Heraus aus der introvertierten Minderheitenexistenz

epd

Von epd

Do, 18. Juli 2019

Kino

TRAGIKOMÖDIE: "Made in China" von Julien Abraham und Co-Autor Frédéric Chau ist eine Hommage an Chinesen in Frankreich.

Frédéric Chau ist als "Quotenasiate" im Schwiegersohnquartett der "Monsieur Claude"-Komödien bekannt geworden. In Frankreich ist er auch als Stand-up-Komiker ein Begriff – und gilt als Sprachrohr der asiatischen Community. Wegen einer Häufung von Überfällen auf Chinesen traten die bis dahin quasi unsichtbaren Einwanderer 2016 erstmals in einer Großdemo aus dem Schatten. In einem Unterstützerclip beklagte Chau damals, dass die als reich geltenden Chinesen zur Zielscheibe krimineller Banden würden.

Diese Probleme spart er – anders als in "Monsieur Claude 2" – aus. Seine Tragikomödie, ein Herzensprojekt, ist vielmehr bemüht, die Welt der chinesischen Minderheit zu erklären. Sein mit Regisseur Julien Abraham verfasstes Drehbuch wirkt autobiografisch inspiriert.

Chau spielt den Fotografen François, der bald Vater wird, weshalb seine französische Freundin (Julie de Bona) möchte, dass er sich endlich mit dem eigenen Vater aussöhnt. In Expeditionen mit Kumpel Bruno durch den Hochhausdschungel des "quartier chinois" im 13. Arrondissement von Paris lernt Chau seine Wurzeln kennen – und schätzen, obwohl er jahrelang französischer als die Franzosen sein wollte. Fahrlehrer Bruno (Medi Sadoun) dient als komödiantischer Sidekick, der, mehr ungeschickt als rassistisch, exemplarisch ins Fettnäpfchen tappt.

Chau selbst bedient in Vorwärtsverteidigung Chinesenwitze, wenn er – "Spiel den Chinesen!" – in Micky-Maus-Tonlage Strafzettel schwenkende Polizisten vergrämt. Sich seines äußerlichen Andersseins und der Vorurteile überbewusst, ist François stets auf der Hut, was Comedian Chau zu wortwitziger Rhetorik nutzt.

Auch das Essen – "Hund!" – ist ein Thema, ebenso der Druck, den ehrgeizige Väter auf ihren Erstgeborenen ausüben, und der verdrängte Schmerz der einstigen Kriegsflüchtlinge. Mit viel Fingerspitzengefühl spielt Chau die emotionale Schieflage einer doppelten kulturellen Identität durch. Dennoch fehlt es gerade dem Vater-Sohn-Konflikt an glaubwürdiger Dramatik, was konstruierte Drehbuchwendungen nur verschlimmbessern.

So beeinträchtigt der Rückgriff auf lahme Déjà-vus auch das Vergnügen an dieser einnehmenden Hommage an eine Minderheit – die bisher, "introvertiert und diskret", so Chau, eher wenig komödiantische Reibungsflächen zu bieten schien. (Läuft flächendeckend, ab 0)