Firma Testo und die Krise

Hotel am Titisee wird nicht weitergebaut

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Di, 31. März 2020 um 16:57 Uhr

Titisee-Neustadt

Elf Millionen Euro sichert sich Testo für die Bewältigung der Folgen der Corona-Krise, indem das Unternehmen den Bau des Business-Hotels in Titisee vorläufig auf Eis legt.

TITISEE-NEUSTADT. Der Messgerätehersteller hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem Umsatzzuwachs abgeschlossen, die Perspektive für 2020 ist nach gutem Start aber düster, der Vorstandsvorsitzende Burkart Knospe spreizt im Pressegespräch die Erwartungen zwischen einem bestenfalls leichten Zuwachs bis hin zu einem Einbruch um 20 Prozent.

Der Umsatz ist um 24 Millionen Euro auf 340 Millionen gestiegen, das macht 7,6 Prozent aus. Angesichts eines deutlich rückläufigen USA-Geschäfts und der Last durch Strafzölle findet Knospe das Ergebnis achtbar. Die Prognose hatte bei fünf bis zehn Prozent gelegen.

Durchbruch bei Testo-Solutions

Dazu beigetragen hat in einem allerdings noch überschaubaren Umfang von sechs bis sieben Prozent der neue Testo-Geschäftszweig Solutions, die digitale Qualitätssicherung für die Lebensmittelindustrie und die Gastronomie. Knospe spricht jedoch vom Durchbruch und davon, dass die Kunden die Lösung annehmen, unter anderem McDonalds mit mehreren Landesvertretungen. Das nächste Ziel ist, die Zahl der Kunden deutlich zu steigern und sicherzustellen, "dass alles sauber funktioniert".

Der Blick des Vorstandsvorsitzenden auf das von der Corona-Krise geprägte Jahr 2020 fällt zwiespältig aus. Er sieht von den vier Zielgruppen an Kundschaft die Felder Handwerk/Umwelt und Pharma als robust an. Food (Lebensmittel und Restaurantketten) sowie Industrie (Fahrzeugbau) bereiten ihm Sorgen, Knospe rechnet mit "sehr, sehr starken Rückgängen schon im nächsten Quartal", hier sollen Investitionen ausgesetzt werden. Für Testo gehe es darum, sich auf das Schlimmste vorzubereiten, um möglichst heil durch die Krise zu kommen. Knospe zeigt sich zuversichtlich, dass man das auch ohne staatliche Hilfe schaffen kann.

Stopp beim Hotel und bei der Dividende

Eine eigene Vorkehrung ist, das geplante Business-Hotel am Titisee zurückzustellen. Das 110 Meter lange Gebäude auf dem Grundstück des ehemaligen Hotels Tannfried sieht 107 Zimmer, Tagungsräume und 200 Restaurantplätze vor. Die Investition ist mit elf Millionen Euro umrissen. Das Vorhaben ist im Ort nicht unumstritten, denn das Gelände, das gegenwärtig wie eine Kiesgrube wirkt, gefällt den Menschen im heilklimatischen Kurort nicht. Knospe äußert dazu, dass angesichts der Krise die Baustelle die geringste Sorge der Titiseer sein sollte. Er kündigt an, "wenn der Tourismus wieder aufblüht, werden wir weiterbauen". Als weitere Maßnahme wird Testo für 2019 keine Dividende ausschütten. Über die Einführung von Kurzarbeit wird nach seinen Worten "nachgedacht".

Mehr Personal am Standort Titisee

Testo hat 2019 an Personal zugelegt, 3117 Beschäftigte sind es weltweit (2018 noch 3035), davon 1806 in Deutschland (1761). Verschiebungen haben sich regional ergeben, denn durch Umzug von Lenzkirch in den zweiten Neubau in Titisee sind es dort 418 Beschäftigte (289), in Lenzkirch 358 (523). Kirchzarten hat 455 Arbeitsplätze. Die Zahl der Auszubildenden liegt in Deutschland bei 71 (68).