Drogenkonsum

Immer weniger Jugendliche rauchen – Sorge bereitet das Kiffen

dpa

Von dpa

Do, 02. Juli 2020 um 11:00 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Zigarettenrauchen gilt bei Jugendlichen als uncool und lockt daher immer weniger. Sorgen macht hingegen der Anstieg beim Konsum von Cannabis. Dieser ist für junge Menschen besonders riskant.

Den Trend gibt es schon seit einiger Zeit: Zigaretten locken immer weniger junge Leute. Entwarnung geben Gesundheitsexperten aber nicht und bauen auf neue Werbeverbote. Sorgen gibt es auch bei Cannabis.

Rauchen ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland nach neuen Daten so unbeliebt wie nie – aber bleibt das so? Unter den 12- bis 17-Jährigen sagen noch 5,6 Prozent von sich, ständig oder gelegentlich zu rauchen, wie eine am Mittwoch in Berlin vorgelegte Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergab.

Unter den 18- bis 25-Jährigen sind demnach jetzt noch 21,2 Prozent Raucher – ebenfalls ein historischer Tiefstand. Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) sprach von "erfreulichen Zahlen". Weitere Werbeverbote, die der Bundestag an diesem Donnerstag beschließen soll, seien aber wichtig, damit sie so niedrig bleiben.

Anteil der "Nie-Raucher" steigt auf bisher höchsten Wert

Rauchen sei bei jungen Menschen zunehmend uncool, sagte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss. Der Anteil der "Nie-Raucher" stieg nun auf den bisher höchsten Wert: Nach eigenen Angaben noch kein Mal im Leben geraucht haben 85,1 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 45,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen. Die Entwicklung bei E-Produkten und Wasserpfeifen sei genau zu beobachten – auch wenn aktuell keine weiteren Anstiege beim Konsum zu sehen seien.

Für die Studie der Bundeszentrale wurden den Angaben zufolge 7000 Menschen von 12 bis 25 Jahren zwischen April und Juni 2019 befragt. Die Umfragereihe läuft seit 1973 in regelmäßigen Abständen.

Um vor allem junge Leute vor Risiken zu schützen, will die Regierungskoalition am Donnerstag ein schrittweises Verbot der Plakatwerbung fürs Rauchen durchs Parlament bringen. Wirksam werden soll es ab 2022. In den Blick kommen zudem Elektro-Zigaretten. Auch Kinowerbung und Marketingaktionen sollen beschränkt werden. Es sei wichtig, dass Deutschland jetzt als letztes europäisches Land ein Außenwerbeverbot beschließe, das auch E-Produkte umfasse, sagte Ludwig. "Werbung wird gemacht, um Konsum anzureizen. Wer das Gegenteil behauptet, lügt." BZgA-Leiterin Thaiss sagte: "Prävention ist immer Schwimmen gegen den Strom." Niedrige Zahlen hießen nicht, dass man sich ausruhen könne.

Sorgen gelten demnach weiterhin einem verbreiteten Alkoholtrinken bis zum Rausch unter jungen Leuten – und Konsum-Anstiegen bei Cannabis. Laut Studie haben dies 10,4 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 46,4 Prozent der 18- bis 25-Jährigen schon einmal ausprobiert.

Cannabis-Konsum im Jugendalter mit besonderen Risiken verbunden

"Cannabis ist die mit Abstand am meisten konsumierte illegale Substanz", sagte Thaiss. Dies sei besonders bedenklich, da der Konsum im Jugendalter mit besonderen Risiken für den wachsenden Organismus verbunden sei. Je häufiger und früher gekifft werde, desto höher seien Risiken für Hirnschäden, Lernschwächen und depressive Phasen, erklärte Ludwig.

"Nur weil Alkohol gefährlich ist – unbestritten – ist Cannabis kein Brokkoli." Daniela Ludwig, Bundesdrogenbeauftragte
Die Drogenbeauftragte warnte davor, mit Debatten über eine Freigabe von Cannabis den Eindruck zu erwecken, man spreche über einen eher harmlosen Stoff. "Nur weil Alkohol gefährlich ist – unbestritten – ist Cannabis kein Brokkoli." Sie habe keine Veranlassung, die Debatte über eine Legalisierung zu vertiefen. "Wir haben zwei Volksdrogen, ich brauche keine dritte", sagte Ludwig mit Blick auf Alkohol und Tabak.

Angesichts der Corona-Krise verwies CSU-Politikerin Ludwig auch auf die besonders schwierige Lage von Kindern, die in Familien mit Suchtproblemen aufwachsen, in denen es meist um Alkohol geht. Hier sei wegen der Schließungen von Schulen und Kitas ein Stück gesellschaftliche Kontrolle abhandengekommen. "Wenn Kinder ihre Eltern in Suchtsituationen erleben müssen, hinterlässt das tiefe Wunden." Neben der Arbeit von Kinderärzten und Jugendämtern komme es auf alle an, bei Problemen nicht wegzuschauen.