Autobahnzubringer Offenburg Süd

Hohberg will eine zusätzliche Variante geprüft sehen

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

Di, 14. Januar 2020 um 17:21 Uhr

Hohberg

Neuer Vorstoß zur Planung des Autobahnzubringers Offenburg-Süd: Die Gemeinde Hohberg fordert, bestehende Straßen in die Prüfung einzubeziehen.

Die Gemeinde Hohberg fordert in einer Stellungnahme zum geplanten Autobahnzubringer Offenburg-Süd das Regierungspräsidium Freiburg auf, den Ausbau der bestehenden Straßen in Richtung Offenburg als zusätzliche Variante in die Trassenprüfung einzubeziehen. Diese sogenannte Variante null wird in Hohberg gleichrangig mit der Variante vier gesehen.

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Montagabend die Stellungnahme der Gemeindeverwaltung ohne Einwände abgesegnet. Die Gemeinde betont darin, dass sie sich in ganz erheblichem Maß vom Bau des Zubringers B 33-Offenburg-Süd betroffen sieht, da bis auf die nördlichste Variante 2 alle Planvarianten die Gemarkung Hohberg-Hofweier tangieren. Zudem gebe es zukünftig weitere große Infrastrukturprojekte, die das nördliche Hohberg betreffen: das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn, die Einfahrt des Tunnels Offenburg, der Ausbau der A 5 und der Neubau der Stromtrasse zwischen Daxlanden und Eichstetten.

Gemeinde lehnt die südlichen Varianten ab

Die südlichen Trassenvarianten lehnt die Gemeinde ab, weil diese auf die Binzburgstraße und das Gewerbegebiet Hofweier stoßen würden und zudem die B 3 bis Offenburg massiv ausgebaut werden müsste, was mit enormem Flächenverbrauch und hohen Kosten verbunden sei.

Bei der mittleren Variante 3 sieht die Gemeinde zwar die geringsten Betroffenheiten, befürchtet jedoch einen Konflikt mit den Plänen der Bahn zum Bau des dritten und vierten Gleises. Zudem würde diese Variante den Solarpark nahe Hofweier und den landwirtschaftlichen Bereich zwischen Naherholungsgebiet und Wohnbebauung Hofweiers durchschneiden.

Gemeinde rechnet mit Kostenersparnis

Der bisher nicht in Erwägung gezogene, als Variante 0 bezeichnete Ausbau der bestehenden Verkehrswege in Richtung Offenburg würde die Zerschneidung landwirtschaftlich genutzter Flächen mit fruchtbaren Böden vermeiden, so die Stellungnahme Hohbergs weiter. Zudem müsse beachtet werden, dass zusätzliche Straßen auch mehr Verkehr brächten und besagte Variante eine Menge Kosten einsparen würde.

Die im Flächennutzungsplan als "Freihaltetrasse Südzubringer" ausgewiesene Variante vier sieht die Gemeinde auf Augenhöhe mit V0 als vorteilhafteste Lösung. Damit würde ein Zerschneiden des Königswalds vermieden und zugleich der Abstand zu den südlichen Wohngebieten von Offenburg gewahrt. Außerdem könnten die dortigen Schrebergärten erhalten werden. Die V4 bedeute durch ihre diversen Umfahrungen allerdings eine längere Verkehrsstrecke, was in der Stellungnahme wegen des zusätzlichen Schadstoffeintrags als gravierender ökologischer Nachteil gesehen wird.

Bau des Zubringers ist im vordringlichen Bedarf

Auch aus diesen Gründen fordert Hohberg, die V0 mit dem Ausbau der bestehenden Straßenzüge gleichrangig mit der V4 nochmals in die Prüfung aufzunehmen. Die Forderung beinhaltet gleichzeitig eine ihrer Gewichtung entsprechende Berücksichtigung der festgestellten und in Zukunft zu erwartenden Verkehrsströme.

Der Bau des Autobahnzubringers Offenburg-Süd ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als vordringlicher Bedarf eingestuft und befindet sich aktuell in der Phase der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit.
Bisherige Varianten

Die Variante V 0 (siehe Infografik rechts), die den Status quo abbildet, wurde als nicht leistungsfähig genug ausgeschlossen. Schließlich soll die neue Trasse nicht nur die B 33 aus dem Kinzigtal südlich an Offenburg vorbei bis zur Autobahn verlängern, sondern auch den Verkehr aus dem wachsenden interkommunalen Gewerbegebiet Hochdrei aufnehmen. Variante V 1 wurde aus Umweltgründen ausgeschieden, inzwischen wäre ohnehin das Gefängnis im Weg. Ein vierspuriger Ausbau der Bestandstrasse V 2 schied wegen der Belastung der Südstadtteile aus, und die Variante V 3, weil sie das Naherholungsgebiet am Königswaldsee zu stark trennen würde. Die Varianten V5 a bis 5 c gelten als zu großer Umweg für den Verkehr aus dem Kinzigtal. 2006 kam als Alternative die Variante V 6 südlich des Flugplatzes hinzu. Übrig blieb mit Variante V 4 eine Trasse, der auch Hohberg und Schutterwald zustimmen konnten – bis sie im April 2014 nach Protesten der Offenburger Südweststadtteile Hildboltsweier, Albersbösch und Uffhofen verworfen wurde.