Klimafreundlichkeit beginnt in den Kommunen

Lea Breitsprecher

Von Lea Breitsprecher

Fr, 20. September 2019

Bad Säckingen

Grünen-Bundestagsabgeordneter Gerhard Zickenheiner zu Besuch in Bad Säckingen / Diskussion über klimafreundliche Stadtentwicklung.

BAD SÄCKINGEN. Über die Entwicklung der Stadt Bad Säckingen im Zeichen des Klimawandels hat am Mittwoch der Bundestagsabgeordnete Gerhard Zickenheiner (Grüne) mit Mitgliedern des Grünen-Ortsverbandes gesprochen. Bei einem Stadtrundgang wurden Potenziale der Trompeterstadt beleuchtet, die beim anschließenden Impulsvortrag weiter diskutiert wurden.

"Ohne die Kommunen bekommen wir den Klimawandel nicht in den Griff", sagte der Abgeordnete. Zickenheiner betonte beim Rundgang durch die Stadt die Handlungsmacht der Gemeinden. Auch in Bad Säckingen würden generelle Aspekte der zukünftigen klimafreundlichen Stadtentwicklung gelten, die auf den gesamten urbanen Raum übertragbar seien. Von daher sei es wichtig, auf Anknüpfungspunkte und Potenziale in der Stadt aufmerksam zu machen.

Lokales Wissen als Ressource nutzen

Den Anfang machte der Rundgang am Marienhaus. Das gesamte Gebäudeareal werde in naher Zukunft umgestaltet, wie Gemeinderätin und Kreistagsvorsitzende der Grünen Ruth Cremer-Ricken erläuterte. Dies nahm Zickenheiner zum Anlass, auf den generellen Umgang mit bestehenden Baustrukturen zu verweisen. Vielerorts tendiere man zum Abriss und Neubau, was nicht nachhaltig sei, so der Bundestagsabgeordnete. Er sieht die Pflicht dabei auch bei der Regierung, für ein klimafreundlicheres Baurecht zu sorgen. Beim weiteren Gang entlang der Steinbrückstraße und der Lohgerbe diskutierte man darüber, dass die städtische Begrünung verdrängt werde, und zwar im gesamten Stadtbild. "Viel von der Raumgestaltung basiert auf dem Verkehr", so Zickenheiner. Allgemeine Zustimmung fand allerdings die Gestaltung des Auplatzes, wo durch ein unterirdisches Bewässerungssystem trotz Tiefgarage Bäume wachsen können.

Ungenutzte Flächen gibt es in Bad Säckingen zuhauf, teilweise auch in der Höhe. Im Baugebiet Rhein-Au verwies Zickenheiner auf die Möglichkeit, auf den Dächern Vegetationsflächen anzulegen. Ein Vorteil wäre dabei die natürliche Kühlung der Häuser durch die Pflanzen. Damit könne man der steigenden Überhitzung in den Städten begegnen, was gleichzeitig auch ökonomische Vorteile bringe. Lobende Worte fand der Abgeordnete für die Konzeption des Gebietes. Die dichte Bebauung mache es möglich, Begegnungsräume zu schaffen. Dies sei begrüßenswert, entkomme man so der sozialen Blase, wie sie unter anderem durch soziale Medien geschaffen werde: "Wohnen heißt auch sozialisiert werden."

Beim anschließenden Impulsvortrag im Margarethenschlössle gewährte der Bundestagsabgeordnete Einblick in seine Arbeit. Ein zentrales Anliegen sei ihm, an einem geeigneten Modell zur Verteilung der Fördergelder an Kommunen mitzuwirken. Mit Hilfe des lokalen Wissens könnten die Kommunen schneller agieren und aktiv werden als die Bundesebene: "Derzeit sind nur die Kommunen in Sachen Nachhaltigkeit wirklich erfolgreich." Eine klare Absage erteilte Zickenheiner Verboten. Dies sei nicht der richtige Ansatz, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Vielmehr sei es wichtig, dass sich Einsparungen mehr lohnen: "Klimafreundliches Handeln muss begünstigt werden und gleichzeitig müssen die Begünstigungen des klimafeindlichen Handelns wegfallen."

Auf die Frage, welche Ideen er für Bad Säckingen habe, antwortete Zickenheiner, dass er eher von einem allgemeinen Standpunkt aus argumentieren sensibilisieren könne. Durch die Vergleichbarkeit mit anderen ländlichen Gebieten würden allerdings Punkte wie Begrünung, die Energieertüchtigung des Bestandes sowie der Ausbau des Fahrradverkehrs und des öffentlichen Nahverkehrs zum Tragen kommen. Außerdem nannte er den Ausbau der digitalen Infrastruktur, wodurch Heimarbeitsplätze geschaffen und Fahrtwege reduziert werden könnten.

Gerhard Zickenheiner, geboren 1961 in Lörrach, ist Architekt und Stadtentwickler. Seit Januar 2019 ist er Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Lörrach-Müllheim. Zudem ist er Mitglied im Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union sowie im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung.