BZ-hautnah

Klein, aber mit großer Wirkung – die Power-to-Gas-Anlage in Grenzach-Wyhlen

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Sa, 22. Februar 2020 um 15:03 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Auf Einladung der Badischen Zeitung haben 50 Leser das Wasserkraftwerk und die Power-to-Gas-Anlage besichtigt. Interessierte kamen sogar aus Fröhnd und Präg nach Grenzach-Wyhlen.

Sehr schnell ausgebucht war die erste Veranstaltung der Reihe "BZ-hautnah" in diesem Jahr. Etwa 50 Interessierte aus dem gesamten Kreisgebiet waren gekommen, um sich auf Einladung der Badischen Zeitung das Wasserkraftwerk und die Power-to-Gas-Anlage in Grenzach-Wyhlen anzusehen.

Sogar aus Fröhnd und Präg waren die Teilnehmer gekommen, übrigens hauptsächlich Männer.

Simon Kuner, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei Energiedienst, stellte zunächst die Kraftwerkskette am Hochrhein vor. Viel Strom entsteht hier aus der sich ständig erneuernden Quelle. Das Kraftwerk Wyhlen nahm 1912 den Betrieb auf und ist seit dem Abriss des alten Rheinfelder Kraftwerkes nunmehr das älteste Laufwasserkraftwerk am Hochrhein. Neben den elf Großkraftwerken zwischen Schaffhausen und Birsfelden arbeiten aber noch zehn kleine Wasserkraftwerke, vor allem an der Wiese.

Wasser wird gespalten

Der Schritt zur Wasserstofferzeugung war dann gar nicht so weit, denn im Kraftwerk Wyhlen kommt es durch die unterschiedliche Abnahme des erzeugten Stromes zu Überschüssen. Diese Energie wird nun genutzt, um in der neuen Anlage Wasser in seine beiden Teile, Wasserstoff und Sauerstoff, zu spalten. Seit Jahresbeginn produziert die Anlage, ihre Leistung liegt bei einem Megawatt. Der erzeugte Wasserstoff ist mit mehr als 99,9 Prozent hochrein. Auf den gesamten Prozess berechnet wird dabei ein Wirkungsgrad von rund 60 Prozent erreicht. Noch nicht genutzt wird derzeit die dabei entstehende Abwärme, aber auch dafür gibt es bereits ein Konzept. Mit dem Bau des neuen Wohngebietes am Kapellenbach in Wyhlen sollen mit der Abwärme dort Gebäude beheizt werden, dann wird der Gesamtwirkungsgrad der Wasserstoffherstellung auf mehr als 80 Prozent ansteigen.

Teilnehmer stellen viele Fragen zum Wasserstoff

Nach den allgemeinen Erläuterungen zur Größe und Leistungsfähigkeit der Anlage hatten die Teilnehmer der Exkursion sehr viele Detailfragen. Da wurde auch schnell deutlich, dass etliche Fachleute mit dabei waren, die davon doch recht viel verstanden. Wie stark die Verdichtung des Wasserstoffes ist, wollte ein Zuhörer wissen – 310 bar war die Antwort.

Was geschieht mit dem ebenfalls entstehenden Sauerstoff, war eine andere Frage. Der wird derzeit ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben, weil seine Reinigung zu aufwändig wäre. Beim Rundgang dann sahen die Besucher die Speicherflaschen für den Wasserstoff und wollten wissen, welche Menge denn hier gelagert werden kann. Die Produktion aus vier Tagen kann hier aufbewahrt werden, die Befüllung eines Tankwagens, auch danach erkundigte sich ein Gast, dauert fast einen ganzen Arbeitstag. Beim Rundgang erklärte Sabine Trapp auch die Zusammenarbeit von Energiedienst mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung.

Dazu wurde in Containern eine kleine Anlage aufgestellt, die nochmals mit einer Leistung von 0,3 Megawatt weitere Erkenntnisse sammelt, um die großtechnische Erzeugung von Wasserstoff für den Ausbau der Brennstoffzellentechnologie voranzutreiben.

Direkte Betankung ist nicht möglich

Gleich mehrfach wurde danach gefragt, ob denn hier auch die direkte Betankung von Fahrzeugen möglich sei. Nein, lautete die Antwort, das muss an speziellen Tankstellen erfolgen. Allerdings erscheint es auch den Fachleuten nicht unmöglich, dass später einmal in der Nähe eine öffentliche Tankstelle dafür eingerichtet wird. Leider ist das Betreten der Wasserstofferzeugungsanlage bei laufendem Betrieb nicht möglich, durch eine Glaswand konnten die Besucher hineinschauen. Das ist zwar nicht die ideale Lösung, zumindest lässt sich die Dimension der komplizierten, aber relativ kleinen Anlage, erkennen.

Zur Führung gehörte selbstverständlich auch der Besuch des Wasserkraftwerkes mit seinen Turbinen und Generatoren aus zwei Generationen. Neben fünf Anlagen aus dem Jahr 1912 arbeiten seit den neunziger Jahren sechs leistungsstark Straflo-Turbinen. Sie sind ebenfalls eine Besonderheit, denn diese Kombination von Turbine und Generator in einem Gehäuse wurden nur hier und in Laufenburg sowie in zwei amerikanischen Kraftwerken eingebaut.