Ende des Lockdowns

Hotels und Gaststätten in Bad Säckingen und im Hotzenwald stehen vor der schrittweisen Öffnung

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Mo, 11. Mai 2020 um 17:50 Uhr

Bad Säckingen

Der Lockdown hat das Gewerbe hart getroffen. Die Betriebe müssen strenge Hygieneregeln umsetzen und Umsatzeinbußen kompensieren. Die BZ hat zwei Hotels in Bad Säckingen und in Rickenbach besucht.

Dass ab kommender Woche Gaststätten und ab dem 29. Mai Hotels wieder öffnen können, dürfte bei vielen Gastronomen und Hoteliers in der Region für Erleichterung sorgen. Der Lockdown hat gerade dieses Gewerbe besonders hart getroffen. Doch nach der schrittweisen Öffnung muss die Branche erst einmal die strengen Hygienevorschriften umsetzen und die gewaltigen Umsatzeinbußen kompensieren. Die BZ hat zwei Hotels in Bad Säckingen und in Rickenbach besucht und nachgefragt, wie es nach der Krise weitergehen soll.

Gäste können auf dem Zimmer essen

Die Betten sind bezogen, die Eingangstüre steht weit offen und das Green auf dem hoteleigenen Golfübungsloch ist akkurat gemäht – eigentlich sieht alles aus wie in der Hochsaison, nur die Gäste fehlen im Hotel Rheinsberg in Obersäckingen. Draußen auf der leeren Terrasse wartet Geschäftsführer Niels Bosley. Er hat momentan alle Hände voll zu tun, denn im Rheinsberg war der Hotelbetrieb zu keinem Zeitpunkt ganz eingestellt. Immerhin einige wenige Geschäftsreisende konnte das Hotel in den vergangenen Wochen noch beherbergen. Aber die alleine lasten 26 Hotelzimmer natürlich bei weitem nicht aus. "Wir waren fast ausgebucht und sind praktisch auf null gefallen", so der Geschäftsführer. Vor allem der völlige Ausfall des wichtigen Ostergeschäfts schmerze. "Die Zeit, die wir verloren haben, können wir nicht aufholen. Das Geschäftsjahr 2020 müssen wir abhaken. Wir versuchen, die Verluste so gering wie möglich zu halten", bilanziert Bosley. 30 Mitarbeiter hat die Hotelgruppe Sapia, die neben dem Rheinsberg auch das Sankt Fridolin in Bad Säckingen betreibt. Die Angestellten sollen nun schrittweise aus der Kurzarbeit zurückgeholt werden, denn die strengen Hygieneregeln nach der Wiedereröffnung werden personalintensiv sein. Kontaktloses bezahlen sei schon vorher kein Problem gewesen, betont Bosley, aber die Zimmer müssten in Zukunft aufwendiger gereinigt werden. Buffets sind wohl fürs erste nicht mehr möglich, das Essen muss also einzeln am Platz serviert werden. "Gäste können auch auf dem Zimmer frühstücken und essen, wenn sie das möchten", so Bosley. Der Mehraufwand werde sich im Übernachtungspreis niederschlagen müssen, kündigt der Geschäftsführer an.

Deutliche Kritik am Lockdown

Seiner Ansicht nach hätte es den Lockdown in dieser Form gar nicht gebraucht. Die strengen Hygiene- und Abstandsregeln hätte sein Haus auch schon vorher jederzeit umsetzen können, betont Bosley. Deshalb hat er auch deutliche Worte für die Politik: "Es wäre nicht notwendig gewesen, so einen radikalen Schritt zu machen. Bei allem Verständnis für die Maßnahmen kann man so nicht mit Arbeitgebern umgehen."

"Wir werden prüfen, ob wir Schadensersatz vom Staat fordern." Geschäftsführer Niels Bosley
Bosley geht sogar noch einen Schritt weiter: "Wir werden prüfen, ob wir Schadensersatz vom Staat fordern."Tourismus ist in der Region ein entscheidender Wirtschaftszweig. Die Stadt Bad Säckingen zählte 247.000 Übernachtungen im Jahr 2018. Davon entfielen knapp 75.000 auf Hotels. Wie sich die Übernachtungszahlen während des Lockdowns entwickelt haben, könne er erst in ein paar Monaten genau beziffern, wenn die Rückmeldungen von den Hoteliers ausgewertet sind, sagt Thomas Ays, Leiter des Bad Säckinger Amts für Tourismus und Kultur. "Aber sicherlich werden sie drastisch zurückgegangen sein", fügt er an. Die Tourismusbranche hofft, dass es im Sommer einen Urlaubsboom in Deutschland geben wird. Niels Bosley ist da skeptisch: "Bad Säckingen und der Hochrhein werden davon eher nicht profitieren."

Hotelpächter muss einen Kredit aufnehmen

Einige Kilometer weiter nördlich im Hotzenwald ist die Situation ähnlich. Der kleine Luftkurort Rickenbach lebt ganz wesentlich vom Tourismus. Mehr als 100.000 Übernachtungen zählte das 4000-Seelen-Dorf im vergangenen Jahr. An der Ausgabetheke fürs Take-away-Essen wartet Giorgio Puglisi. Erst vor einem Jahr hat er den Alemannenhof mit dem Hotel Engel übernommen. Bei Puglisi sorgen neben den Geschäftsreisenden vor allem Wandertouristen und Vereine für den Umsatz. Nun sind der große Saal für 200 Gäste und die Kegelbahn verwaist. Im Büro stapeln sich die Stornierungen. Momentan ist Puglisi froh, wenn wenigstens zwei oder drei Handwerker auf Montage bei ihm übernachten oder wenn er einige Essen liefern kann. Die Lockerungen kommen für den Hotelpächter also keine Sekunde zu früh. 45.000 Euro Verlust pro Monat macht er während des Lockdowns , schätzt Puglisi.

"Das Geld wird bei den Leuten wohl nicht mehr so locker sitzen. Aber vielleicht kommen ja trotzdem viele im Sommer zum Urlaub in den Hotzenwald." Hotelpächter Giorgio Puglisi
Um das zu kompensieren, musste er einen Privatkredit über 100.000 Euro aufnehmen – das sei das erste Mal gewesen, dass er überhaupt Schulden aufgenommen habe, betont Puglisi: "Aber wenn ich zumache, dann sind 22 Leute auf einen Schlag arbeitslos." Trotz allem blickt er vorsichtig optimistisch in die nähere Zukunft: "Das Geld wird bei den Leuten wohl nicht mehr so locker sitzen. Aber vielleicht kommen ja trotzdem viele im Sommer zum Urlaub in den Hotzenwald. Von hier aus kann man nämlich wirklich schöne Ausflüge machen."