Interesse am Handwerk wecken und Mut machen

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Fr, 10. Januar 2020

Lörrach

Bei einem Kurs des Phaenovums können sich Mädchen ausprobieren.

LÖRRACH. Das Interesse von Mädchen an technischen und handwerklichen Berufen zu wecken, ist das Ziel des Kurses "Girls & Technik". Das Schülerforschungszentrum Phaenovum bietet ihn in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft und der Arbeitsagentur an. Mädchen der Klassenstufen sieben und acht aus allen Schultypen können hier löten und experimentieren, bauen und programmieren.

In einer vom Phaenovum genutzten Werkstatt an der Neumattschule basteln die Mädchen an einem Kästchen mit zwei Leuchtdioden, auf die eine durchsichtige Scheibe gesteckt wird. Wenn alles zusammengelötet und angeschlossen ist, beginnt das "Rainbow-Disc-Light" in wechselnden Farben zu leuchten. Aus Holz haben sie bereits eine Halterung für einen Kugelschreiber gebaut, der von einem Magneten aufrecht gehalten wird. Die Anregung für den Kurs kam von der Arbeitsagentur. Mandy Reiss, Teamleiterin Berufsberatung, ging auf Helga Martin, Geschäftsführerin des Phaenovum Schülerforschungszentrums, zu mit der Idee, einen Kurs zu etablieren, in dem Mädchen vorwiegend von Realschulen sich in einem geschützten Rahmen an technischen Dingen ausprobieren können. Er wendet sich insbesondere an Mädchen, die nicht-technische Wahlpflichtfächer gewählt haben, vielleicht weil die Freundinnen das auch taten und in den handwerklichen Fächern nur Jungs sind. "Der erste Kurs kam sehr gut an und war mit zehn Schülerinnen voll besetzt", berichtet Helga Martin. Nachdem am zweiten Kurs im vergangenen Jahr nur sechs Mädchen teilnahmen, ging man an die Schulen, um auf das Angebot aufmerksam zu machen, mit dem Ergebnis, dass der neue Kurs, der im Oktober begann, nun wieder komplett belegt ist.

Der Kurs beinhaltet Robotik, Programmieren, Laborarbeit

Das Angebot ist breit gestaltet und reicht von feilen, bohren oder löten bis zu Robotik und Programmieren. "Die Mädchen haben die Chance, hier mit Naturwissenschaft oder Technik etwas Neues auszuprobieren", sagt Helga Martin. Der Kurs umfasst einen Robotik-Tag und einen Tag im Labor, bei dem Vitamin C in Lebensmitteln nachgewiesen und ein eigenes Parfüm hergestellt wird. Bei weiteren Terminen wird in unterschiedlichen Werkstätten gearbeitet, in der Gewerbeakademie Schopfheim werden Handwerksberuf präsentiert.

"Es gibt mehr als 350 Ausbildungsberufe und rund 16 000 Studiengänge", sagt Andreas Finke, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit. Der gesetzliche Auftrag der Berufsberatung und Berufsorientierung sei deswegen eine Herausforderung. Um herauszufinden, welche Stärken man hat und was man damit anfangen kann, hat die Arbeitsagentur zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung ein Selbsterkundungstool entwickelt, das auf der Website der Arbeitsagentur zu finden ist.

"Wir hoffen auf Zulauf für das Handwerk", sagt Kreishandwerksmeister Martin Ranz. Und es sei ja zunehmend so, dass man in Berufen, in denen es früher nur Männer gab, auch Frauen findet. Doch auch, weil etwa ein Viertel der Auszubildenden die Ausbildung abbricht, da sich die jungen Leute falsche Vorstellungen machen, setzt die Kreishandwerkerschaft vermehrt auf Information, erklärt Geschäftsführer Daniel Herkommer.

Kursangebot: Für den Kurs, der am 4. März beginnt, findet am 12. Februar um 17 Uhr ein Informationsabend für Schülerinnen und Eltern an der Neumattschule statt.