Baukosten

Immobilienwirtschaft kritisiert staatliche Programme wie das Baukindergeld

dpa,afp,bz

Von dpa, afp & BZ-Redaktion

Di, 19. Februar 2019 um 19:56 Uhr

Wirtschaft

Wohnkosten in Deutschland steigen schneller als die allgemeine Preisentwicklung. Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft macht die Regierung mitverantwortlich: Das Baukindergeld treibe die Preise.

Die Kosten fürs Wohnen in Deutschland steigen weiter schneller als die allgemeine Preisentwicklung. Laut Baubranche kletterten die Kaufpreise für Eigentumswohnungen 2018 um 8,2 Prozent, die Kaltmieten um 3,9 Prozent. Die Lebenshaltungskosten in allen Bereichen legten nur 1,9 Prozent zu. Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA macht die Regierung mitverantwortlich: So treibe das Baukindergeld die Preise.

Der Preisauftrieb sei "Ausdruck des weiter bestehenden Missverhältnisses zwischen Wohnungsangebot und Wohnungsnachfrage", so die Branche. Das gelte vor allem für die Wachstumsregionen. Der Aufwärtstrend bei Wohnungsmieten dürfte sich im laufenden Jahr fortsetzen – daran ändere auch die zum Jahresbeginn verschärfte Mietpreisbremse nichts.

"Die Politik setzt die falschen Signale statt die richtigen Anreize", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. So werde der Neubau im Land "völlig vernachlässigt". Außerdem wirke etwa das Baukindergeld preistreibend. Dieses schlage der Verkäufer in vielen Fällen auf den Verkaufspreis auf. Zudem "erhalten viele Familien Baukindergeld, die darauf nicht angewiesen wären". Beim Baukindergeld gibt es über zehn Jahre insgesamt 12 000 Euro pro Kind, 70 000 Förderzusagen wurden erteilt – die meisten für bereits laufende Bauvorhaben statt für neue. Die eigentlichen Probleme für Haushalte mit geringeren Einkommen, geringes Eigenkapital und hohe Grunderwerbssteuer, blieben hingegen bestehen, heißt es in dem Gutachten. FDP und Linke halten das Baukindergeld für rausgeworfenes Steuergeld.

Es bringe nichts, wenn Städte wie Berlin in großem Stil Wohnungen kauften

Preistreibend wird aus Sicht der Immobilienbranche auch ein vom Bundestag beschlossener befristeter Steuerbonus für den Mietwohnungsbau wirken. Zudem bringe es wenig, wenn Städte wie Berlin Wohnungen im großen Stil kauften – "außer dass man die Steuerkasse plündert", so Mattner.

Die Ökonomin Carolin Wandzik sagte zum Inhalt des Gutachtens: Die hohen Wohnkosten in den Innenstädten treiben immer mehr Mieter und Käufer ins Umland der großen Städte: "Aufgrund der steigenden Preise in den Zentren ist die Abwanderung ins Umland wieder deutlich gestiegen." Die Fachleute sehen immer mehr übertriebene Preise, vor allem in den sieben größten Städten und ihrem Umland, aber auch in einer Reihe weiterer Städte. "Wir beobachten diese Entwicklung mit ganz viel Argwohn", sagte der Freiburger Ökonom Lars Feld bei der Vorstellung des Gutachtens.

Er sieht aber keine Hinweise auf das, was die Experten eine Immobilienblase nennen. Platzt eine solche Blase – etwa weil die Zinsen plötzlich steigen – brechen die Preise ein. Feld sagte, die Käufer finanzierten ihre Häuser und Wohnungen weiterhin recht konservativ.