IG Metall: Bis 8 Prozent mehr

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Von dpa

Di, 21. Juni 2022

Wirtschaft

Gewerkschaft schraubt wegen hoher Inflation ihre Lohnforderung nach oben / Kritik der Arbeitgeber.

(dpa/BZ). Nach der Zurückhaltung in der Corona-Krise will die IG Metall angesichts rekordverdächtiger Preissteigerungen ein deutliches Lohnplus für die 3,9 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Der Vorstand empfahl am Montag eine Forderung von 7 bis 8 Prozent mehr Geld für die Tarifrunde.

Es ist die höchste Forderung der IG Metall für die Metall- und Elektroindustrie seit 2008. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann mahnte zugleich mehr staatliche Entlastungen der Bürger an. "Wir haben mit dieser Forderung auch klar signalisiert, dass wir über Tarifpolitik nicht den kompletten Inflationsdruck, der auf den Haushalten lastet, alleine ausgleichen könnten."

Kräftige Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel hatten die Teuerungsrate im Mai auf 7,9 Prozent getrieben – auf einen Rekordwert seit fast 50 Jahren.

Die Empfehlung des Gewerkschaftsvorstands ist noch nicht die endgültige Lohnforderung. Diese wird am 30. Juni in den regionalen Tarifkommissionen diskutiert. Am 11. Juli will der Vorstand die endgültige bundeseinheitliche Forderung beschließen. Die Gewerkschaft peilt eine Laufzeit von zwölf Monaten an.

Zur Begründung für die Empfehlung zieht die IG Metall auch die konjunkturelle Lage der Branche heran. Demnach waren laut einer Umfrage unter den Betriebsräten im vergangenen Jahr im Schnitt über die gesamte Industrie hinweg deutliche Umsatz- und Produktivitätszuwächse zu verzeichnen. Gleichwohl sah die Lage laut IG Metall je nach Sparte sehr unterschiedlich aus. So ging beispielsweise die Produktion in der Automobilindustrie deutlich um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, während sie im Maschinenbau zulegte.

Hofmann widersprach der Darstellung, die Forderung könnte eine Lohn-Preis-Spirale auslösen, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln. Es gehe vielmehr darum, die Kaufkraft der Bürger für den privaten Konsum als derzeit einzig erkennbare Quelle des Wirtschaftswachstums zu erhalten. Breche der private Konsum ein, könnte eine Rezession drohen.

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, warf der IG Metall vor, "die Lage in der Metall- und Elektro-Industrie schönzureden". Das sei verantwortungslos. Derzeit müssten 94 Prozent aller Mitgliedsbetriebe massive Kostensteigerungen verkraften. Nur ein Prozent der Firmen der Metall- und Elektroindustrie sei in der Lage, die Kostensteigerungen durch Preiserhöhungen voll an die Kunden weiterzugeben. "Ein Fünftel sieht angesichts der Entwicklungen sogar eine wirtschaftliche Gefährdung des eigenen Unternehmens." Sich an vielleicht Hundert Firmen zu orientieren, denen es besonders gut gehe, werde der komplizierten Lage nicht gerecht.

Die Verträge für die Beschäftigten in den Kernbranchen der Industrie laufen Ende September aus. Hofmann hofft, die Verhandlungen im November abschließen zu können. Warnstreiks sind vom 29. Oktober an möglich.