Ausstellung

Kolonialismus und Kommerz: Wie aus exotischen Pflanzen "Grünes Gold" wurde

Jürgen Schickinger

Von Jürgen Schickinger

Fr, 14. Juni 2019 um 22:28 Uhr

Bildung & Wissen

BZ-Plus Ziertulpen waren mal so wertvoll wie ein Haus in Amsterdam und um manche exotische Pflanze führten Kolonialherren sogar blutige Kriege. Diese Geschichte wird jetzt in Freiburg ausgestellt.

Acht zarte Setzlinge brechen das Monopol. Mitte des 19. Jahrhunderts giert die Industrie nach Kautschuk, dem Rohstoff für Gummi. Der wächst nur in Brasilien. Um sein Monopol zu sichern, stellt das Land die Ausfuhr des Kautschukbaumes Hevea brasiliensis und seiner Samen unter Strafe. Im Juni 1876 erreichen trotzdem 70 000 Samen Liverpool. 2397 davon keimen in London. Acht junge Bäume überleben den Transport nach Asien, wo englische Kolonien schon Anfang des 20. Jahrhunderts 90 Prozent des Kautschuks für den Weltmarkt produzieren.

"Das ist eines der spektakulärsten Beispiele für Biopiraterie", sagt Thomas Speck, der Direktor des Freiburger Botanischen Gartens. Dort ist bis Ende August die Ausstellung "Forscher, Sammler, Pflanzenjäger" zu sehen. "Sie stellt hauptsächlich Personen vor, die auf ihren Reisen Pflanzen wissenschaftlich untersucht und gesammelt haben", so Speck. Gleichzeitig wird in der 84-seitigen Broschüre zur Ausstellung eingestanden: "Hinter den meisten großen historischen Sammelreisen standen handfeste kommerzielle und koloniale Interessen." Um sie zu wahren, bekämpften Nationen einander. Händler und Sammler logen, stahlen und mordeten wegen "Cash Crops" wie Kautschuk.

Kautschuksamen wurden illegal geschmuggelt
Der Boom beginnt 1839, als Charles Goodyear die Vulkanisierung erfindet. Sie verwandelt den milchigen Latex-Saft des Kautschukbaums in dehnbaren, elastischen Gummi. Wasserfeste Stiefel, ...

BZ-Plus-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 5 Artikel kostenlos lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ