Besonderes Exponat

Hornloses Nashorn aus Offenburg wird in Stuttgart ausgestellt

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 24. November 2020 um 18:03 Uhr

Offenburg

Durch einen spektakulären Diebstahl ist das Nashorn des Offenburger Museums im Ritterhaus bekannt geworden. Nun wird es in Stuttgart ausgestellt – als Symbol für die Gier des Menschen.

Nashornpulver gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als Blut kühlend und entgiftend. Es war immer ein seltenes und teures Mittel und avancierte in den vergangenen Jahrzehnten zum prestigekräftigen Geschenk an wohlhabende asiatische Geschäftsleute und Parteifunktionäre. Mit der Nachfrage stieg auch der Preis. Eine Gruppe aus dem Dunstkreis der Irish Travellers spezialisierte sich vor einigen Jahren auf den Diebstahl von Rhinozeros-Hörnern aus europäischen Museen und Universitätssammlungen. Sie führte den Namen "Dead Zoo Gang".

Allein in der Bundesrepublik zählte die Polizei im Jahr 2011 insgesamt 21 Nashorndelikte, 30 Rhinozeros-Hörner wurden entwendet. Im Offenburger Museum schlugen die Diebe am Fasnachtssamstag, dem 18. Februar 2012 zu. Die vier Täter wurden jedoch, auch aufgrund detaillierter Personenbeschreibungen des Museumspersonals, später gefasst und verurteilt. Die Hörner wurden zunächst in Straßburg versteckt, bevor sie – höchstwahrscheinlich zu Pulver zermahlen – nach China oder Vietnam geschafft wurden. Auf dem Schwarzmarkt dürfte damit ein Kilopreis von bis zu 50.000 Euro erzielt worden sein.

Das Museum im Ritterhaus ging damals offensiv mit dem Diebstahl um und arbeitete die Thematik 2013 in der viel beachteten Ausstellung "Hornlos – Nashornraub in deutschen Museen" auf. Seither hängt das beschädigte Präparat wieder an seinem angestammten Platz in der neu gestalteten kolonialgeschichtlichen Abteilung. Dort wurde auch Christopher Dowe vom Haus der Geschichte in Stuttgart auf das Ausstellungsstück aufmerksam.

Geldgier wird auch lebenden Nashörnern zum Verhängnis

Auf der Suche nach einem geeigneten Exponat für die dort geplante Ausstellung "Gier" empfahl Kuratorin Anne Junk das hornlose Nashorn. Es steht zum einen für die Gier der Kolonialherren, Militärs und Großwildjäger nach Trophäen, zum anderen für die Geldgier der Nashorn-Diebe und schließlich für die Gier nach teuren prestigeträchtigen Geschenken, die sich in den Eliten Chinas und Vietnams etabliert hat. Nicht nur historische Nashorn-Trophäen, sondern auch lebende Nashörner fallen dieser Gier zum Opfer. Heute sind die Tiere akut von der Ausrottung bedroht.

Jetzt ist das hornlose Nashornpräparat auf Reisen gegangen. Zwischen dem 6. Dezember 2020 und dem 30. Juni 2021 soll es im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen sein – sofern das Infektionsgeschehen Ausstellungen zulässt.