WM 2022

Hunderttausende Philippiner arbeiten in der Wüstenhitze für die WM in Katar

Barbara Brustlein

Von Barbara Brustlein

So, 29. Juli 2018 um 13:26 Uhr

Ausland

BZ-Plus Katar hübscht sich auf für die Fußball-WM 2022 – und hunderttausende Gastarbeiter müssen in der Wüstenhitze schuften. Ohne die Arbeiter von den Philippinen würde im Wüstenstaat nichts gehen.

Sanft dudelt die Musik im Hintergrund. Der Gondoliere steht aufrecht in seinem Kahn. Mit elegantem Paddelschlag schippert er seine Passagiere, einen Vater mit seinem Sohn, die 150 Meter Kanal abwärts, vorbei an Schaufenstern und Cafés mit berühmten Namen. Der Himmel ist blau, ganz leicht von Wolken durchzogen.

Die Illusion ist perfekt. Ganz so, als wäre es ein echter Himmel über einem echten Venedig.

Draußen 40 Grad, drinnen Klimaanlage
Alles ist klimatisiert, um von den knapp 40 Grad Hitze, die draußen herrschen, abzulenken und den zahlungskräftigen Italien-Liebhaber vergessen zu lassen, wo er sich befindet: in einer Indoor-Einkaufsmeile mit dem Namen "Villaggio". Sie liegt neben einem 300 Meter hohen Wolkenkratzer, einem Hotel namens "The Torch", das derzeit allerdings Gefahr läuft, dass ihm neue Gebäude höhenmäßig den Rang ablaufen. Das Einkaufsparadies "Villaggio" und das Luxushotel liegen in der "Aspire- Zone", dem Sportareal Dohas, der Hauptstadt des Wüstenstaates Katar.

Neben dem Hotel wird gerade das Khalifa-Stadion vergrößert, um auch dort die zur Fußballweltmeisterschaft 2022 erwarteten Besuchermassen fassen zu können. Nachdem Katar den hoch umstrittenen Zuschlag für die Fifa-WM erhalten hat, hat das Emirat begonnen, ein auf zehn Jahre angelegtes Infrastrukturprogramm für 180 Milliarden Euro umzusetzen. Alles hier muss größer werden, imposanter, neuer. Katar ist eine Baustelle. Und die Kataris sind solvente Bauherren wie wenige andere. Der niedrige Ölpreis schlägt sich in diesem Jahr zwar erstmals überhaupt im Haushalt mit einem Defizit nieder, aber die Kassen sind noch gut gefüllt. Darum sind sie alle hier, Firmen aus der ganzen Welt, die ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen.

180 Milliarden in zehn Jahren für die Infrastruktur
Im "Villaggio" sitzt derweil eine Handvoll Gäste: die Herren in Weiß mit rot-weiß-karierter Kopfbedeckung, die Damen in Schwarz von Kopf bis Fuß. Es sind Besucher aus Saudi-Arabien, wo in dieser Woche Schulferien sind. Es ist früher Abend. In Venedig, Italien, wäre jetzt die richtige Zeit für einen Aperitif. Im Indoor-Venedig in Doha bleibt man öffentlich beim Fruchtsaft. Auch in der Hotelbar im 22. Stock des benachbarten Hotels "The Torch", dessen Gäste über einen ...

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