheit und erinnerte sich, wie er mit dem damaligen Feuerwehrauto, einem Opel Blitz, die Mädchen beeindruckte. Auch der vierte Kommandant Diethard Zirlewagen und sein Nachfolger Hansjörg Hagenbach blickten auf ihre Zeit im Amt zurück. Zirlewagen resümierte: "Wenn Leute bereit sind, anderen zu helfen, ist es um die Welt nicht so schlecht bestellt."

Die pompös dekorierte Malteserhalle mit fein eingedeckten Tischen machte dem Anlass alle Ehre. Im Laufe des Abends wurde den Gästen ein edles Menü mit Kalbsbraten als Hauptgang serviert. Wie man standesgemäß feiert, das weiß die Feuerwehr.

Neue Jugendfeuerwehr in den Dienst aufgenommen

An diesem Jubiläumsabend ging der Blick auch in die Zukunft. Die acht Mitglieder der im Januar neu gegründeten Jugendfeuerwehr wurden von Kommandant Ullwer feierlich in den Feuerwehrdienst aufgenommen. Damit haben nun alle Feuerwehren im Markgräflerland eine Jugendwehr.

"Wir werden euch brauchen", sagte Landrätin Dorothea Störr-Ritter in ihrem Grußwort an die Jugend gerichtet. Wer sich für den Feuerwehrdienst entscheidet, verdiene Wertschätzung – Feuerwehrleute seien "Helden in ganz besonderen Situationen". Christoph Zachow, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands und Andreas Grozinger, stellvertretender Kreisbrandmeister, überbrachten den Heitersheimer Kameraden ihre Glückwünsche und überreichten jeweils eine Urkunde.

Im Anschluss lobte Thomas Müller, Leiter des Polizeireviers Müllheim, die konstruktive Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, Siegfried Guckert überreichte im Namen der Vereinsgemeinschaft Heitersheim einen Scheck und der Vizebürgermeister der österreichischen Partnergemeinde Vandans, Michael Zimmermann, hob die Gemeinsamkeiten von Politik und Feuerwehr hervor: "Es wird manchmal brenzlig und schnelle Hilfe bei Problemen ist erstrebenswert."

Besonders im Gedächtnis blieb die Ansprache von Armin Schuster. Die Feuerwehr sei viel mehr als ein Sicherheitsgarant. Mit Stolz repräsentierten Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen den Staat und sorgten für ein subjektives Sicherheitsgefühl. "Haben Sie sich dafür schon mal bedankt?", fragte Schuster und gab den Gästen damit einen durchaus legitimen Denkanstoß mit.

Der letzte Programmpunkt war für die Kameraden eine Herzensangelegenheit. Zum Gesang des Heitersheimer Chores Intermezzo übergaben sie ihren Lebenspartnern Rosen – als Dank für die stetige Motivation und den Rückhalt, der in einem manchmal auch schwierigen Job so unabdingbar ist.