Infektionslage wird zunehmend diffus

Monika Olheide

Von Monika Olheide

Fr, 23. Oktober 2020

Kreis Waldshut

Sieben-Tage-Inzidenz übersteigt Grenzwert von 35 / Einblick in die aktuelle Corona-Situation im Kreis Waldshut.

. "Die zweite Welle ist da, sie rollt und sie ist heftig": So beschreibt Corinna Schweizer, die für das Gesundheitsamt zuständige Dezernentin des Landratsamts, die derzeitige Pandemie-Situation. Bislang sei der Landkreis Waldshut hinsichtlich der steigenden Fallzahlen im Vergleich zu anderen Regionen eher glimpflich davon gekommen, allerdings entwickle sich die Lage dynamisch und "das Infektionsgeschehen wird zunehmend diffus", wie Schweizer betont.

Diffus, das bedeutet, das immer öfter unklar bleibt, bei wem sich Infizierte angesteckt haben und die Nachverfolgung von Infektionsketten – ein existenzielles Vorgehen bei der Eindämmung – immer schwieriger wird.

Sieben-Tage-Inzidenz
übersteigt Grenzwert
Am Donnerstag hat die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Waldshut den ersten Grenzwert von 35 überschritten. Dies allein habe allerdings noch keine kreisweiten Einschränkungen zur Folge, denn "durch die neue Coronaverordnung wurden Maßnahmen bereits umgesetzt, die zuvor nach dem ,Landeskonzept zum Umgang mit einer zweiten SARS-CoV-2-Infektionswelle’ örtlich vorgesehen waren. Dazu gehört zum Beispiel die Ausweitung der Maskenpflicht auf den öffentlichen Raum, die Begrenzung von Ansammlungen und privaten Veranstaltungen auf zehn Personen", wie Landratsamtssprecherin Susanna Heim auf Anfrage dieser Zeitung erläutert.

Weitere Beschränkungen und Maßnahmen in einzelnen Bereichen, seien aber im Zuständigkeitsbereich der Städte und Gemeinden lokal möglich. Erst bei Überschreitung des Wertes von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz falle die Zuständigkeit dem Landratsamt/Gesundheitsamt zu, das dann entsprechend der jeweiligen Situation weitere Maßnahmen ergreift – denkbar wären beispielsweise Absagen von Veranstaltungen, oder eine Ausweitung der Maskenpflicht.

Nachverfolgung von Kontakten
wird schwieriger
"Noch kann das Gesundheitsamt die Kontaktpersonen Infizierter ermitteln und die Kontakte nachverfolgen, aber der Aufwand für die Mitarbeiter ist immens", so die Dezernatsleiterin. Profitieren würde das Amt vor allem aus den Erfahrungen des Frühjahrs und den damals entwickelten Strukturen. Jetzt im Herbst komme die Schwierigkeit hinzu, dass die Zahlen der individuellen Kontaktpersonen in den vergangenen Wochen stark gestiegen sind, wie Schweizer anhand eines Schaubilds den Mitgliedern des Kreistagsausschusses für Gesundheit, Pflege und Soziales bei ihrer Sitzung in Bad Säckingen-Wallbach zeigte. Der Verwaltungsstab unter Leitung von Caren-Denise Sigg habe indes vor 14 Tagen seine Arbeit wieder hochgefahren, wie Kreis-Sprecherin Susanna Heim erklärt. Der Verwaltungsstab setzt sich aus Mitarbeitern des Landratsamtes zusammen, die dann von ihren eigentlichen Aufgaben ganz oder teilweise entbunden werden. Der Führungsstab, bestehend aus DRK, Feuerwehr, THW und DLRG, arbeitet mit dem Verwaltungsstab zusammen.

Corona-Fälle an zehn Schulen
und Kindergärten
Im Rückblick auf die Entwicklungen der vergangenen Wochen ging Dezernentin Schweizer auf verschiedene Schwerpunkte ein: An zehn Schulen und Kindergärten im Landkreis seien bislang elf Sars-CoV-2-Infektionen aufgetreten, sowohl bei Kindern als auch bei Lehrkräften und Betreuungspersonen. Da wurde jeweils für die direkten Kontaktpersonen – in einem Fall mehr als 80 – häusliche Quarantäne angeordnet. So habe es bis Mitte Oktober keine Folgeinfektionen gegeben. Auch die Ergebnisse der Reihentestungen in 22 Pflegeheimen im Landkreis stellte Schweizer vor: Erfreulicherweise hätten nur sechs Infektionen nachgewiesen werden können und das Virus habe sich in diesen Einrichtungen nicht weiter ausgebreitet, ebenso wie bei den Testungen von 229 Menschen in Asylunterkünften.

Das Fazit der Dezernentin zu diesen Ergebnissen: "Die Schutzmaßnahmen sind sinnvoll und sie wirken." Darum sei es wichtig, sie weiterhin penibel einzuhalten, wie auch Landrat Kistler betonte. Auf die Frage der Räte nach den Verläufen der Krankheit, erklärte Kistler, dass die Situation im Klinikum Hochrhein in Waldshut derzeit noch entspannt sei, und sich die Zahl der Covid-19-Patienten dort bislang auf wenige Fälle beschränke. Wie sich die Lage aber in den kommenden Wochen entwickeln wird, sei derzeit nicht abschätzbar. Besorgt über die derzeitige Lage zeigten sich auch Landrat Martin Kistler und die Kreisräte, die die Gelegenheit nutzten, den Mitarbeitern des Gesundheitsamts und der Verwaltung für ihre Arbeit zu danken.

Die aktuellen Zahlen
im Landkreis Waldshut
Seit Mittwochnachmittag sind dem Gesundheitsamt des Landkreises Waldshut acht Neuinfektionen aus sechs Gemeinden gemeldet worden. Eine Person ist wieder genesen. Zurzeit befindet sich ein Kreisbewohner in stationärer Behandlung in einer Klinik im Kreis. Die Zahl der Infizierten mit dem Virus steigt auf 92. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 38,1. Am Mittwoch lag sie noch bei 34. In der Alemannenschule in Wutöschingen, in der am Mittwoch eine Schülerin erkrankte, sind acht Lehrer und 116 andere Personen in Quarantäne.