Schülerstreik in Offenburg

Klimabündnis droht mit Straßenbesetzungen

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Fr, 29. November 2019 um 14:13 Uhr

Offenburg

Die Fridays radikalisieren sich: Es werden eine Ausweitung der Streiks auf Fabriken gefordert und Straßenbesetzungen angedroht.

Der 7. Fridays for Future-Schülerstreik in Offenburg hat unter Regengüssen gelitten. Dennoch kamen rund 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Freitag gegen 11 Uhr vor dem Rathaus zusammen. Rednerinnen und Redner forderten, unter anderem, die Streiks von den Schulen auf die Betriebe auszuweiten und kündigten Straßen- sowie Parkplatzbesetzungen an, um die Kreispolitiker "zu stressen", damit diese mehr für den ÖPNV tun.

Ein Ohrenöffner für die Menge war der Auftritt von Jonah Bahr und Jakob Bessler aus der 7. Klasse des Grimmelshausen-Gymnasiums. Sie klagten die Politik an, dass sie die Klimakrise schönredeten und in ihrem Handeln in erster Linie den Schutz von Öl- und Autoindustrie im Fokus hätten, statt zum Beispiel den Umbau in Richtung E-Mobilität stärker voranzutreiben.



Die fest auftretenden jungen Redner erhielten viel Beifall, aber auch Widerspruch aus den Reihen der weiteren Redner. So erklärte Tristan Stacey, der im Namen der IG Metall-Jugend sprach, dass seiner Meinung nach Elektromobilität "ökologischer Schwachsinn" sei. Stacey erklärte, dass Autoindustrie- und ihre Zulieferer wie Schaeffler und Bosch in Bühl oder PWO in Oberkirch die Folgen einer verfehlten, unökologischen Modellpolitik zu spüren bekommen. Eine Überkapazität von 30 Prozent unverkäuflicher Fahrzeuge sei aufgelaufen, und die Belegschaften sollten das nun, laut Stacey, mit Lohnverzicht und Mehrarbeit ausgleichen.

Tristan Stacey von der IG Metall-Jugend: Bei Arbeitern wird Hass auf "weltfremde Ökoschüler" geschürt

Was das mit dem Schulstreik fürs Klima zu tun habe, fragte Stacey rhetorisch. In den Betrieben würden Manager den Belegschaften erklären, dass die aktuelle Krise kein Fehler des Managements sei, sondern, dass "weltfremde Ökoschüler" für Lohnkürzungen verantwortlich wären. Stacey appellierte an die Arbeiter, sich nicht gegen die Schüler ausspielen zu lassen, sondern sich vielmehr deren Streiks anzuschließen.

Der Schlüssel zu einer ökologischeren Wirtschaftspolitik liege laut Stacey in einem Herunterfahren der Produktion durch radikale Arbeitszeitverkürzung und Verteilung der Arbeit auf mehr Schultern. Ziel könne nicht ein immer höherer Aktienkurs, sondern nur das Wohlergehen der Bevölkerung sein, schloss er seine linksnostalgische Rede.

Zuvor hatte Yannik Hinzmann vom Ortenauer Klimabündnis die Verkehrspolitik des Ortenaukreises gegeißelt. Wenn der Europa-Park "Rulantica" eröffne, gebe es eine neue Buslinie, ebenso, bei Jürgen Grossmanns Europäischem Forum am Rhein oder bei Zalando auf dem Lahrer Flugplatz. Aber wenn Tausende Klimademonstranten einen attraktiveren Öffentlichen Personennahverkehr für die Ortenau und etwa ein 30-Euro-Monatsticket forderten, dann seien sie nur Bittsteller, denen man nicht entgegenkomme. Im Gegenteil im Renchtal würde der Bahntakt verschlechtert und somit die Leute ins Auto gezwungen.

Hinzmann forderte die Zuhörer auf, die Kreispolitik "zu stressen", nur dann würde sich etwas bewegen. Etwa durch Besetzungen der B 33 oder der B 415 oder von Parkplätzen.

Zuvor hatte Jaana Hilberer vom Klimabündnis auf unweigerliche drohende, kommende Flüchtlingswellen hingewiesen, gegen die die aktuelle nur ein Nasenwasser sei. Nur durch eine konzertierte entschlossene und internationale Aktion, könne die Klimakatastrophe und das Leid der Menschen verhindere werden.

Anschließend setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Über Hauptstraße, Freiburger und Wasserstraße ging es zurück zum Rathaus, wo die Kundgebung gegen 12.40 Uhr endete.