Testfahrt mit Drehleiter

In Freiburgs Straßen kommt die Feuerwehr oft sehr schlecht durch

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 31. Juli 2020 um 06:30 Uhr

Freiburg

Bei einer Testfahrt mit der Feuerwehr-Drehleiter zeigte sich, wie eng’s in vielen Freiburger Stadtteilen zugeht. Im Notfall kann das zu lebensgefährlichen Situationen führen.

Ernüchternde Ergebnisse erbrachte laut Stadtverwaltung ein Test zusammen mit der Feuerwehr, wie gut große Feuerwehrzeuge in einigen Stadtteilen vorankommen: Oft genug war das schlecht oder gar nicht möglich. So sei im Stadtteil Oberau die Durchfahrt für das Drehleiterfahrzeug vor allem wegen falsch geparkter Privat-Pkw mehrfach fast nicht möglich gewesen. Dieser Zustand sei nicht tragbar, wird der zuständige Bürgermeister Stefan Breiter zitiert, schließlich zähle jede Sekunde, wenn es gelte, Menschenleben zu retten: "Deshalb müssen wir die Parksituation in der Oberau im Auge behalten, wo nötig durch andere Zuschnitte der Parkplätze, aber auch durch konsequente Kontrollen."

Falschparkender Autofahrer war komplett uneinsichtig

Außer durch die Straßen des Quartiers Oberau ging es durch das Granatgässle (Nähe Schwabentor) sowie die Kampffmeyerstraße und die Damaschkestraße in Haslach. Mit an Bord waren auch eine Vertreterin des Garten- und Tiefbauamtes (GuT), das für Parkplätze zuständig ist, und ein Vertreter des Gemeindevollzugsdienstes (GVD), der unter anderem für die Kontrolle des ruhenden Verkehrs zuständig ist. Bei der 90-minütigen Tour seien insgesamt 18 Fahrzeuge in Kreuzungsbereichen und Haltverboten beanstandet worden. Drei kleinere Engstellen in der Oberau hätten der Drehleitermaschinist und sein jeweils ausgestiegener Einweiser teils mit Millimeterarbeit meistern können.

In der Kampffmeyerstraße habe der GVD hingegen das Abschleppen eines Fahrzeugs angeordnet, das dann aber abgebrochen wurde, als der Fahrer dazukam und den Wagen selbst wegfuhr. Er habe zuvor aber noch gesagt, dass ihm egal sei, wenn durch sein falsch parkendes Fahrzeug "jemand verbrennt". Nun stimmten die beteiligten Ämter ihre Erkenntnisse ab, um gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.

Weitere Testfahrten soll es in Beurbarung und Stühlinger geben

Gemeinsame Fahrten mit dem Drehleiterfahrzeug gibt es laut städtischem Presseamt regelmäßig, meist zwei- bis dreimal im Jahr – und teils auch auf konkrete Hinweise von Bürgern hin. In diesem Jahr habe das für die Feuerwehr zuständige Amt für Brand- und Katastrophenschutz (ABK) nach der Oberau auch die Beurbarung mit seinem neuen Bewohnerparkgebiet auf der Liste – und den Stühlinger, aus dem immer wieder Beschwerden wegen des Parkens an Baumscheiben kämen.

Erfahrungsgemäß verbessere sich die Parksituation nach der Befahrung im jeweiligen Quartier nur kurzfristig, wenn nicht in der Folge konsequent kontrolliert werde, ob zum Beispiel neue Halteverbot-Markierungen beachtet werden.

Vielen Falsch- oder "Ich bin nur ganz kurz weg"-Parkern sei die Vorgehensweise der Feuerwehr nicht geläufig. Werde die Berufsfeuerwehr zu einem Brand in einer Wohnung alarmiert, rücke sie nämlich immer im sogenannten Zugverband aus: Dieser Löschzug bestehe aus einem Einsatzleitwagen (in der Größe eines Kleintransporters), zwei Löschgruppenfahrzeugen und einem Drehleiterfahrzeug – das sind zweiachsige, bis zu 10 Meter lange Lkw mit bis zu 16 Tonnen Gewicht. Je nach Einsatz-Anlass fahren zusätzlich Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr von ihren Standorten in den Stadtteilen los.

Blockiere ein Falschparker die Zufahrt zum Einsatzort, komme die gesamte Systematik ins Stocken. Eventuell komme nur der kleine Einsatzleitwagen durch. Zudem müssten beim Aufstellen der Drehleiter am Einsatzort links und rechts etwa 1,50 Meter lange Stützen ausgefahren werden.

Die Feuerwehr appelliert deshalb, in Straßen immer eine Mindestdurchfahrtbreite von drei Metern einzuhalten und nicht in Kurven zu parken. Erst recht sei das Parken in Feuerwehrzufahrten und an Rettungswegen verboten.