Historiker im BZ-Interview

Ian Kershaw: "Hitler ist für mich eine Hassfigur"

Thomas Goebel

Von Thomas Goebel

Mi, 15. Juni 2011 um 21:02 Uhr

Literatur

Der britische Historiker Ian Kershaw zählt zu den Leuchtturmwissenschaftlern seines Landes – und befasst sich mit der deutschen Geschichte. Wie es dazu kam? Und warum die Person Adolf Hitler weiterhin auf großes Interesse stößt? Ein Interview.

Anlässlich eines Freiburg-Besuches hatte Thomas Goebel Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem von der Queen in den Ritterstand erhobenen Träger des Bundesverdienstkreuzes (68).

BZ: Professor Kershaw, entschuldigen Sie, dass ich Sie gleich auf Prinz Harry anspreche: Vor ein paar Jahren erschien er als Nazi verkleidet auf einer Party und löste damit einen Skandal aus. Wie groß ist das Interesse an der NS-Zeit heute in der britischen Öffentlichkeit?
Ian Kershaw: Bei Studierenden ist es groß, meine Seminare zu dem Thema waren immer stark besucht. Die britische Öffentlichkeit interessiert sich aber generell wenig für Geschichte...

BZ: Hat sich das in den letzten Jahrzehnten verändert?
Kershaw: Sicher, wir waren schließlich im Krieg, bei der älteren Generation gab es schon deshalb ein starkes Interesse an Hitler-Deutschland. Es gibt auch heute noch Ressentiments, sie sind aber nicht mehr so stark. Man macht sich ab und zu lustig über die NS-Zeit – aber das ist in England kein wichtiges Thema mehr.

BZ: Wie nehmen Sie die Beschäftigung mit dem "Dritten Reich" in Deutschland wahr?
Kershaw: So weit ich das beurteilen kann, gibt es kein anderes Land, das seine düstere Vergangenheit mit solchem Eifer aufarbeitet. Wenn man an Japan denkt, an Österreich, Spanien oder Frankreich, dann ist Deutschland sicher ein Sonderfall. Die ...

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