Interview

Heute ist Anti-Diät-Tag: "Besser langfristig etwas verändern"

Katharina Meyer

Von Katharina Meyer

Do, 06. Mai 2021 um 16:07 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Keto-Diät, Intervallfasten, oder "Iss die Hälfte": Die Zahl der Diäten geht ins Unendliche, denn viele Menschen wollen weniger wiegen. Doch Medizinerinnen und Mediziner sind keine Fans.

Almut Zeeck (57) ist Expertin für Essstörungen und Leitende Oberärztin an der Klinik für Psychosomatische Medizin in Freiburg.

BZ: Heute ist der Anti-Diät-Tag. Ist es gut, Diäten zu hinterfragen?

Zeeck: Das halte ich für wichtig. Es sollte dazu mehr Aufklärung geben.

BZ: Was ist denn kritisch zu sehen?

Zeeck: Bei jungen Menschen zum Beispiel gehen Abnehm-Diäten mit einem erhöhten Risiko einher, eine Essstörung zu entwickeln – allerdings müssen noch weitere Faktoren hinzukommen. Wenn ein junger Mensch, der nicht gerade übergewichtig ist, sich in seinem Körper nicht wohl fühlt, sollte man besser schauen, was der Grund dafür ist. Wenn jemand wirklich übergewichtig ist, macht eine Beratung Sinn, um zu klären, wie die Ernährung gegebenenfalls umgestellt werden kann, um langsam abzunehmen. Sonst tritt der berühmte Jojo-Effekt ein. Der Körper fährt dann den Stoffwechsel runter und verbraucht zunehmend weniger. Und man nimmt nach der Diät rasch wieder zu, manchmal sogar über das Ausgangsgewicht hinaus. Das sind frustrierende Erfahrungen.

BZ: Gibt es sinnvolle Abnehm-Diäten?

Zeeck: Das ist schwer so pauschal zu sagen. Wenn die Idee einer Diät ist, einen schnellen Erfolg zu haben und in einer begrenzten Zeit recht viel abzunehmen, dann ist das nicht sinnvoll. Statt dessen sollte man langfristig und in kleinen Schritten etwas verändern. Bewegung ist da auch ganz entscheidend.

BZ: Essen spielt ja eine riesige Rolle im Moment. Haben wir das zu viel im Fokus oder zu wenig?

Zeeck: Beides. Natürlich sollte man sich Gedanken darüber machen, was man isst. Zu viel wird es dann, wenn sich eine dogmatische Haltung entwickelt. Ein guter Umfang wäre für mich, sich nicht von jedem Trend leiten zu lassen, sondern zu schauen, was einem selber guttut.