Mieinander

Jetzt wäre Zeit, zum einfachen Leben umzuschalten und abzuspecken

Alois Lienhard

Von Alois Lienhard (Offenburg)

Mi, 20. Mai 2020

Leserbriefe

Zu: "Systemrelevant, aber ohne Lobby", Leitartikel von Bettina Schulte (Politik, 29. April)

In den Tagen der Einschränkungen wundere ich mich, was der Staat an Geld und Unterstützung ausgibt, was hinterher oder in künftigen Jahren vom Steuerzahler aufgebracht werden muss. Unterstützung wollen viele und geben zum Teil vor, dass sie "systemrelevant" seien und ohne sie die Gesellschaft nicht leben könne.

Aber vieles davon gehört in unserer Wohlstandsgesellschaft zum "nice-to-have", und ist nicht das, was den Menschen zur Zeit Kummer bereitet. Viele Menschen auf unserer Erde leben ohne diese Dinge zusammen, werden sogar ob ihres Lebens in Einklang mit der Natur und ohne Wohlstandsschnickschnack bewundert. Wir vermissen doch in erster Linie den sozialen Kontakt zu Verwandten, Bekannten und anderen. Wir haben uns in der Vergangenheit an die vielen Brillengeschäfte, Kneipen, Nagelstudios, Kinos, Veranstaltungen verschiedenster Art gewöhnt. Aber brauchen wir das alles?

Mit anderen zusammensein, singen, reden, lachen, Sport treiben, Hobbys pflegen sind die Felder, in denen Kultur entsteht und Austausch stattfindet. Frau Schulte meinte in ihrem Artikel, dass in der Vergangenheit mehr Menschen ins Theater als in Stadien gingen. Sie vergisst aber, dass viele selbst anderen Sport treiben in ihrer Freizeit. Das ist aktives Tun, und Begegnung, und das wird sehr vermisst in diesen Kontaktverbotszeiten.

Das Konsumieren von Musik, Sport, Theater und TV ist ein Zusatz, der schön ist, den wir uns geleistet haben und wieder haben werden, der heute, in anderen Zeiten aber nicht systemrelevant war und ist. "Weniger ist mehr" und "Corona und die CO2-Problematik wird unser Leben verändern"? Jetzt wäre Zeit, zum einfacheren Leben umzuschalten und abzuspecken. Alois Lienhard, Offenburg