Rohstoff

Holzpreis steigt seit Jahresbeginn stark und belastet Handwerker

Marie Schneider

Von Marie Schneider

Fr, 09. April 2021 um 15:22 Uhr

Wirtschaft

Seit Jahresbeginn steigen die Preise für Schnittholz in rasantem Tempo, unter anderem, weil viel Holz aus der Region ins Ausland exportiert wird. Das verdrießt viele Handwerker.

47 Cent netto bezahlt André Hintenaus normalerweise für Dachlatten. "Der aktuelle Preis liegt bei 1,13 Euro", berichtet der Zimmerer aus Malsburg-Marzell. Die Holzpreise in Südbaden steigen seit einigen Wochen stetig an. Hinzu kommen zum Teil Lieferengpässe, die die Handwerker vor Schwierigkeiten stellen.

"Ich beobachte den Markt schon seit Mitte der 1980er Jahre. Einen Anstieg in diesem extremen Ausmaß habe ich noch nicht erlebt", sagt Franz-Josef Lückge, Inhaber des Unternehmens Forst-Holz-Markt Consulting. Die Gründe für den plötzlichen Anstieg sind vielfältig.

"Zurzeit gibt es eine extrem hohe Nachfrage aus dem Bausektor sowie eine sehr hohe Nachfrage aus dem Export", erklärt Lückge. Nach einer langjährigen Tätigkeit im Arbeitsbereich Markt und Marketing der Universität Freiburg, wechselte er in die Selbstständigkeit und erstellt nun vor allem Markt- und Branchenanalysen für die Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland und Europa. Im Moment beobachtet er beim Schnittholz Preisanstiege von 10 bis 20 Euro pro Woche – üblich seien einige Cent oder Euro im Monats- oder Quartalsrhythmus.

200 Euro oder mehr pro Quadratmeter Holz

"In Baden-Württemberg ist das Holz aus Kalamitätsnutzung fast aufgebraucht", sagt Lückge. Damit will er sagen, dass die großen Mengen an Schadholz, die in den vergangenen drei Jahren angefallen sind – durch den Borkenkäferbefall, die Stürme und die große Hitze – wider Erwarten schnell Verwendung fanden. Die Baukonjunktur, die schon im vergangenen Jahr trotz der Corona-Pandemie eine Hochphase erlebte, laufe jedoch weiter, sodass es nun zu Engpässen kommt.

Auch der Bausektor in Nordamerika erlebe einen Boom: "Die Preise für Schnittholz in den USA liegen bei umgerechnet etwa 500 Euro pro Kubikmeter. Das ist ein extrem hohes Niveau", so Lückge. In Deutschland belaufe sich der Preis für einfache Dachlatten, Bretter oder Balken unter normalen Umständen auf etwa 170 Euro pro Kubikmeter, mittlerweile seien es 200 oder mehr. Doch dies liegt noch immer weit unter dem amerikanischen Preis, weshalb sich viele Unternehmen für den Export entscheiden.

"Weltweit gesehen besteht derzeit eine sehr große Nachfrage nach Nadelschnittholzprodukten" Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Auch in andere Regionen der Welt gelangt ein großer Teil der deutschen Holzprodukte: "Weltweit gesehen besteht derzeit eine sehr große Nachfrage nach Nadelschnittholzprodukten", erklärt das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Aufgrund des anhaltenden Lockdowns würden sich mehr Menschen mit Arbeiten am Haus und im Garten beschäftigen. "Zugleich kommt es im asiatischen Raum mehr und mehr zu einer Rohstoffverknappung", heißt es aus dem Ministerium. Dies macht es für die Händler wiederum lukrativ, Holz zu exportieren.

In Südbaden versuchen kleinere Handwerksbetriebe derweil vergebens, Holz zu erwerben. "Die Händler kündigen 8 bis 16 Wochen Lieferzeit an. Letztes Jahr konnte ich meistens noch am Tag selber meine bestellten Produkte bekommen", berichtet André Hintenaus, der eine Zimmerei mit fünf Angestellten betreibt. Er habe zwar volle Auftragsbücher, befürchtet allerdings, die Aufträge aufgrund des Materialmangels nicht ausführen zu können. "Was passiert dann? Müssen wir folglich unsere Angestellten in Kurzarbeit schicken? Eine gewisse Zeit kann man solche Ausfälle überbrücken, aber nicht dauerhaft", sagt Hintenaus.

Lieferengpässe in allen Bereichen

Ein Vertreter aus dem Handel, der für Zimmerer und Dachdecker unter anderem Holz, Dämmung und Ziegel vertreibt, beklagt Lieferengpässe in allen Bereichen. Er könne für die nächsten Wochen kaum mehr planen, da die Industrie das Material nur noch zum Tagespreis verkaufe. Die Konstruktion eines Standarddaches koste etwa 40.000 Euro. "Heute sind es schon 44.000 und in zwei Wochen vielleicht 48.000. Wie soll ich jetzt für Pfingsten etwas planen, wenn die Preisentwicklung nicht absehbar ist?", fragt der Händler.

Bei den Waldbesitzern hingegen sind die Preisanstiege bisher nicht zu spüren: "Bei der Holzpreis-Entwicklung muss zwischen Rundholz und Schnittholz unterschieden werden", erklärt Thomas Unke, Leiter des Forstbezirks Hochrhein. Der Preis des sogenannten Rundholzes, das die Waldbesitzer ernten und an die Sägewerke verkaufen, sei in den vergangenen drei Jahren vor allem bei Nadelholz dramatisch gesunken.

"Mittelfristig werden wir auf jeden Fall Probleme mit der Rohstoffversorgung bekommen" Marc Hanewinkel
"Die Holzpreise der Waldbesitzer erholen sich langsam von der Niedrigpreisphase der letzten drei Dürre- und Kalamitätsjahre. Einen Zusammenhang mit der Preisentwicklung bei den Zimmererbetrieben sehe ich daher nicht", erläutert auch Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg. Der Holzeinschlag laufe insgesamt wieder etwa auf dem normalen Niveau der nachhaltigen Holzernte vor den Schadereignissen.

Allenfalls von einer Tendenz zur Normalisierung kann laut Unke die Rede sein. Zwar sei nicht vorauszusehen, wann sich die Lage auf dem Holzmarkt wieder entspanne, doch glaubt Franz-Josef Lückge eher an ein kurzfristiges Ereignis. Für Marc Hanewinkel, Professor für Forstökonomie und Forstplanung an der Universität Freiburg, ist der Preisanstieg ungewöhnlich. Er weiß, dass es normalerweise drei bis vier Jahre dauert, bis der Preis nach einer Übersättigung des Marktes wieder ansteigt. "Mittelfristig werden wir aber auf jeden Fall Probleme mit der Rohstoffversorgung bekommen", sagt er.

Ministerium will nicht in den Holzmarkt eingreifen

Allein in Deutschland seien in den vergangenen drei Jahren 200 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen. Material, das nicht in kurzer Zeit zurückgewonnen werden kann und deshalb früher oder später fehlen wird. Dass dieser Zeitpunkt jetzt schon eingetroffen ist, hält der Experte für unwahrscheinlich.

Die Zimmerer wünschen sich indes mehr Unterstützung von der Politik und finanzielle Hilfen zum Ausgleich ihrer Verluste. Das Landwirtschaftsministerium teilt dazu mit, dass es in das Marktgeschehen am Holzmarkt nicht steuernd eingreife. "Grundsätzlich haben wir auf dem Binnenmarkt aktuell kein generelles Versorgungsproblem mit Holzprodukten", heißt es. Und die Möglichkeiten für Investitionshilfen seien durch die Wettbewerbsvorschriften in Baden-Württemberg eng begrenzt.

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