Arztpraxen im Hochschwarzwald

"Jeder hat ein bisschen Angst"

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Do, 26. März 2020 um 17:08 Uhr

Titisee-Neustadt

Besonders beschäftigt die Corona-Krise Ärzte und Risikogruppen, aber auch an anderen Erkrankungen leidende Menschen. Eine Sorge ist dabei, ob Arztpraxen bei möglichen personellen Ausfällen weiterhin arbeitsfähig sind.

HOCHSCHWARZWALD. Keine Ausfälle gibt’s in der Titiseer Praxis von Joachim Puf-Schott und Sabine Schott. "Jeder hat ein bisschen Angst", sagt der Arzt im Gespräch mit der BZ und spricht dabei auch für die vier "motivierten Mitarbeiterinnen" des Ärztepaares. Alle bisher ausgewerteten Coronavirus-Tests seien negativ gewesen, berichtet der Mediziner. Einen Abstrich habe er "auf dem Parkplatz" durch das geöffnete Autofenster gemacht. "Die Leute merken schon, dass es ernst ist", so der Eindruck von Puf-Schott. Wobei die Haltung der Patienten stark von ihrer Lebenssituation geprägt sei. So habe etwa eine alleinerziehende Mutter mehr Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Virus als ein Senior "Ü 80", der ihm gesagt habe, "ich habe mein Leben gelebt".

Aktuell sei die Zahl der Patienten, die in die Sprechstunde kommen, auf etwa 40 Prozent gesunken. Andere Krankheiten "gehen im Moment komplett unter" in der öffentlichen Wahrnehmung, sagt Puf-Schott, aber "die brauchen auch eine Anlaufstation".

Gerade Einzelpraxen würden in der derzeitigen Situation sehr stark belastet, falls eine Arzthelferin ausfalle, sagt Konrad Walzer in Neustadt. Er beschäftigt zwei Medizinische Fachangestellte, so die neuere Berufsbezeichnung, eine von ihnen halbtags. Würde er ausfallen, müsste er die Praxis schließen. Desinfektionsmaterial habe er noch genügend, beim Mundschutz "leben wir von Restbeständen". Er "hoffe, die Leute werden jetzt doch vernünftig", sagt der Allgemeinmediziner bezüglich der geforderten starken Einschränkung der sozialen Kontakte. Was die Ausbreitung der Coronapandemie anbelangt, ist Walzer "verhalten optimistisch".

"Gott sei Dank sind noch alle im Einsatz", sagt Jutta Allgaier-Henkes über ihre drei Teilzeitkräfte. Die Ärztin in Eisenbach hat ihre Sprechstunden "minimiert" – das Patientenaufkommen hat sich auf ein Drittel des sonstigen Werts verringert.

Denn bei Erkältungssymptomen – "normalerweise unser Geschäft in dieser Jahreszeit" – schickt sie ihre Patienten, die an der verschlossenen Tür klingeln müssen, nach Hause, danach berät sie telefonisch über weitere Schritte. Die Verbreitung des Coronavirus sei "das große Thema", bestätigt Allgaier-Henkes. Manche Patienten reagierten "fast panisch", da ist die Medizinerin dann auch als Psychologin gefragt. Bislang sei unter ihren getesteten Patienten "kein Infizierter" und sie hofft, "dass wir’s gut rumkriegen und dem Virus die Stirn bieten".

"Voll einsatzfähig" trotz normaler grippaler Infekte ist die Schluchseer Gemeinschaftspraxis von Martin Wetter und Martin Eschholz laut Wetter. Zwar seien mehrere der sechs Medizinischen Fachangestellten Mütter, doch die hätten die Betreuung ihrer Kinder, die nun zu Hause sind, "privat geregelt". Und wenn es im Ärzteteam, zu dem seit einigen Monaten auch ein Arzt in der Weiterbildung zählt, mal einen Engpass gibt, kann die Praxis auf kollegiale Hilfe von Ruheständlern zählen. Für diese Möglichkeit sei man sehr dankbar, sagt Wetter.

Auch in seine Praxis kommen gerade deutlich weniger Patienten als üblich. "Banale Infekte" würden telefonisch abgeklärt und gegenwärtig könnten die Ärzte ja "etwas großzügiger sein mit Krankschreibungen". Routineuntersuchungen wie Vorsorge ließen sich verschieben. Im Wartezimmer dürfe immer nur eine Person sitzen. Verdachtsfälle verweise man an das Gesundheitsamt und wer einen Abstrich machen lassen soll, werde an eine Teststelle weitergeleitet.