Städtebauliche Qualität

Anett-Maud Joppien und Johannes Ernst verstärken den Freiburger Gestaltungsbeirat

Jelka Louise Beule

Von Jelka Louise Beule

Mi, 19. Februar 2020 um 10:45 Uhr

Freiburg

Seit ein paar Sitzungen sind Anett-Maud Joppien und Johannes Ernst dabei. Die Aufgabe, Bausünden zu verhindern, kennen die Architekten bereits: Sie bringen Erfahrungen aus anderen Städten mit.

Sie sind die beiden Neuen im Freiburger Gestaltungsbeirat – und gehören doch bald schon zu den alten Hasen. Denn sechs Jahre nach dem Start des externen Gremiums, das Bauprojekte in der Stadt qualitativ besser machen soll, wird die Ursprungsmannschaft ab dem Frühjahr einmal komplett ausgetauscht sein.

Wenn Anett-Maud Joppien aus Frankfurt und Johannes Ernst aus München zu den Sitzungen nach Freiburg kommen, haben sie einen eng getakteten Zeitplan: Vormittags schauen sie sich gemeinsam mit den anderen Gremiumsmitgliedern vor Ort die Umgebung der geplanten Bauprojekte an und studieren die Pläne. Am Nachmittag geht es dann in den Sitzungssaal und in den Austausch mit Architekten und Investoren.

Auf das große Ganze schauen

Die Bauherren können nicht immer nachvollziehen, was ihnen der Gestaltungsbeirat mit auf den Weg gibt. "Da ist durchaus psychologisches Geschick gefragt", sagt Johannes Ernst. Keinesfalls wolle das Gremium "oberlehrerhaft" den Projektplanern etwas überstülpen, betont er, "wir wollen nicht dozieren und nicht diktieren". Aber der Gestaltungsbeirat müsse auf das große Ganze schauen und nicht auf die Einzelinteressen von Investoren.

Im Idealfall, so sagt Anett-Maud Joppien, gelinge es, "gemeinsam den Knoten zu lösen". Die Projektplaner beschäftigten sich oftmals schon so lange mit den Projekten, dass sich eine gewisse "Betriebsblindheit" ergebe. Durch den Blick von außen, den der Gestaltungsbeirat mitbringe, "fällt dann der Groschen und es tun sich ganz neue Optionen auf."

Das betreffe auch das Baurecht: Wenn es um Grenzbereiche geht, gibt es deshalb auch Diskussionen mit der Stadt Freiburg, was möglich ist und was nicht. Der Beirat sehe sich als "Ermöglichungs- und nicht als Verhinderungsinstitutiton", sagt Ernst.

Beide neuen Beiräte sind auch in der Lehre tätig

Bei seiner Arbeit beißt das Gremium aber auch immer wieder auf Granit und trifft auf beratungsresistente Bauherren. Dann ist das nicht zu ändern: Der Beirat spricht nur Empfehlungen aus. Wie solche Gremien funktionieren, wissen Annet-Maud Joppien und Johannes Ernst aus eigener Erfahrung – sie waren schon in Gestaltungsbeiräten in anderen Städten Mitglied, haben aber auch selbst schon ihre eigenen Projekte Beiräten vorgestellt. "Wir kommen aus der Praxis", sagt Johannes Ernst, das helfe bei der Arbeit im Freiburger Gestaltungsbeirat.

Im Leben von Ernst und Joppien gibt es einige Parallelen: Beide stehen an der Spitze eines Architekturbüros mit je 50 Mitarbeitern: der 53-jährige Ernst gemeinsam mit zwei Partnern in München, die 60-jährige Joppien zusammen mit ihrem Mann in Frankfurt. Joppien ist außerdem Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB).

Weiterhin begegnen sie sich die beiden an der Technischen Universität Darmstadt: Ernst und Joppien sind dort in der Lehre tätig – was ihnen wichtig ist, wie sie betonen. "Denn jeder Strich, den ein Architekt macht, hat eine Bedeutung", sagt Johannes Ernst: "Von der Stadtgesellschaft als Ganzes bis zum Zusammenleben von Familien in ihrer Wohnung." Das möchten sie zukünftigen Architekten mit auf den Weg geben.
Freiburger Gestaltungsbeirat

Der externe Gestaltungsbeirat soll für eine bessere städtebauliche und architektonische Qualität sorgen. Die Mitglieder dürfen in ihrer Amtszeit in Freiburg nicht selbst planen und bauen. Von der Ursprungsbesetzung sind aktuell noch Miriam Weyell, Zvonko Turkali und Wigbert Riehl dabei. Ihre Amtszeit endet im April. Die Nachfolger hat der Gemeinderat bereits ernannt: Die Stuttgarter Architektin Elke Reichel, der Inhaber des Lehrstuhls für Städtebau und Landesplanung an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Kunibert Wachten, und die Darmstädter Landschaftsarchitektin Angela Bezzenberger werden dem Gremium neben Johannes Ernst und Anett-Maud Joppien angehören. Die Sitzungen finden rund sechs Mal im Jahr statt und sind in der Regel öffentlich.

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