Helios will um Pflegekräfte kämpfen

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Fr, 26. April 2019

Breisach

Wer in der Breisacher Klinik neu anfängt, erhält eine Prämie von 3000 Euro / Stadt unterstützt Krankenhaus beim Werben ums Personal.

BREISACH. Weil in der Notfallambulanz und im Pflegebereich der Breisacher Helios-Klinik jeweils fünf Krankenschwestern oder Krankenpfleger fehlen, geht die Verwaltung in die Offensive. Jeder neue Mitarbeiter in diesem Bereich erhält künftig eine Prämie von 3000 Euro. Pflegekräfte, die bereits in der Klinik beschäftigt sind und eine neue Kraft anwerben, bekommen 1000 Euro. Dies gilt auch für die Helios-Kliniken in Müllheim und Titisee-Neustadt. Zudem wird die Suche im Ausland verstärkt. Die Stadt Breisach will Helios dabei auch finanziell unterstützen.

Bei einem Pressegespräch am Donnerstagmittag in der Helios-Klinik in Breisach zeichnete Klinikgeschäftsführerin Beatrice Palausch ein düsteres Bild, was die Suche nach Fachkräften in der Krankenpflege angeht. Sie sprach wörtlich von einem "Krieg in der Region um das Personal". Es gebe Kliniken, die bewusst Mitarbeiter anderer Krankenhäuser anrufen und Prämien versprechen würden. Kürzlich sei ein Krankenpfleger mit drei Angeboten anderer Häuser zur Personalverwaltung gekommen und habe gefragt, was Helios ihm bieten könne.

Suche auch im Ausland
Obwohl Palausch das Abwerben von Beschäftigten eigentlich "schlimm" findet, hat sie sich jetzt dazu entschieden, neue Mitarbeiter ebenfalls mit Prämien zu locken. Neue Beschäftigte im Krankenpflege- oder Kinderkrankenpflegebereich der drei Helios-Kliniken Breisach, Müllheim und Titisee-Neustadt könnten sich künftig über einen Bonus von 3000 Euro freuen, wenn sie mindestens ein Jahr in einem der drei Krankenhäuser ihren Dienst versehen. 1000 Euro Prämie erhält, wer bei Helios bereits in der Pflege arbeitet und einen Kollegen oder eine Kollegin vermittelt.

Zudem will Palausch zusammen mit Breisachs Bürgermeister Oliver Rein Anzeigen schalten, Plakataktionen starten und vor allem im Ausland nach neuem Personal suchen. Letzteres ist für Palausch die Variante, die den größten Erfolg verspricht. So wird sie bereits im Mai nach Italien mit dem Ziel reisen, 20 bis 30 neue Beschäftigte für die drei Helios-Kliniken im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zu gewinnen. Bis deren Berufsabschluss allerdings in Deutschland anerkannt werde, dauere es in der Regel sechs Monate.

Stadt beteiligt sich an Kosten
Nach einem längeren Gespräch mit Palausch hat sich Breisachs Bürgermeister dazu entschieden, die Klinik bei der Werbung um neues Personal zu unterstützen, und zwar auch finanziell. So könne sich die Stadt zum Beispiel an den Kosten für Stellenanzeigen beteiligen oder Schwestern und Pfleger für einen gewissen Zeitraum Kost und Logis zur Verfügung stellen. Darüber hinaus will Oliver Rein in Breisachs Partnerstadt Oswiecim nachfragen, ob dort geeignetes Personal frei ist. Weitere Ansprechpartner könnten die Agentur für Arbeit, Headhunter oder Bundeswehrkrankenhäuser sein. Das nahe Elsass klage dagegen ebenfalls über zu wenig Krankenpflegekräfte.

Geringeres Defizit
Im ersten Quartal 2019 haben drei Pflegekräfte in der Breisacher Klinik gekündigt, eventuell auch, weil das Krankenhaus aufgrund roter Zahlen in die Schlagzeilen geraten ist. Oliver Rein stellte daher unmissverständlich klar: "Die Breisacher Klinik wird nicht geschlossen. Ich glaube fest daran, dass es sie in 20 oder 30 Jahren immer noch gibt. Die Arbeitsplätze sind sicher." Und Beatrice Palausch bestätigte, dass das Defizit 2018 bereits "deutlich niedriger" ausgefallen sei als 2017, als es 1,1 Millionen Euro betrug. Genaue Zahlen konnte sie aber noch nicht nennen.

Weil in der Notfallambulanz fünf Stellen unbesetzt sind, bietet die Breisacher Klinik, wie bereits berichtet, seit einigen Monaten nur noch für stationäre Aufnahmen einen 24 Stunden-Notfallservice an. Ambulante Notfälle werden dagegen nur noch tagsüber versorgt. Rein will dies möglichst schnell wieder ändern. Palausch sagte dies für den Fall zu, dass die fünf Stellen wieder besetzt sind.

Interreg-Antrag
Die finanzielle Situation der Breisacher Klinik könnte sich weiter verbessern, wenn auch Franzosen dort behandelt werden könnten. Dies ist bislang versicherungstechnisch jedoch schwierig. Rein hat deshalb mit elsässischen Politikern einen Interreg-Antrag für ein Projekt auf den Weg gebracht, mit dem die gesundheitliche Versorgung im Raum Breisach-Colmar untersucht werden soll. "Die Stadt unterstützt alles, was der Klinik hilft", so der Rathauschef. Die Betriebsratsvorsitzende Elisabeth Kapp wies darauf hin, dass Krankenpflegekräfte bei Helios in den nächsten zwei Jahren 6,5 Prozent mehr Gehalt und ab 2020 300 Euro mehr Lohn im Monat erhalten.