Risikofaktor Pollenflug

dpa

Von dpa

Sa, 20. März 2021

Gesundheit & Ernährung

Einer Studie zufolge gibt es dann mehr Corona-Infektionen / Schleimhäute werden geschwächt / Allergologen beruhigen.

Starker Pollenflug kann einer Studie zufolge das Corona-Risiko erhöhen. Gebe es viele Pollen in der Außenluft, stiegen die Infektionszahlen, berichtet ein internationales Team unter Leitung von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München im Fachmagazin PNAS. Nach der Veröffentlichung der Studie hatte es zahlreiche besorgte Anrufe bei Allergologen gegeben. Es gebe aber keinen Anlass zu übermäßiger Beunruhigung, so die Experten.

Die Forscher selbst betonten ebenfalls, dass viele weitere Faktoren das Infektionsgeschehen beeinflussten. Zudem zeigt die Studie zwar eine Korrelation zwischen Pollenflug und Infektionsraten, weist aber keine Kausalität nach.

Die Forscher hatten Daten zu Pollenbelastung und Infektionsraten mit Sars-CoV-2 aus 130 Regionen in 31 Ländern auf fünf Kontinenten analysiert. Sie berücksichtigten auch demografische Faktoren und Umweltbedingungen, darunter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bevölkerungsdichte sowie die Ausprägung des Lockdowns. An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In manchen deutschen Städten seien im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter gekommen – zugleich stiegen laut Studie die Infektionsraten um mehr als 20 Prozent. Galten in den untersuchten Gebieten Lockdown-Regeln, halbierte sich die Zahl der Infektionen im Schnitt bei vergleichbarer Pollenkonzentration in der Luft.

Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte, es sei bekannt, dass Pollenflug zu einer erhöhten Infektanfälligkeit gegenüber bestimmten Viren führen könne. "Neu ist, dass dieser Effekt nun auch für das neue Coronavirus wissenschaftlich belegt wurde." Laut den Autoren, die dabei auf frühere Studien verweisen, führen Pollen zu einer veränderten Immunabwehr in den Schleimhäuten, so dass weniger gegen Viren gerichtete Abwehr-Botenstoffe produziert werden. Der Effekt halte etwa drei Tage an, so dass in dieser Zeit ein erhöhtes Risiko bestehe.

Die Veröffentlichung der Studie hatte bei Patientinnen und Patienten für Verunsicherung gesorgt. Telefone und Video-Sprechstunden bei den deutschen Allergologen liefen heiß, sagte der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, Ludger Klimek. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst beruhigte: "Allergiker und Nichtallergiker sollten keine Sorgen oder gar Ängste entwickeln, durch den Kontakt mit Pollen in der Außenluft bevorzugt eine Infektion mit Coronaviren zu erleiden." Klimek verwies darauf, dass in der zweiten Welle im Herbst die Zahlen noch deutlicher stiegen – ganz ohne Pollenflug.