Bankfilialen auf dem Land

In Merdingen und Gottenheim bleiben nur Bankautomaten

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Sa, 05. Dezember 2020 um 12:03 Uhr

Gottenheim

Die Volksbank in Gottenheim und die Raiffeisenbank in Merdingen haben auch nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr nicht wieder geöffnet. Dabei bleibt es nun, es gibt nur noch Automatenbetrieb.

Viele Jahrzehnte gehörten die Volksbank in Gottenheim und die Raiffeisenbank in Merdingen wie selbstverständlich zum Dorf. Hier holten Ruheständler ihre Rente ab, Kinder brachten ihre Spargroschen aufs Sparbuch, Handwerker und Händler zahlten ihre Tageseinnahmen ein und die örtlichen Vereine wechselten Geld für das anstehende Fest. Doch nun, beschleunigt durch Corona, hat die Volksbank Breisgau-Markgräflerland ihre Präsenz-Filialen geschlossen. Noch gibt es Automaten, doch auch sie bleiben nur noch so lange, wie sie aus Sicht der Bank noch hinreichend genutzt werden.

Mehrere Umzüge im Laufe der Jahrzehnte

Die Anfänge der Banken in den Dörfern sind oft nur unzureichend dokumentiert. Von der Raiffeisenbank Merdingen weiß Armin Konstanzer, Pressesprecher der Volksbank Breisgau-Markgräflerland, dass sie schon im Jahre 1904 gegründet wurde, für die Raiffeisenkasse Gottenheim müsste das Gründungsdatum jedoch nachrecherchiert werden, so Konstanzer.

In Merdingen wurden die Bankgeschäfte lange Zeit im Wohnzimmer der Familie Weiß in der Langgasse abgewickelt, erläutert Rechnungsamtsleiter Gordian Süßle. Später zog dann eine echte Bankfiliale ins Raiffeisenlager. Heute probt hier der Musikverein.

Die nun geschlossene Filiale gegenüber der Kirche wurde im Zuge des Neubaus des Bürgerhauses Ende der 1980er Jahre eröffnet. Nach mehreren Fusionen verkaufte die Volksbank Breisgau-Markgräflerland ihre Räumlichkeiten im vorigen Jahr an die Gemeinde, die einen kleineren Teil wiederum für zehn Jahre an die Bank vermietete.

Daran, dass die frühere Raiffeisenbank Tuniberg in Gottenheim 1965 von der Hauptstraße 33 in ihren Neubau in der Hauptstraße 23 umzog, kann sich Bürgermeisterstellvertreter Kurt Hartenbach noch erinnern. Die Volksbank Breisach wiederum habe sich laut Kurt Hartenbach bis Ende der 1980er Jahr in den Räumen des ehemaligen Kolonialwarenladens der Familie Hartenbach, Hauptstraße 50, befunden, wo noch heute der Name einer Bushaltestelle an die ehemalige Nutzung erinnert. Später fusionierte sie mit der Raiffeisenbank und zog mit in die Hauptstraße 23 ein.

Bürgermeister setzen auf Erhalt der Automaten

Zumindest der Standort des Geldautomaten werde so lange der Mietvertrag laufe erhalten bleiben, erklärt Merdingens Bürgermeister Martin Rupp. "Vieles kann man ja heute auch per Telefon machen. Daran muss man sich aber erst mal gewöhnen. Die Bargeldversorgung ist jedoch für den überwiegenden Teil der Bevölkerung gesichert. Und eine Beratung kann mittlerweile auch bei den Kunden zuhause stattfinden".

Wie lange sich die Sparkassenfiliale noch halten kann, sei unsicher, meint Rupp. "Die Sparkasse steht natürlich unter ähnlichem wirtschaftlichen Druck. Nimmt man den Maßstab der Freiburger Sparkasse, die ja sogar eine Filiale in March geschlossen hat, könnte sich auch die Filiale Merdingen nicht mehr lange halten. Diese Entwicklung wird sich kaum bremsen lassen".

"Die Schließung der Voba-Filiale ist für uns in Gottenheim sehr bedauerlich und ein herber Verlust einer weiteren Infrastruktureinrichtung, war aber bedingt durch die Corona-Pandemie, die geringe Kundenfrequenz sowie aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Situation der Banken zu erwarten", sagt Bürgermeister Christian Riesterer. Er sei persönlich vom Bankvorstand über die Schließung informiert worden, konnte sie aber nicht mehr verhindern. "Allerdings ist es sowohl der Volksbank als auch Gemeinde sehr wichtig, die Bargeldversorgung vor Ort zu sichern." Es sei vereinbart worden, Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker und Briefkasten der Bank so lange in der Filiale zu belassen, bis der Pachtvertrag abläuft – und anschließend gemeinsam einen neuen Standort dafür zu suchen.

Vereine klagen über schlechten Münzgeldservice

"Solange die Geldautomaten funktionieren, ist die Schließung nicht problematisch. Als Verein nutzen wir die Automaten für Einzahlungen und Auszahlungen vor allem bei Festen und Veranstaltungen", erklärt Josef Maier, Kassierer vom Musikverein Merdingen. "Das funktioniert allerdings nur mit Geldscheinen, wenn wir Wechselgeld benötigen, müssen wir das in Ihringen abholen und nur dort können wir auch Münzgeld einzahlen. Das ist etwas umständlich."

"Viele Vereine aus Gottenheim haben tatsächlich Ihre Konten bei der Volksbank Breisgau-Markgräflerland", so Vereinssprecher Clemens Zeissler. "Das Geschäft übers Internet und Telefon ist für viele, gerade ältere Mitglieder, ungewohnt oder gar nicht möglich. Als Vereine haben wir schon beim Hahleraifest 2018 gemerkt, dass der Service der Banken, insbesondere beim Münzgeld, schlechter und teurer wird. Ich kann mich hingegen noch an Hahleraifeste erinnern, bei denen die damalige Raiffeisenbank sogar sonntags extra geöffnet hatte, damit wir Geld einzahlen und Rollengeld holen konnten."

Kleinere Betriebe müssen mehr Online-Banking nutzen

"Dass diese Entwicklung so gekommen ist, war mir eigentlich schon lange klar", sagt Markus Schächtele, Vorsitzender vom Gewerbeverein Merdingen. "Die Volksbanken und Sparkassen haben zu lange an ihren traditionellen Geschäftsmodellen mit großen und vielen Zweigstellen festgehalten. Für die Unternehmer hat das aber wenig Auswirkungen, da die Firmenkundenbetreuer sowieso in den Zentralen sitzen und die meisten auch das Online-Banking nutzen." Als echt benachteiligt sieht Markus Schächtele hingegen die älteren Mitbürger.

"Wenn ein Teil der Infrastruktur in einer Gemeinde wegfällt, ist dies immer kritisch zu sehen", meint auch der Vorsitzende vom Gewerbeverein Gottenheim, Frank Braun. "Die Bargeldversorgung ist, solange es einen funktionierenden Automaten gibt, wohl gewährleistet. Größere Betriebe digitalisieren ihre Bankgeschäfte zunehmend, von daher werden sie am wenigsten beeinträchtigt sein, kleinere Betriebe hingegen müssen sich wohl darauf einstellen, ihre Strukturen zu verändern oder in die nächste Niederlassung fahren."