In psychischen Krisen ambulant begleiten

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 01. Oktober 2020

Lahr

Krisenteam soll Betroffenen im familiären Umfeld helfen als Alternative zur stationären Behandlung.

(BZ). Mit Informationen über die ambulante Krisenbegleitung hat der Verein "Die Brücke" seine Hauptversammlung im Stiftsschaffneikeller eröffnet. "Ambulant vor stationär" gilt als Vorgabe für die psychiatrische Behandlung seit 1975, die gesetzlichen Grundlagen dafür sind im Sozialgesetzbuch festgeschrieben. Dennoch gibt es bis heute kaum Umsetzungen in der Praxis, so die Mitteilung des Vereins.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende Michael Goetz-Kluth stellte den Entwurf für das Projekt für eine ambulante Krisenbegleitung vor. Laut den Betroffenen und den Angehörigen gebe es besonders in bei akuten Krisen unzureichende ambulante Unterstützung. Das Konzept sieht vor, dass die Betroffenen in einer Krise im Wohnumfeld in der vertrauten Umgebung oder in einer dafür eingerichteten Krisenwohnung von einem Krisenteam begleitet werden. Dabei sei das Einbeziehen der Angehörigen und des sozialen Umfeldes ein wichtiger Faktor.

Die Begleitung soll sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren und weitgehende Autonomie und Selbstbestimmung gewähren. Als Zielgruppe kommen Menschen in schweren psychischen Krisen in Frage, die keine stationäre Behandlung wünschen und absprachefähig sind, insbesondere junge Menschen mit ersten psychiatrischen Symptomen.

Akute Krisen seien häufig das Ergebnis einer längerfristigen Entwicklung mit zunehmenden Symptomen und dem Sichtbarwerden der Störung. Je eher die Erstintervention stattfinden kann, desto besser sei die Prognose, so die Mitteilung des des Vereins. Der Schwerpunkt der ambulanten Krisenbegleitung liegt auf der Förderung des Dialogs und erst an zweiter Stelle auf Veränderungen, die bei den Betroffenen und den Familien bewirkt werden sollen. Die Dialogpartner könnten dadurch zu einem neuen gegenseitigen Verständnis gelangen. Die Aufgabe des Krisenteams ist, eine wohlwollende Atmosphäre ohne Stigmatisierungen herzustellen und den Dialog behutsam zu moderieren. Die Krisenteams bestehen aus professionellen Fachkräften, ausgebildeten Genesungsbegleitern sowie speziell aus dafür geschulten Bürgerhelfern. Zusammen mit den Angehörigen und wichtigen Personen des Umfeldes des Patienten organisieren sie die Begleitung. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörer, besonders diejenigen mit Psychiatrieerfahrung.
Wahlen: Vorstand: Joachim Wenk (neu für Michael Goetz-Kluth), Sabine Singler, Ingrid Tita, Ralph Dürr; Beirat: Claudia Valdivieso, Michael Goetz-Kluth

Weitere Informationen unter http://www.diebruecke-lahr.de