Problemstadtteil

Junge Menschen aus Weingarten im Interview: "Ich fühle mich anders und bin es auch"

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Di, 06. Februar 2018 um 18:52 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Niedrige Wohnzufriedenheit, schwacher sozialer Zusammenhalt, hohes Misstrauen – Weingarten hat Probleme mit seinem Image. Vier junge Menschen schildern, wie es ist, dort aufzuwachsen.

Weingarten hat Probleme, und das nicht nur mit dem Image. Laut Bürgerumfrage ist nirgendwo in Freiburg die Zufriedenheit mit dem Wohngebiet so niedrig, der soziale Zusammenhalt so schwach und das soziale Misstrauen so hoch. Während durchschnittlich 52,6 Prozent der Freiburger Viertklässler auf ein Gymnasium wechseln, sind es in Weingarten 38,4. Prozent. Vier junge Menschen, die trotz der schwierigen Umstände genau das geschafft haben, schildern der Badischen Zeitung, wie es ist, in Weingarten aufzuwachsen.
Die Gesprächspartner
Sie waren gern zum Interview bereit, baten aber um Anonymität. Zu heikel seien die Themen. Deshalb gaben sie sich folgende Namen: Drilon Hoxha, 19, hat albanische Wurzeln, studiert Wirtschaftsingenieurwesen und will Unternehmensberater werden. Cicek Arslan, 20, hat kurdische Wurzeln, studiert Wirtschaft und will Diplomatin werden. Fatma Özkan, 18, hat türkische Wurzeln, macht Abitur und kann sich vorstellen, in einem Social-Media-Unternehmen zu arbeiten. Anna Osagie, 19, hat nigerianische Wurzeln, macht nächstes Jahr Abitur und will Wirtschaftsjuristin werden.
Weingarten ist der bunteste Stadtteil Freiburgs und der schwierigste. Wie wachsen Kinder dort auf?
Drilon Hoxha: Ich war viel draußen. Kicken mit Freunden. Meistens hingen wir auf dem Zigeunerplatz am Auggener Weg herum. Da gehen alle hin.
Cicek Arslan: Der Platz heißt eben so. Auch die Sinti reden vom Zigeunerplatz. Da brennt manchmal ein Lagerfeuer, die Türen der angrenzenden Häuser stehen offen. Die Sinti sind eine ganz eigene Gruppe. Auf dem Zigeunerplatz stößt man schnell auf Beleidigungen und Bedrohungen. Viele Jugendliche, auch frühere Freunde, suchen ihr Abenteuer in Schlägereien. Sie haben einfach nichts anderes zu tun. Überhaupt ist Weingarten geteilt. Im Osten leben libanesische Clans, im Westen die Sinti.

Fatma Özkan: Sinti haben Respekt vor Eltern und Älteren, aber nicht vor anderen.
Hoxha: Natürlich sind die Sinti unter sich, aber nicht mehr so krass wie früher. Sie sind ein anstrengendes Volk, aber wenn man sie kennt, dann merkt man, das sind liebe Leute.
Özkan: Die jüngeren Sinti gehen heute lieber ins Rieselfeld zum Chillen. Große Gruppen sind auch die Türken, Araber, Kurden, Albaner.

Erziehung findet vor allem in der Familie statt. Oder sollte dort stattfinden.
Hoxha: Meine Mutter spricht relativ gut Deutsch. Sie hat darauf geachtet, dass ich die Hausaufgaben mache.
Özkan: Mein Papa ist ein sehr aggressiver Mensch. Er schlägt meine Brüder. Einmal hatten wir Sorge, dass ...

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