Hilfe für Mauersegler

Industriekletterer bringen Nistkästen an der Heiliggeistkirche in Kirchzarten an

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mo, 18. Februar 2019 um 16:49 Uhr

Kirchzarten

Industriekletterer arbeiten in großer Höhe. So auch an der Ostfassade der Kirchzartener Heiliggeistkirche. Dort brachten sie Nisthilfen für Mauersegler an. Dieser ungewöhnliche Akt hat eine Vorgeschichte.

Die Dreisamtäler Gruppe des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) hatte im Mai erfahren, dass zahlreiche für gewöhnlich im Spalt zwischen Wand und Dach der Heiliggeistkirche brütende Mauersegler vergeblich versuchten, zu ihren angestammten Brutplätzen zu gelangen. Nabu-Vorsitzende Simone Rudloff sprach daraufhin bei Gemeindepfarrer van Oorschot vor und erfuhr, dass im Zuge der Kirchendachsanierung Mauerseglernester an der Nordseite der Kirche gefunden worden waren.

In Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde am Landratsamt wurden daher neue Brutkammern in der Attika auf der Nordseite mit Flugöffnungen im Verkleidungsblech geschaffen. Ohne Erfolg – die Mauersegler nahmen diese vorgesehenen Brutplätze nicht an. Anwohner informierten Simone Rudloff, dass die Vögel bislang immer an der Westseite gebrütet hätten.

Der Nabu wollte dort nun Nistkästen anbringen. Der vorgebaute Gemeindesaal verhinderte jedoch nach Prüfung durch Bauhof und Feuerwehr den Einsatz eines Hubsteigers ebenso wie den einer Feuerwehrleiter. Die Firma Holzbau Fischer bot als Lösung an, ein fahrbares Gerüst auf das Dach des Gemeindesaales zu stellen.

Der Gerüstaufbau gestaltet sich als schwierig

All dies beobachtete die täglich auf dem Gelände anwesende Hausmeisterin Dagmar Kantwerg. Sie meldete sich zu Wort und berichtete, dass entgegen der bisherigen Annahme die Mauersegler seit mehr als zehn Jahren überwiegend an der Ostseite der Kirche nisteten. Laut Simone Rudloff entspreche dieses Verhalten dem vieler Höhlenbrüter, welche die dem Wetter abgewandte Seite bevorzugen. Also wurde das Anbringen der Kästen an der Ostseite geprüft, aber auch dort war kein Herankommen oder das Aufstellen eines Gerüsts möglich.

Simone Rudloff suchte daher nach einem Industriekletterer und sprach mit Tim Vollhardt, Geschäftsführer der Firma Auszeit in Simonswald. Deren wesentliche Geschäftsfelder bestehen aus seilunterstützten Montage-, Wartungs- und Reinigungsarbeiten an schwer zugänglichen Orten und Gebäuden sowie Baumpflegearbeiten. Damit sind die Kletterer in ganz Deutschland und der Schweiz unterwegs. Man war sich schnell einig und am Donnerstag trafen Vollhardt und ein weiterer Mitarbeiter der Firma in Kirchzarten ein.

Die Industriekletterer müssen sich an einem Baum aufseilen

Mangels einer Dachluke und einer Befestigungsmöglichkeit des Kletterers auf dem Dach musste eine sichere Aufseilung von einer dicken Birke auf der gegenüberliegenden Westseite aus erfolgen. Vorher mussten sämtliche erforderlichen Utensilien und Werkzeuge über mehrere Leitern einzeln aufs Dach gebracht werden. Dann konnte endlich Tim Vollhardt – frei am Seil hängend und assistiert von seinem Kollegen auf dem Dach – mit der Montage der acht Nistkästen beginnen.

Die Kosten der aufwändigen Aktion teilen sich die Gemeinde Kirchzarten und die Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Simone Rudloff hofft nun, dass die Nisthilfen im Frühjahr von den nach ihrer Aussage "sehr sensiblen" Mauerseglern angenommen werden.

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