Apparatebau

Herbolzheimer Firma fertigt 200 Meter langen Rohrreaktor für Kunden in Asien

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 15. November 2020 um 15:16 Uhr

Herbolzheim

Großauftrag der Superlative: Wecubex Systemtechnik aus Herbolzheim hat einen 200 Meter langen Rohrreaktor für einen Kunden in Asien hergestellt. Weltweit können das nur wenige Firmen.

Einen Großauftrag der ganz besonderen Art wickelte die Herbolzheimer Firma Wecubex Systemtechnik ab. In sieben Monaten Fertigungszeit stellte das Unternehmen einen Rohrreaktor mit mehr als 200 Meter Länge für einen Kunden in Asien her, der in der chemischen Industrie zum Einsatz kommt. Solches Spezialequipment können nach Angaben des Unternehmens noch nicht einmal eine Handvoll Firmen weltweit fertigen.

"Es war ein enormer Erfahrungsschatz unserer Produktionsmitarbeiter notwendig. Diese Kompetenz hat bei weitem nicht jeder", wird Ernst Schiller, Teamleiter Apparatebau bei der Wecubex Systemtechnik, in der Pressemitteilung des Unternehmens zitiert. Die Schweißfacharbeiter mussten auf das richtige Handling achten, auf die richtige Maschine sowie auf exakt die richtigen Temperaturen. Schiller: "Hierbei sind wirklich Kleinigkeiten entscheidend gewesen."

280 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Standort Herbolzheim

Der Blechdienstleister Wecubex ist vielen in der Region noch unter dem Namen "KLB Blech in Form" bekannt. Das 1998 gegründete Unternehmen firmiert seit 2018 unter dem Namen Wecubex. Als Teil einer europaweit agierenden Unternehmensgruppe ist die Wecubex Systemtechnik GmbH nach eigenen Angaben einer der führenden Systemlieferanten von der Idee über die Konstruktion bis zur Ausführung im Bereich der flexiblen Blechfertigung. Rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten am größten Standort in Herbolzheim. Wecubex liefert unter anderem an Kunden im Maschinenbau, der Fahrzeugindustrie, Bahn und Transport oder der Möbelindustrie.

Seinen Anfang nahm das Apparatebau-Großprojekt am 14. August 2019 mit dem schriftlichen Bestelleingang. Um überhaupt ein Angebot abgeben zu können, mussten Lieferanten und Partner gewonnen werden. Aufgrund der Komplexität dieses Projektes sei das das gar nicht so einfach gewesen. "Nur durch langjährige Partnerschaften war die Materialbeschaffung für diesen Großauftrag für uns überhaupt möglich", erklärt Projektleiter Björn Oswald. Benötigt wurde unter anderem reines Aluminium.

Nur wenige Unternehmen haben das Know-How für die Fertigung

Nachdem klar war, dass das Material erhältlich ist, ging es an statische Auslegungsrechnung sowie an die Konstruktion. Oswald: "Aufgrund der Größe war der Reaktor über mehrere Ebenen geplant, sodass zusätzlich ein Stahlbau notwendig war." Selbst dieses Stahlgerüst fertigte Wecubex im heimischen Werk in Eigenregie. Mehrere Zwischenkontrollen wurden gemeinsam mit dem Kunden durchgeführt und schließlich der komplette Apparat für eine Dichtheitsprüfung im Stahlbau probemontiert. Dafür wurde extra die ehemalige Schmalzhaf-Halle in Altdorf angemietet, die laut Oswald auch künftig für größere Projekte genutzt werden soll. Die Einzelteilfertigung geschieht am Standort Herbolzheim, Schweißarbeiten und Montage je nach Projekt aber auch in Altdorf. "Gerade in dieser Zeit, wo wir durch Corona auf Abstand achten mussten und den Schichtbetrieb umgestellt haben, war es eine noch größere Herausforderung", erzählt Oswald. "Das war ein ganz großes Teamprojekt, bei dem alle Mitarbeiter einen super Job gemacht haben."

In 46 Holzkisten, mit zum Teil Containerabmessungen, ging das Equipment zirka 14 Monate nach Auftragseingang inzwischen auf den Transport zum Seehafen Hamburg und von da aus zum Endabnehmer in Asien.

Geschäftsführer Christian Graeve blickt ebenso wie alle Beteiligten mit Stolz auf das Projekt zurück. Keine Handvoll Unternehmen weltweit hätten nach Einschätzung des Unternehmens das Knowhow und die Maschinen gehabt, um die Fertigung dieser Großanlage zu realisieren. Für die Verantwortlichen bei Wecubex ist das Großprojekt ein Beispiel für das Leistungsvermögen des Mittelstands.