Corona-Gedenktag

In Bad Krozingen wurde ein Video für die Opfer der Pandemie gedreht

Frank Schoch

Von Frank Schoch

So, 18. April 2021 um 19:49 Uhr

Bad Krozingen

Im Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie hat ein Initiativkreis in Bad Krozingen einen Videofilm aufgenommen, der ab Sonntagabend abrufbar ist. Dazu wurde im Kurpark ein Baum gepflanzt.

Im Rahmen des nationalen Gedenktags für die Opfer der Corona-Pandemie am Sonntag hat in Bad Krozingen ein Initiativkreis der beiden Kirchen, von Stadtverwaltung und Sozialstation bei einer Gedenkfeier im Bad Krozinger Kurpark symbolisch einen Baum gepflanzt. Betroffene konnten ihre Gedanken und Geschichten an Fähnchen daran zum Ausdruck bringen. Die ganze Aktion wurde in einzelnen Sequenzen als Video aufgenommen, das ab Sonntagabend online ansehbar ist.
Manchmal ist Stille lauter als jegliches Geräusch. Kein Klatschen war zu hören, keine Regie-Anweisung, nur Nachdenklichkeit. Die Worte, die Michael Laule auf der Bühne der Konzertmuschel im Bad Krozinger Kurpark sprach und mit denen er an seinen an den Folgen einer Covid 19-Infektion gestorbenen Bruder erinnerte , gingen den Zuhörern nahe. "Er starb ohne haltende Hand, ohne Blicke der Liebe, ohne tröstende Worte", so Laule. "Es macht Mut, dass sich die Mehrheit der Menschen solidarisch zeigt und die Einschränkungen mitträgt. Aber es gibt immer noch Personen, die die Pandemie leugnen", sagte der Hinterbliebene. Für Andreas Guthmann war dies "der dichteste Moment" der nachmittäglichen Veranstaltung. Wobei, "eine Veranstaltung im eigentlichen Sinne war es ja gar nicht", wie der evangelische Kur- und Reha-Seelsorger betonte.

Gemeinsam mit den Verantwortlichen der evangelischen und katholischen Kirche, der Stadtverwaltung Bad Krozingen und der Sozialstation Südlicher Breisgau hatte Guthmann in den vergangenen Wochen geplant, auch in Bad Krozingen der Opfer der Corona-Pandemie zu gedenken. Ursprünglich war eine Präsenzveranstaltung vorgesehen, die aber durch die Entwicklung der Inzidenzwerte schon einige Zeit lang verworfen werden musste. Ein Livestream aus dem Kurpark erschien aufgrund der technischen Anforderungen zu schwierig und aufwändig. "Vor drei Wochen haben wir uns dann entschlossen, diesen Weg zu gehen", sagte der katholische Pastoralreferent Georg Klingele. Betroffene und Angehörige sollten die Möglichkeit haben, ihre Geschichten zu erzählen. Und weil es zu den Traurigkeiten dieser Zeit gehört, dass sie sozialen Kontakte stark reduziert sind, wurde alles vom Bad Krozinger Foto- und Filmteam von Two-Phase-Design aufgenommen und geschnitten. Ab Sonntagabend ist der Film auf den Internetseiten der beiden Kirchen sowie der Stadtverwaltung zu sehen. So kann das gemeinsame Gedenken von möglichst vielen Menschen begangen werden.

Damit einher ging aber auch, dass einen am Sonntag eher das Gefühl beschlich, einem Drehtag, nicht einer Gedenkfeier beizuwohnen. Applaus für die musikalischen und die Redebeiträge eingeschlossen. Die Geschehnisse ließen wiederum einige Passanten interessiert stehen bleiben. "Entscheidend ist, wie das Video wird", sagte Andreas Guthmann. Immer wieder war zu hören, dass man gespannt ist, wie die einzelnen Elemente zusammengesetzt wirken. Nicht zuletzt unter der Begleitung der musikalischen Beiträge der Gemeindekapelle, des Bläserkreises der evangelischen Kirchengemeinde und der Lieder der Sopran-Solistin Anja Schowalter mit Begleitung von Bezirkskantorin Susanne Konnerth am E-Piano.

Zu sehen sein wird etwa der achtjährige Emil, der als Vertreter der Schüler wohl nicht wenige ansprach: "Überall gibt es nur ein Thema, das nervt. Und meine Groß- und Urgroßeltern habe ich seit einem Jahr nicht mehr gesehen." Pflegefachkraft Tanja Müller schilderte eindrücklich, wie sich viele Pflegebedürftige in ihrem Zuhause einsam fühlen. "Die Gespräche haben sich verändert. Aber ich spüre auch große Dankbarkeit", sagte Müller. Die beiden Intensiv-Pflegerinnen Rebecca-Maria Schäfer und Sabine Jablonski ließen Zuhörer beziehungsweise Zuschauer daran teilhaben, wie die Pandemie auch das medizinische Personal an seine Grenzen bringt. Als Symbol für die Machtlosigkeit gegenüber dem verrinnenden Leben haben sie eine Sanduhr mitgebracht. Und eine kleine Plastik mit drei Freunden, die sich halten und Halt geben.

Für Bürgermeister Volker Kieber war es wichtig zu betonen, dass man so den Hinterblieben deutlich machen könne, dass sie nicht allein sind. "Die Pandemie zeigt uns unsere Verletzlichkeit, aber auch den Zusammenhalt", so Kieber. Rolf Rubsamen, Geschäftsführer der Kur und Bäder GmbH, betonte stellvertretend für das Gesundheitswesen und das Tourismus- und Gaststättengewerbe die existenziellen Sorgen der Beschäftigten. Gleichzeitig bat er: "Bitte bleiben Sie mutig." Waltraud Kannen von der Sozialstation Südlicher Breisgau sagte: "Wir pflanzen diesen Baum in der Hoffnung, dass unsere Gesellschaft tiefe Wurzeln trage, um all jenen Halt zu geben, die in der aktuellen Situation ihren Halt verlieren."

Der evangelische Pfarrer Rolf Kruse betonte, dass die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, aber dies auch heißt, dass sie tatsächlich verschwinden kann. "Wir lassen die Hoffnung erblühen, wenn wir sie teilen", so Kruse. Der katholische Dekan Gerhard Disch erweiterte die Hoffnung auf Hoffnung für andere, "wie dies im christlichen Glaube geschehe". Überhaupt hänge des Wichtigste an Gottes Segen und dieser werde allen zuteil.

Abschließend wurden an einem rund um den Baum angebrachten Holzkonstrukt Fähnchen angebracht, auf denen Menschen ihre Gedanken zur Pandemie äußern. Diese Aktion wird in den nächsten Wochen fortgeführt, Fähnchen gibt es bei den beiden Kirchen wir auch im Bürgerbüro.