Im Mittelalter schon frisiert

epd

Von epd

Sa, 11. September 2021

Panorama

Haar-Fund in München.

Münchnerinnen und Münchner haben offenbar bereits im Spätmittelalter Wert auf ihr Äußeres gelegt – und auf eine schicke Frisur. Das haben Experten des Bayerischen Landeskriminalamts herausgefunden, nachdem sie Haarbüschel, die aus der Zeit zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert stammen, untersucht hatten. Die Büschel waren bei Ausgrabungen am Marienhof im Münchner Stadtzentrum entdeckt worden, so das Landeskriminalamt am Freitag.

Die Haare hätten sich in einem Brunnenschacht, der um das Jahr 1261 angelegt und später als Latrine genutzt worden sei, befunden, heißt es weiter. Dieser Brunnen sei die älteste bislang bekannte Baukonstruktion Münchens. Die in den oberen Schichten des Brunnens gefundenen Haare seien bewusst abgetrennt gewesen "wie nach einem Friseurbesuch".

Die Erkenntnisse des Landeskriminalamts seien ein wichtiger Meilenstein, um zu rekonstruieren, wie die Menschen im Spätmittelalter in München lebten und aussahen. "Menschliche Haare an sich haben in allen Kulturen eine besondere Bedeutung", sagte Eleonore Wintergerst, Archäologin an der Archäologischen Staatssammlung, die mit der Bearbeitung der Funde befasst ist.