Fußball-Europameisterschaft

Kein Public Viewing auf dem Schlossplatz in Emmendingen

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Mi, 15. Januar 2020 um 17:02 Uhr

Emmendingen

Nach Lahr legt sich jetzt auch Emmendingen fest: Es wird kein Public Viewing bei der Fußball-EM 2020 geben, erstmals seit 2008. Es rechnet sich nicht mehr, sagt der ehemalige Veranstalter.

Die Fans müssen sich umgewöhnen: Nach vielen Jahren des gemeinsamen Fußballschauens auf dem Emmendinger Schlossplatz wird es zur Europameisterschaft in diesem Sommer erstmals kein Public Viewing geben. Veranstalter Christoph Römmler bestätigte auf Anfrage der Badischen Zeitung die Absage der Großveranstaltung, die bei vergangenen Welt- und Europaturnieren seit 2008 in der Stadt bis zu 2000 Besucher vor der Großbildleinwand versammelt hatte.

"Die Kosten werden immer höher und es rechnet sich einfach nicht mehr"Christoph Römmler
"Die Kosten werden immer höher und es rechnet sich einfach nicht mehr", begründet Römmler seinen Rückzug. Zwischen 80.000 und 100.000 Euro hatte der Teninger Konzert- und Eventveranstalter für die Veranstaltung jeweils ausgegeben, wobei die Video-Wand mit ihrem hochauflösenden Bildschirm den größten Kostenblock darstellte. Hinzu kamen Platzmiete, Infrastruktur, Gema-Gebühren, Lizenzen für FIFA und UEFA, sowie Personalkosten, Ausgaben für Sicherheit und Werbung. Als Römmler nun im Herbst vorfühlte, ob sich die Stadt diesmal eine stärkere finanzielle Beteiligung vorstellen könnte, sei dies abgelehnt worden. Bislang wurden vor allem Leistungen des städtischen Bauhofs verrechnet. "Dann haben auch die von uns angefragten Sponsoren abgewunken", sagte der Geschäftsführer von Karoevents. "Und ohne die geht es schon gar nicht".

Der Hype ums gemeinsame Fußballgucken soll vorbei sein

Römmler hätte es diesmal gerne noch einmal versucht, wenngleich er einräumt, dass der "ganz große Hype" des Public Viewing genannten gemeinsamen Fußballschauens vorbei sei. "Da hat sich schon viel verändert", hat er über die Jahre beobachtet. Heute habe fast jeder einen Beamer oder einen Monster-Fernseher zuhause. "Wenn alle ’Juhu nochmal’ geschrien hätten, hätte ich es noch einmal federführend organisiert". Für ihn und sein Unternehmen sei dies natürliche "eine schöne Image-Sache" gewesen. Doch er habe auch so genug zu tun. Römmler organisiert im Sommer zahlreiche Firmenevents und das Emmendinger Festival "I EM Music". Mit einem neuen Musikfestival geht er in Villingen-Schwenningen an den Start. "Langweilig wird es uns nicht". Emmendingen verliere mit dem Public Viewing "eine symphytische Familienveranstaltung, die in all den Jahren keinerlei negative Auswüchse oder Schlagzeilen produziert hat".



Erstmals fand zur Europameisterschaft 2008 in Emmendingen ein Public Viewing statt, zwei Jahre nach dem legendären Sommermärchen der WM im eigenen Land. Danach versammelten sich alle zwei Jahre durchgehend bis 2018 die Fans auf dem Schlossplatz. Also insgesamt sechs mal. Emmendingen lockte dazu Fußballfreunde aus der ganzen Region in die Stadt. Als die Euphorie am größten war, stimmten auch die Zuschauerzahlen. Bei der letzten Europameisterschaft kamen dann immerhin noch zwischen 1500 und 1800 Besucher um sich die übertragenen Spiele gemeinsam anzuschauen. Die Zahlen seien freilich stets abhängig vom Wetter, den Anstoßzeiten und dem (zuletzt schlechten) Abschneiden der deutschen Mannschaft "aber nur wenig rückläufig" gewesen.

Diesmal wären die Bedingungen für ein zuschauerträchtiges Public Viewing wieder besser. Jogis Jungs wurden in der Vorrunde ihrer Favoritenrolle gerecht und die vom 12. Juni bis 12. Juli genau einen Monat lang dauernde EM mit 24 teilnehmenden Nationen wird mit 36 Partien an zwölf Spielorten in Europa ausgetragen, darunter vier Begegnungen auch in München. Die Fernsehübertragungszeiten um 18 Uhr beziehungsweise 21 Uhr sind ebenfalls optimal für einen Fußball-Feierabend.

Wo Christoph Römmler die EM-Spiele der DFB-Auswahl diesmal schauen wird, weiß er noch nicht. Seit 2008 war dies zwangsläufig stets mit seinen eigenen Veranstaltungen in Emmendingen verknüpft. Vielleicht zuhause beim Grillen im eigenen Garten, wie viele andere Fußballfreunde, die das "Gemeinschaftserlebnis Public Viewing" sicher vermissen werden".

Mehr zum Thema: