Schönste Radtouren (2)

Kaiser-Tour: Mit dem Rad auf halber Höhe um den Kaiserstuhl

Susanne Ehmann

Von Susanne Ehmann

Di, 02. Mai 2017 um 00:00 Uhr

Südwest

Unterschätzen sollte man die Kaiser-Tour keinesfalls: Zwar ist sie technisch wenig anspruchsvoll. Man muss sich aber 1500 Höhenmeter und knapp 60 Kilometer erradeln.

Kondition braucht es. Und ein gutes Rad. Eines, das nicht jeden Rüttler und Schüttler an seinen Fahrer weitergibt. Und den entsprechenden Fahrer braucht es, der sich von Untergründen wie Schotter, Gras oder Rasengittersteinen nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Sowieso gilt: Unterschätzen sollte man die Kaiser-Tour, eine Radtour auf halber Höhe rund um den Kaiserstuhl, keinesfalls.

Zwar ist sie technisch wenig anspruchsvoll, aber satte 58,8 Kilometer und 1500 Höhenmeter – jeweils Auf- und Abstieg – kommen zusammen auf der Tour, die unter anderem über Vogtsburg, Königschaffhausen und Endingen führt. Immerhin ist der Kaiserstuhl an seiner höchsten Stelle, dem Totenkopf, 558 Meter hoch.

Eine Tour für Radler, die sich auszupowern wollen

Und eines ist sicher: Auch mit einem ständigen Auf und Ab wird’s irgendwann schweißtreibend, die Summe macht’s – die Kaiser-Tour ist für Radler, die Lust haben, sich auszupowern.

Seinen Namen soll der Kaiserstuhl vom deutschen Kaiser Otto III. haben. Der hatte im Jahr 994 in Sasbach ein Gericht einberufen, weshalb die Gegend "Königsstuhl" genannt worden war – bis der König zum Kaiser gekrönt wurde.

Gesichert sind diese Annahmen nicht; dennoch steht in der ehemaligen Gemeinde Leiselheim, heute ein Ortsteil von Sasbach, seit der 850-Jahr-Feier ein großer "Kaiserstuhl".

Die markante Gestalt des 16 Kilometer langen und 12,5 Kilometer breiten Kaiserstuhls inmitten der Rheinebene ist von weither erkennbar, der Rest eines einst prächtigen Vulkangebirges.

Vorbei an Apfelbäumen, Sonnenblumen und Rebstöcken

Von Nahem wirkt er aber erst mal recht harmlos, mit seinen grünen Treppchen, die in der Sonne dieses strahlenden Tages leuchten. So, als würden der Radler und sein Mountainbike durch diese Stufen den Berg hinaufgetragen, Stück für Stück und fast wie von selbst. Doch dieser Traum sollte schon an der ersten knackig steilen Rampe verpuffen, kurz nach dem Einstieg in die Radtour hinter Eichstetten.

Erst einmal geht es aber locker kurbelnd vorbei an Zeugnissen des fruchtbaren Bodens des Kaiserstuhls: vorbei an Apfelbäumen, schwer behängt mit grünen Früchten, an rot gesprenkelten Johannisbeersträuchern, Feldern voller leuchtend gelber Sonnenblumen und hinein in die Landschaft aus Rebstöcken, verschwenderisch behängt mit grünen Weintrauben.

Der Start in Eichstetten ist kein Muss. Ähnliche Einstiege gibt es so gut wie überall in den Gemeinden entlang der Strecke. Von den meisten Bahnhöfen aus sind die Zufahrtswege ausgeschildert. Immer den gelben "Kaiserlich erleben"-Schildern hinterher. Auch wer im Kaiserstuhl unterwegs ist und eigentlich gar nicht vorhatte, die Rundtour zu befahren, wird immer wieder auf die auffallend bunten Schildchen stoßen; ein Vorteil, sollten Radler die Strecke einmal unfreiwillig verlassen haben.

Die Terrassen erleichtern die Bewirtschaftung der Hänge

Doch dann ist’s plötzlich vorbei mit dem gemütlichen Kurbeln – aus dem Nichts geht es in die Vollen. Den Oberkörper weit nach vorne gelehnt, gegen die urplötzlich fast starren Pedale antretend, schiebt sich das Mountainbike voran, Zentimeter um Zentimeter den Berg hinauf.

Glücklicherweise sind die meisten Rampen am Kaiserstuhl zwar steil, aber nicht lang – und oben angekommen belohnt ein grandioser Blick über die Oberrhein-Ebene bis hinüber zu den Bergen des Schwarzwalds.

Und dann heißt es eintauchen in diese kaiserliche Landschaft aus Rebstöcken, Mauern aus Kalkstein und Hohlwegen aus Löss. Weite Teile des Kaiserstuhls sind davon bedeckt. Löss ist hellbeiges Sediment, also feinkörniges Gestein, das durch Wind oder Wasser gelöst und wegtransportiert wird und sich an einem anderen Ort wieder anlagert. Es ist sehr mineralstoffhaltig, gut durchlüftet, hält lange Feuchtigkeit, ist leicht zu bearbeiten – ein idealer Boden also, der den Weinbauern am Kaiserstuhl entsprechend gute Ernten bringt.

Der Weinbau ist auch der Grund für die spezielle Kulturlandschaft des Kaiserstuhls: die Terrassen. Sie wurden bei Flurbereinigungen in den 50er- und 60er-Jahren angelegt, damit die Hänge besser bewirtschaftet werden konnten. Heute ermöglichen sie eine besonders ausgeprägte Flora und Fauna – und eine erlebnisreiche Landschaft.

Weiter geht es: Schotterwege hinauf, Wiesenwege hinunter, eine Rampe aus Rasengittersteinen hinauf, eine asphaltierte Straße hinunter. Vorbei an den Vogtsburger Ortsteilen Altvogtsburg, den kahlen Rundungen des Badbergs, Oberbergen und Bickensohl.

Eine Strecke für Ambitionierte

Dazu gibt es herrliche Aussichten über die charakteristische Terrassenlandschaft und die Rheinebene, mediterran anmutende Landschaften, Bänke die, von Hibiskusbäumen eingerahmt, zur Pause verführen und adrette Ortschaften mit diversen Möglichkeiten zur Rast und Stärkung müder Radler.

Letzteres vor allem durch Flüssigkeit. Denn der Kaiserstuhl zählt zu den wärmsten Gegenden Deutschlands. Was im Frühjahr und Herbst von Vorteil ist, kann im Sommer quälend sein. Denn dann staut sich die Hitze in den Hohlwegen, bringt den Asphalt zum Glühen und den Radler auf der ohnehin kräftezehrenden Kaiser-Tour an seine Grenzen: den Kopf krebsrot, das Hemd schweißnass, die Trinkflasche nicht selten komplett leergetrunken.

Burkheim, Königschaffhausen, Endingen, Eichstetten. Am Ende der Tour wird der beanspruchte Hintern vom Sattel gelöst, werden die Beine ausgeschüttelt, dann gibt’s ein kühles Radler und das Fazit: Die Kaiser-Tour ist etwas für ambitionierte Fahrradfahrer, die die Herausforderung nicht scheuen und dabei gern in traumhafter Landschaft und mit ebenso traumhaften Aussichten unterwegs sind. Technisch anspruchsvoll ist sie nicht – die Herausforderung besteht darin, das Auf und Ab bis zum Schluss und bis zum Erreichen der 1500 Höhenmeter durchzuziehen.

Noch ein Tipp für die weniger Ambitionierten: Durch eine Verbindungsstrecke bei Vogtsburg-Oberrotweil kann die Tour in eine große Runde (49 Kilometer) über den Vogelsang-Pass, Endingen und Sasbach-Jechtingen und in eine kleine Tour (13 Kilometer) über die Vogtsburger Ortsteile Achkarren und Bickensohl, aufgeteilt werden – und daneben gibt es immer die Möglichkeit, ein Stück abzukürzen.
Die Kaiser-Tour auf einen Blick

Strecke: 58,8 Kilometer
Dauer: 5 Stunden
Höhenmeter: 1500 Meter
Schwierigkeit: mittel
Geeignet für: Tourenbike, Mountainbike
Tour: Rundtour. Ein Einstieg ist überall möglich. Von den meisten Bahnhöfen der Kaiserstuhlbahn gibt es ausgeschilderte Zufahrtswege. Eichstetten: Geogr. 48.093617 N 7.726752 E UTM 32U 405194 5327489
Ziel der Tour: Rundtour

Koordinaten: Die GPS-Daten der Tour stehen auf der Homepage des Schwarzwald Tourismus kostenfrei zum Download bereit. http://www.mehr.bz/kaisertour http://mehr.bz/kaisertour
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Kaiserstuhlbahn
Fahrplanauskunft: http://www.efa-bw.de
Sehenswertes: Terrassenlandschaft im Kaiserstuhl
Einkehrmöglichkeit: Am Kaiserstuhl gibt es jede Menge Gelegenheiten für eine Pause. Zum Beispiel im "Rebstock" in Oberbergen oder in "Köpfers Steinbuck" in Bischoffingen.
Parken: An den Bahnhöfen der Kaiserstuhlbah
Varianten: Eine Verbindungsstrecke in Vogtsburg- Oberrotweil erlaubt die Aufteilung in eine 49-Kilometer-Runde über den Vogelsang-Pass, Endingen und Jechtingen sowie eine 13-Kilometer-Tour über Achkarren und Bickensohl.

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