9-Jährige aus dem Münstertal

Jana braucht eine Stammzellenspende – wer kann helfen?

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Mo, 27. Januar 2020 um 17:43 Uhr

Münstertal

Die Neunjährige ist an Leukämie erkrankt und braucht eine Stammzellenspende. Freunde wollen Typisierungsaktionen starten. Auch der Vater leidet an einer Krebserkrankung.

Seit dem 28. Dezember ist alles anders bei Familie Pohl aus Münstertal. Seither steht fest, dass die 9-jährige Jana Blutkrebs hat, auch Leukämie genannt. Eine Stammzellentransplantation ist eine sehr gute Therapieoption, um die gestörte Blutbildung im Knochenmark zu behandeln. Familie Pohl und ihre Freunde rufen gesunde Menschen zwischen 17 und 55 Jahren deshalb auf, sich bei der gemeinnützigen Organisation DKMS als möglichen Stammzellenspender zu registrieren.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag – also vor gut vier Wochen – zeigten sich bei Jana erste Krankheitssymptome, sie hatte eine Erkältung, der Fuß tat ihr weh und sie konnte nicht laufen. Die Eltern Tanja und Bert Pohl suchten mit dem kranken Kind die Kindernotfallpraxis in Freiburg auf, zwei Tage später stand die Diagnose fest und noch am gleichen Abend bekam Jana in der Freiburger Universität Kinderklinik die erste Chemotherapie.

"Ihr Zustand verschlechterte sich dramatisch, Jana wurde deshalb für zehn Tage ins künstliche Koma gelegt, alles stand Spitz auf Knopf", berichtet ihr Vater Bert Pohl. Inzwischen ist Jana bei Bewusstsein, wird aber noch künstlich ernährt, hat Schmerzen und Fieber. Seit wenigen Tagen weiß die Familie, dass Jana eine Stammzellentransplantation benötigt, weil bei ihr eine seltene Genkonstellation vorliegt, bei der die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie nach erfolgreicher Therapie innerhalb von zwei Jahren erneut erkranken würde.

Für eine Therapie mit fremden Stammzellen wird ein Spender benötigt, dessen Stammzellen weitgehende Übereinstimmung mit den Gewebemerkmalen des Patienten aufweisen. Dafür ist eine sogenannte Typisierung notwendig.

Viele Freunde helfen

"Wir haben im Freundeskreis sofort damit begonnen, Werbung dafür zu machen, dass sich Menschen als potentielle Spender registrieren lassen. Die Wahrscheinlichkeit einen Spender zu finden ist gering, gesucht wird die Nadel im Heuhaufen, je mehr Menschen registriert sind, desto größer die Chance eeinen Spenderzu finden", sagt Natascha Horstmannshoff. Ihre Kinder gehen mit Jana und deren zwölfjährigen Bruder Finn in die Schule und sind eng befreundet. Familie Horstmannshoff und viele andere Freunde unterstützen die Pohls, wo es nur ggeht,und kümmern sich um Finn.

Die Registrierung ist einfach

Die Registrierung als Stammzellenspender ist einfach: Die gemeinnützige DKMS ist eine Organisation mit Sitz in Tübingen. Ihr Ziel ist es, weltweit Blutkrebspatienten mit einer Stammzelltransplantation eine zweite Lebenschance zu ermöglichen. Auf der DKMS-Webseite kann man sich online registrieren, erhält dann ein Probenset mit einem Wattestäbchen samt Anleitung zum Abnehmen von Zellen aus der Wangenschleimhaut zugeschickt. Die Proben schickt man kostenfrei zurück. Sie werden auf bestimmt DNA-Merkmale untersucht, der Spender in einer weltweiten Datenbank registriert. Wird irgendwann eine Spende benötigt, meldet sich die DKMS, dann folgen ein Gesundheitscheck und eine Bestätigungstypisierung. "In 80 Prozent dieser Fälle werden die Stammzellen aus dem Blut entnommen, nur in etwa 20 Prozent der Fälle ist eine Entnahme eines Knochenmark-Blut-Gemischs unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm notwendig", erläutert Natascha Horstmannshoff, "wichtig ist, das Knochenmark wird nicht aus der Wirbelsäule entnommen, das Risiko ist das gleiche, wie bei jeder anderen Operation unter Vollnarkose."

Jana braucht die Spende im Mai oder Juni, bis dahin wird die Intensiv-Chemotherapie beendet sein. Nach der Stammzellentherapie sind weitere Chemotherapien notwendig. Etwa eineinhalb Jahre werden die Therapien in Anspruch nehmen. "Wenn ein passender Spender gefunden wird, stehen die Chancen gut, dass Jana wieder gesund wird. Dank gesunder Stammzellen kann sich dann wieder ein gesunder Blutkreislauf aufbauen", sagt Bert Pohl.

Der Vater hat auch Krebs

Der 50-Jährige ist ebenfalls an Krebs erkrankt, im Oktober wurde bei ihm ein Karzinom an den Mandeln festgestellt. Seit Dezember hat er 35 Bestrahlungen und zwei Zyklen Chemotherapie hinter sich, hat 23 Kilo abgenommen. Er kämpft also nicht nur um das Leben seiner Tochter, sondern auch um sein eigenes. "Was uns aufrecht erhält, ist die große Hilfe und Unterstützung, die wir als Familie erfahren. Ganz Münstertal hilft", sagt er.

Mehrere Vereine und Organisationen wollen eine Massentypisierungsaktion starten: Die Katholischen Pfadfinder vom Stamm St. Martin in Staufen, die Freiwilligen Feuerwehren in Münstertal und Staufen und der Schützenverein Münstertal, weitere Vereine haben sich bereits gemeldet. Johanna Fürst, die Stammesvorständin der DPSG, kümmert sich um die Organisation. "Auch mein Arbeitgeber, die Straßenverkehrs-Genossenschaft Baden in Freiburg-Hochdorf, will eine Massentypisierungsaktion im Gewerbegebiet organisieren. Darum kümmert sich mein Chef Markus Strecker", sagt Bert Pohl, "ich bin sehr froh über diesen Rückhalt."

Weitere Infos, Registrierung als Stammzellenspender und Spendenmöglichkeit unter: http://www.dkms.de