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Heute wählt Lahr: Hier gibt es alles Wichtige zur Oberbürgermeisterwahl

ch, malx

Von Christian Kramberg & Mark Alexander

So, 22. September 2019 um 10:58 Uhr

Lahr

Vom Stimmzettel bis zur Wahlparty: Die Badische Zeitung stellt alle Informationen zum anstehenden Urnengang am Sonntag zusammen.

Ibert, Durke, Buchheit, Schöneboom oder Oßwald? Rund 3500 Lahrer haben bereits per Briefwahl ihre Stimme abgegeben. Viele andere werden morgen, Sonntag, an die Wahlurnen gehen. 350 Helfer sind bei der Oberbürgermeisterwahl im Einsatz, gegen 18.30 Uhr werden die ersten Ergebnisse vorliegen. Die BZ hat alles Wissenswerte rund um den Wahlsonntag zusammengetragen.

Wahlberechtigte: 35 756 Frauen und Männer dürfen am Sonntag ihre Stimmer abgeben. Darunter sind 950 Wähler, die 16 oder 17 Jahre alt sind, und 3324 EU-Bürgerinnen und -Bürger.

Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Es gibt 39 Wahlbezirke in Lahr (außerdem acht Briefwahlbezirke). In den Wahlbenachrichtigungen sind der jeweilige Wahlbezirk und der Wahlraum angegeben. Zum eventuellen zweiten Wahlgang am Sonntag, 6. Oktober, werden keine neuen Wahlbenachrichtigungen versandt. Die Wähler bekommen deshalb ihre Wahlbenachrichtigung am Sonntag wieder ausgehändigt, teilt die Stadt mit.

Briefwahl: 3710 Unterlagen wurden verschickt, rund 3500 Lahrerinnen und Lahrer haben sich bereits entschieden. Die beantragten Unterlagen können auch am heutigen Samstag noch von 10 bis 13 Uhr persönlich im Bürgerbüro abgegeben oder direkt dort ausgefüllt werden. Die Briefwahlunterlagen müssen bis spätestens Sonntag, 18 Uhr, im Briefkasten des Bürgerbüros liegen.

Der Stimmzettel enthält die Namen der Bewerberin und der vier Bewerber nach der Reihenfolge des Eingangs. Die ersten drei Plätze wurden ausgelost: 1. Markus Ibert, 2. Jürgen Durke, 3. Christine Buchheit, 4. Guido Schöneboom, 5. Lukas Oßwald. Der Wähler kann auch eine wählbare Person eintragen, die nicht im Stimmzettel vorgedruckt ist. Dafür ist auf dem Stimmzettel eine freie Zeile vorgesehen. Jeder Wähler hat eine Stimme. Der Gewählte muss eindeutig kennzeichnet sein, zum Beispiel durch ein Kreuz.

Die Ergebnisse: Rund 350 Wahlhelfer zählen am Sonntag aus und melden das Ergebnis ans Rathaus. Die ersten Ergebnisse werden ab etwa 18.30 Uhr vorliegen und zeitgleich auf der Homepage der Stadt Lahr und auf dem Rathausplatz per Videoleinwand präsentiert.

Die Entscheidung: Gewählt ist, wer am Sonntag mehr als die Hälfte aller gültigen Stimmen auf sich vereinen kann, also mehr als 50 Prozent. Sollte dies keinem der fünf Kandidierenden gelingen, findet am Sonntag, 6. Oktober, eine Neuwahl statt. Dort genügt dann die höchste Stimmenzahl.
Liveticker

Die Badische Zeitung begleitet den Wahlsonntag und die Auszählung mit einem Liveticker. Darin gibt es Stimmen, Stimmungen und alles Wissenswerte rund um die Wahl direkt aus dem Gemeinderatssaal, wo am Abend das Ergebnis bekanntgegeben wird. Der Liveticker auf der BZ-Homepage beginnt um 17 Uhr unter
https://mehr.bz/ortenau

Die Wahlbeteiligung bei der letzten OB-Wahl 2013 war mit 52,7 Prozent erwartbar gering – schließlich hatte mit Wolfgang G. Müller nur ein Kandidat zur Wahl gestanden. Noch schwächer war sie allerdings 2005 mit 35,65 Prozent, obwohl mit Müller und Birger Bär zwei Kandidaten angetreten waren. Acht Jahre zuvor mit einem respektablen Kandidatenfeld waren es 55,1 Prozent im zweiten Wahlgang. Auch bei Kommunalwahlen war die Beteiligung in Lahr zuletzt sehr gering: 45,5 Prozent in diesem Jahr, 2014 gar nur 36,9 Prozent.

Die Wahlpartys: Wohin zieht es die Kandidierenden, wenn sie am Sonntagabend den Gemeinderatssaal verlassen? Markus Ibert ist von 19 Uhr an in der Trattoria da Enza in der Vogtstorstraße. Jürgen Durke hat das Gasthaus Engel in Sulz ausgewählt. Dort wird er von 20 Uhr an feiern. Christine Buchheit feiert ihre Wahlparty von 20 Uhr an im Schlachthof. Lukas Oßwald wird am Sonntagabend im neuen Fraktionszentrum in der Vogtstorstraße 3 mit Freunden und Sympathisanten feiern, und Guido Schöneboom lässt den Abend im Gasthaus Rebstock in der Marktstraße ausklingen.

Die Kandidaten am Wahltag: Drei der fünf Bewerber haben ihren Wohnsitz in Lahr und dürfen somit wählen. Die Kandidierenden lassen es ruhig angehen, bevor am Abend das Ergebnis verkündet wird. Markus Ibert will den Tag im Kreis der Familie verbringen, ebenso wie Christine Buchheit, die einen Ausflug in den Schwarzwald plant. Jürgen Durkes Partnerin ist als Wahlhelferin eingeteilt, er wird nachmittags im neuen Fraktionszentrum in der Vogtstorstraße 3 anzutreffen sein. Lukas Oßwald will einen entspannten Tag mit der Familie verbringen, genau wie Guido Schöneboom. "Vielleicht schaue ich am Nachmittag noch beim Heimspiel des FV Dinglingen im Bürgerpark vorbei", sagt Schöneboom.
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Was sonst noch ansteht: Tango statt Tabellen: Wer am Wahlabend Lust auf Kultur hat, kann den Stiftsschaffneikeller besuchen. Dort lädt der Kulturkreis zur musikalischen Lesung mit Cordula Sauter ein. "Astor Piazzola: Mehr Tango geht nicht" lautet das Motto von 18 Uhr an. Einstimmen auf den Wahlabend kann man sich beim Herbstfest des Musikvereins Sulz von 11 Uhr an oder auch bei einer Führung durch den Stadtpark, die um 17 Uhr beginnt (Treffpunkt am Haupteingang). Und wer anschließend die Leinwand im Kino der auf dem Rathausplatz vorzieht, der hat am Wahlabend mehrere Optionen: Wie wäre es mit Ad Astra, Angry Birds 2 oder dem fünften Teil der Rambo-Reihe?

Frühere Wahlverlierer

Jede Wahl hat ihre Verlierer – aber manchmal werden aus den Verlierern im weiteren beruflichen Leben auch Gewinner. Die BZ hat in ihrem Archiv nachgeforscht, was aus einigen der unterlegenen Lahrer OB-Kandidaten geworden ist.

Heinrich Wolters wurde mit Verzögerung Bürgermeister von Lahr. Nachdem Rudolf Binz, dem er ein Jahr zuvor noch unterlegen war, freiwillig abgedankt hatte, wurde Wolters im September 1929 gewählt. Im Mai 1933 ließen ihn die Nazis fallen. 1940 kehrte er auf seinen Wunsch in den öffentlichen Dienst zurück.

Auch Heinrich Friedrich ist ein Wahlverlierer, obwohl er zuvor schon Oberbürgermeister war. 1952 wurde er vom Stadtrat gewählt. Im Herbst 1961 musste Friedrich den OB-Sessel räumen: Er verlor die Wahl gegen seinen Mitbewerber Philipp Brucker. Nach seiner Amtszeit kehrte Heinrich Friedrich als Geschäftsführer in die Albert Nestler AG zurück. Friedrich starb 1985.

Hermann Person hatte sich neben Philipp Brucker und Heinrich Friedrich 1961 beworben. Nach dem ersten Wahlgang schied der CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Lahr aus. 1967 wurde Person zum Regierungspräsidenten ernannt. Außerdem war er viele Jahre Vorsitzender des Schwarzwaldvereins und des Badischen Sportbundes. 2005 starb er mit 90 Jahren.

Ralf-Joachim Fischer war 1981 als Baubürgermeister gegen Werner Dietz angetreten – und hatte mit für ihn enttäuschenden 30,8 Prozent den Kürzeren gezogen. Ein Jahr später hat der Sozialdemokrat nach drei Jahren Lahr wieder verlassen, wurde zunächst Baudezernent in Konstanz und ab 1997 in Chemnitz (bis 2002). Ambitionen auf einen OB-Posten hegte er nicht mehr, wie er einmal der BZ sagte: "Vom Naturell her bin ich einfach nicht der geeignete Kandidat – und verbiegen will ich mich nicht mehr." Mittlerweile lebt Fischer wieder in Konstanz.

Otto Neideck kehrte nach seiner Wahlniederlage 1997 gegen Wolfgang G. Müller an seinen Arbeitsplatz im Freiburger Rathaus zurück – und blieb dort bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr. Neideck war 1993 zum Bürgermeister für Finanzen, Wohnungswesen und Liegenschaften der Stadt Freiburg gewählt worden. Als Oberbürgermeister hat er sich nach Lahr nie wieder beworben, zum Abschied sagte er im April 2018 gegenüber der Badischen Zeitung: "Nein. So was braucht man nicht öfter. Ich habe damals die Wahl verloren und dann hat sich die Frage nie wieder gestellt." Den Grund für die Niederlage hat er bei sich selbst gesehen: "Weil ich im Wahlkampf elementare Fehler gemacht habe. Die Niederlage habe ich ausschließlich selbst verschuldet. Im Nachhinein kann ich aber sagen, die OB-Wahl in Lahr hatte zwei Gewinner."

Birger Bär ist 2005 für die CDU gegen Müller angetreten – nach einigen Turbulenzen bei den Christdemokraten. Parteivorstand und Fraktionsspitze hatten sich offen gegen seine Kandidatur ausgesprochen und personelle Konsequenzen gezogen. Der Apotheker hatte keine Chance im Duell gegen Müller. Er kam nur auf 23,4 Prozent. Im Dezember 2006 ist Bär nach nur wenigen Monaten und weiteren Querelen als CDU-Stadtverbandsvorsitzender zurückgetreten, heute lebt er im Landkreis Lörrach.

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