Heimkommen

Jobsuche in der Heimat – gut vernetzt ist halb gewonnen

Anita Fertl

Von Anita Fertl

Di, 22. Dezember 2020 um 16:50 Uhr

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Anzeige Kontakten, Erfahrungen sammeln und weiterkommen: Berufliche Plattformen sind in vielen Branchen heute wichtiger denn je. Gerade auch für Heimkehrer.

Zurück in die alte, dann neue Stadt – das kann ein Neuanfang in vielfacher Hinsicht sein. Mit an erster Stelle steht vor allem die berufliche Neuorientierung: Wie kann ich mich in der Heimat beruflich verbessern, wie neue Kontakte knüpfen? Wer ein gut funktionierendes Netzwerk hat, tut sich leichter damit, eine Antwort auf diese und weitere Frage zu finden.

Dennoch scheuen sich viele, Zeit in Netzwerke zu investieren. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts One Poll im Auftrag des Büromittelherstellers Viking aus dem vergangenen Jahr halten zwar 70 Prozent das Netzwerken für wichtig. Gleichzeitig verzichten aber rund zwei Drittel auf aktives Networking.

Dabei sind die richtigen Kontakte, das sprichwörtliche Vitamin B, essenziell, um das eigene Berufsnetz vor Ort aufzubauen oder erfolgreich weiterzuspinnen, das sagt eine weitere Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Danach wird jede zweite bis dritte Stelle über persönliche Kontakte besetzt. Und obendrein gibt ein Treffen mit Gleichgesinnten Input für die Lösung von fachlichen Problemen.

Ortsunabhängig funktionieren vor allem Online-Social-Networking-Plattformen wie Xing oder Linkedin, über die Mitglieder hauptsächlich ihre beruflichen Kontakte verwalten. Selbst wenn aktuell kein Jobwechsel ansteht, können diese Plattformen beim Aufbau von Netzwerken helfen. Und: Sie bieten die Möglichkeit, zu recherchieren und sich über berufliche Fragen auszutauschen. Insbesondere für Freiberufler können solche Plattformen zudem ein echter Vertriebskanal werden.

Dennoch bevorzugen viele den persönlichen Kontakt. Zwar finden in Pandemiezeiten auch Arbeitskonferenzen online statt. Grundsätzlich gibt es aber in vielen Branchen Treffen und Veranstaltungen, bei denen sich Mitglieder austauschen und fachlich weiterbilden.

Für Unternehmer bietet der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) einen Chef-Erfahrungsaustausch an, bei dem sich Führungskräfte in einem ihrer Betriebe zum offenen und strukturierten Erfahrungsaustausch treffen.

Wer seine ersten Schritte als Freelancer oder Freelancerin tun will oder plant, ein Start-up auf die Beine zu stellen, für den oder die kann der Freiburger Grünhof Inkubator oder Heimat sein mit Räumlichkeiten und dem entsprechenden Netzwerk – übrigens auch für alle, die in der Nachhaltigkeits- und Kreativszene unterwegs sind oder eine gemeinnützige Idee umsetzen wollen. Darüber hinaus gibt es in der Region regelmäßige Stammtische wie denjenigen vom Filmverband Südwest oder vom SEO (Experten für Suchmaschinenoptimierung) an wechselnden Orten quer durch die Region. Erstmals fand bereits im Januar der erste Pflege-Stammtisch der Initiative "Faire Pflege" in Freiburg statt – die Liste ließe sich noch weiter weiterführen.

Solche Treffen sind ideal für alle, die Jahre in einer anderen Stadt oder auf einem anderen Kontinent verbracht haben. Auch Heiner Weigand ist ein solcher "Heimkommer": Aufgewachsen in Freiburg, ging er nach Düsseldorf, wo er studierte und sich beruflich erfand, ehe es ihn nach 20 Jahren wieder nach Freiburg zog. "Die Macs, damals noch Marketing Club, war für mich eine erste Anlaufstelle in Sachen Networking und Brückenkopf", sagt Weigand, der heute als Vorstand der Marketing Community Freiburg/Südbaden (kurz Macs) für den Bereich Kommunikation zuständig ist. Innerhalb der Macs trifft sich ein bunter Branchenmix aus all jenen, die im Bereich Marketing und Vertrieb tätig sind. Der Verein organisiert Diskussionsrunden und Vorträge mit prominenten Rednern zu aktuellen Themen wie Digitalisierung oder Persönlichkeitsentwicklung. Zwar herrscht bei Macs nicht zuletzt der kommunikativen Ausrichtung wegen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Netzwerkern. Aber tatsächlich netzwerken Frauen nicht so häufig wie Männer; das zeigt auch die Viking-Studie. Der Hauptgrund ist Zeitmangel aufgrund der Mehrbelastungen bei Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege der Angehörigen.

Das hört Regina Gensler, Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf, häufig. Bereits 1995 wurden die Freiburger und Offenburger Büros eingerichtet, um gleichberechtigte Teilhabe von Frauen auf kommunaler Ebene voranzubringen. "Wir bieten Frauen individuelle Beratung zu allen beruflichen Fragen, von der Orientierung über den Wiedereinstieg bis zur beruflichen Weiterentwicklung oder Existenzgründung", erklärt Gensler.

Zum Thema Netzwerken informiert die Kontaktstelle über geeignete berufliche und regionale Vernetzungsmöglichkeiten innerhalb der Branche. "Wir stellen Verbindungen zu Netzwerken der beruflichen Frauenförderung und zu Verbänden her. Darüber hinaus geben wir Tipps für erfolgreiches Netzwerken und bieten in Kooperation mit der VHS entsprechende Seminare an", sagt Gensler, die Frauen auch ermutigt, ihre beruflichen Kontakte auszuweiten.

Dass das Bewusstsein dafür wächst, zeigen die vielen mittlerweile weiblichen Netzwerke und eine Studie der amerikanischen Professorin Inga Carboni, wonach Frauen es durchaus schaffen, sich starke berufliche Geflechte aufzubauen. Denn sowohl für Männer als auch Frauen gilt: Größeren Einfluss und eine bessere Position sichern sich vor allem gute Netzwerker.
Wer sich jetzt überlegt, nach Südbaden zurück zu kehren, kann sich hier nach den passenden Stellenangeboten umschauen.