Ich habe Möglichkeiten, mein Leben zu gestalten

Monika Kollefrath

Von Monika Kollefrath (Freiburg)

Mo, 11. Januar 2021

Leserbriefe

Geht es in den beiden Leserbriefen darum, menschliches Leben zu klassifizieren in mehr oder weniger lebenswert? Oder soll etwa das Solidaritätsprinzip nur dann angewandt werden, wenn es dem erfolgreich integrierten Bundesbürger nützt beziehungsweise mir selbst? Wer dement, alt, obdachlos oder Asylbewerber ist, hat sich das in der Regel nicht aus freien Stücken ausgesucht. Definitiv gehören diese Gesellschaftsgruppen zu den schwachen.

Ich als erwerbstätige Bundesbürgerin bin ausgesprochen dankbar darüber, dass ich nicht in prekären Verhältnissen leben muss, dass ich im Rahmen der vielen Einschränkungen trotzdem noch viele Möglichkeiten habe, mein Leben zu gestalten. Mein Verstand funktioniert (noch), und ich bin in der Lage, alle nötigen und möglichen Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Die von Herrn Klugermann und Herrn Frey aufgeführten Personengruppen sind das nicht oder nur sehr eingeschränkt.

Ich bin auch dankbar darüber, dass ich in einer Gesellschaft lebe, in der sich die Verantwortlichen in der Politik dazu entschieden haben, vor allem die Schwachen und diejenigen, die sich tagtäglich um deren Versorgung kümmern, impfen zu lassen. Auf diese Weise zeigt sich für mich: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und: Jeder Mensch ist wertvoll – ganz unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit.Monika Kollefrath, Freiburg