Junge Stimmen helfen jungen Menschen

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mi, 22. Januar 2020

Bad Krozingen

Benefiz-Konzert des Kiwanis-Clubs Bad Krozingen-Staufen mit William-Byrd-Ensembles in St. Alban / Erlös an Jugendprojekte.

BAD KROZINGEN (fl). A-cappella-Gesang vom Allerfeinsten bot das William-Byrd-Ensemble beim Benefiz-Konzert des Kiwanis-Clubs Bad Krozingen-Staufen in der Pfarrkirche St. Alban. Zahlreiche Freunde des Chorgesangs füllten die Reihen, als das junge Ensemble unter der Leitung seines Dirigenten Cornelius Leenen mit dem Lied "Es ist ein Ros’ entsprungen" seinen Einzug hielt.

Kiwanis-Vizepräsident Günter Blasel begrüßte die Hörer mit poetischen Worten über den "Stern, der in den Morgen leuchtet". Damit griff er das Programm auf, das unter dem Motto "Zweier Liebender Weg" stand. Die Auswahl von Motetten und Madrigalen aus verschiedenen Jahrhunderten thematisierte zunächst die Liebe Gottes zu den Menschen. Die adventliche Erwartung, die sich in Zoltan Kodalys "Veni, veni Emanuel" manifestierte, das mit inniger Andacht gestaltete "Ich steh an deiner Krippen hier" von Johann Sebastian Bach und der Jubelgesang "Frohlocket ihr Völker auf Erden" von Felix Mendelssohn-Bartholdy offenbarten eine beeindruckende vokale Leuchtkraft.

In den folgenden Zyklen wurde die Liebe zwischen Mann und Frau in den vielfältigen Ausprägungen ausgeleuchtet. Hervorragende A-cappella-Disziplin, authentisches Interpretationsvermögen und ein schier unglaublicher Reichtum an dynamischen Facetten machten die Darbietungen zu einem Hörgenuss par excellence. Nicht nur die Vokalkunst des Ensembles war bestechend; sie wurde aufgewertet durch den aufregenden Unterhaltungscharakter des Programms.

Da sich das Ensemble nach dem Renaissance-Komponisten William Byrd benannt hat, war es nicht verwunderlich, dass Werke dieser Epoche kleine Highlights im Programm darstellten. "Drei schöne Dinge" und "Freue dich" von Johann Schein rahmten mit ihren anmutigen Gestaltungen die energisch vorgebrachte Forderung einer jungen Frau, "Mother I will have a husband", ein. Verfasst hat dieses Kabinettstückchen an musikalischem Witz der Engländer Thomas Vautor. Die exakt getroffenen Nuancen in den Kontrasten hatten bestechenden Charakter. Mystisch verklärt wirkten die Klangbilder in Cecilia McDowalls zeitgenössischem Werk "Love’s Philosophy", während in Thomas Morleys Liebeslied "It was a lover and his lass" die sinnliche Liebe im Frühling mit lebendigem Duktus ins Licht gerückt wurde.

Zarte Klänge wie in Nils Lindbergs "Shall I compare you" leiteten über zu den nocturnen Barcarolen-Rhythmen von Clara Schumanns "Gondoliera". Im Heiratsantrag "Come live with me" verspricht John Kilkpatrick seiner Angebeteten, sie auf Rosen zu betten und ihr goldene Schuhe zu kaufen. Ganz andere Töne wurden in dem Liebesschwur "Set me as a seal on your Heart" von René Clausen angeschlagen: Liebe über den Tod hinaus. Hier wurden die Akzente zwischen Hoffen und Bangen mittels verschatteter Vokalnuancen gesetzt. Eine Verneigung vor der göttlichen Liebe, die über all diesen irdischen Liebeshändeln schwebt, erfolgte in den Klangbildern von Marc Duruflés bekanntem "Ubi caritas et amor".

Dass Liebe in Gewalt ausarten kann, war schon dem Renaissance-Komponisten Orlando di Lasso nicht neu. Sein Lied "Quand mon mary vient de dehors" wurde gemäß der zornigen Klage einer geschlagenen Frau mit kraftvoller Dynamik gestaltet. In dieses Schema passte auch Carlo Gesualdos Madrigal "O dolce mio tesoro", dessen Kompositionen mit den für die Epoche ungewöhnlichen gebrochenen Harmonien überraschten.

Vergebliche Liebesmüh ist das Flehen eines verlassenen Liebhabers in John Dowlands "Come again". Die Anmut der Umsetzung wirkte so anrührend, dass der Ärmste dem Hörer in der Seele leidtat. Auch Johannes Brahms hat viel Traurigkeit in seine Komposition "All meine Herzensgedanken" einfließen lassen. Joseph Haydn saß wohl der Schalk im Nacken, als er seine Parodie auf die "Harmonie in der Ehe" verfasste. Mit einem Augenzwinkern in den Stimmen sang das Ensemble "O wunderbare Harmonie. Was er will, will auch sie". Die Kunst der leisen Stimmgewalt wurde hingegen in der Wiedergabe von Ralph Vaughn Williams" "Sweet day" demonstriert.

Während des gesamten Konzertes hatte das Publikum still den Darbietungen gelauscht. Nicht ein einziges Mal brach der Spannungsbogen ab, die Empathie zwischen Dirigent und Ensemble hatte sich unmerklich auf die Hörer übertragen. Das Konzertfinale, die Darbietung von Jermin-Nissens "Zweier Menschen Weg am Abend" mit seinem lyrischen Volksliedcharakter löste den begeisterten Applaus aus, den das Publikum sich bis zum Schluss aufgehoben hatte.

Der Präsident des Kiwanis-Clubs, Arnulf Geissler, richtete Dankesworte an die "Nachtigallen" des William-Byrd-Ensembles und an "Obernachtigall" Cornelius Leenen. Mit der Zugabe "Es ist ein Ros entsprungen" schloss das Ensemble den musikalischen Kreis zwischen göttlicher und irdischer Liebe. Der Erlös des Konzertes kommt der Kinder- und Jugendarbeit in Bad Krozingen, Staufen und der Region zugute.