Hoffnungsschimmer für Kultur

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Di, 04. Mai 2021

Emmendingen

Beate Desenzani, Abteilungsleiterin bei der Stadt Emmendingen, spricht von der "Quadratur des Kreises".

. "Kulturaktivisten sind Besessene", sagte Fachbereichsleiter Hans-Jörg Jenne in der Sitzung des Kulturausschusses. Deswegen ist er sich sicher, dass die Stadt schnell wieder sehr lebendig sein werde, wenn Türen und Fenster wieder aufgingen und die Corona-Bremsen gelockert werden.

Auf grünes Licht für seine Veranstaltung wartet Günther Hoffmann, Macher des Künstlermarkts. Mehrfach wurde dieser verschoben, aber nun hofft der Inhaber der Spielspirale auf das Pfingstwochenende. "Nach der aktuellen Verordnung sind Märkte bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 möglich", sagt Abteilungsleiterin Beate Desenzani. Allerdings läuft diese Verordnung am 15. Mai aus, und was dann geht und was nicht, weiß heute niemand. "Wir planen viel, um es dann gleich wieder abzusagen", erklärte sie. Das Weinfest etwa (die BZ hat berichtet): Es braucht einen langen Vorlauf, aber niemand weiß, ob im August das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit erlaubt sein wird. Deshalb die Absage

Es gibt die eine oder andere corona-konforme Veranstaltung – mit halb so viel Spaß, weil mit wenigen Menschen. "Es ist die Quadratur des Kreises", sagte Desenzani, die sich eng mit den Veranstaltern abstimmt. Doch meist gibt es nur Stornierungen und in der Steinhalle, sonst kulturelles Zentrum und Ort großer Familienfeiern, "so spannende Veranstaltungen wie Kreistagssitzungen". Und dennoch: Immer wieder Reservierungen. Mancher Veranstalter hoffe auf den Sommer und "ab September sind wir ausgebucht – die Hoffnung stirbt eben zuletzt." Weil in Sachen Tourismus derzeit nichts geht, machen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung eben die Hotline für das Testzentrum der Stadt; und die Organisation der Zentren hat Desenzani übernommen.

Die Stadtbibliothek habe ihre wichtigste Benutzergruppe verloren, bedauert die Abteilungsleiterin, die Kinder bis zu zwölf Jahren, die mit ihren Schulklassen kamen. Die Aktion "Heiß auf Lesen" wird stattfinden, allerdings mehr digital. Wie überhaupt die "Onleihe", das Ausleihen digitaler Werke, kräftig gewachsen ist: 2019 wurden so 28 634 Medien gebucht, 2020 waren es 37 130. Der Trend setzt sich fort: Im Jahr 2021 wurden pro Monat rund 3500 Medien so geordert, sagte Desenzani. Geholfen hat dabei sicher auch, dass die Onleihe derzeit kostenfrei ist. Ab Mai wird sich das wieder ändern, dann gelten wieder die normalen Gebühren von 17 Euro für Einzelpersonen und 25 für Familien; damit sind dann digitale und analoge Ausleihe abgedeckt, also alle Angebote – auch die Spiele, die in Corona-Zeiten sehr gut angenommen werden.

"Click & Collect" wird gern genutzt, kann aber die Präsenz nicht ersetzen: "An einem normalen Dienstag haben wir 700 bis 800 Ausleihen, mit Click & Collect sind es 150 bis 200", sagte Desenzani. Dabei bestellen die Leser online oder per Telefon die gewünschten Medien und verabreden einen Abholzeitpunkt. Dann dürfen sie anklopfen und ein Mitarbeiter bringt ihnen das gefüllte Körbchen. Im Mai ist auch "Click & Meet" geplant für all diejenigen, die lieber vor Ort stöbern. Und noch etwas plant die Bibliothek: Sie will eine Bücherei der Dinge werden. Die Idee: Man soll dort kleine Geräte, die man einmalig etwa für eine Bastelarbeit benötigt, ausleihen könne, statt sie zu kaufen und später doch nicht mehr zu nutzen, vom Laminiergerät bis hin zur Zackenschere.