Konzept für Integration und Teilhabe

Danielle Hirschberger

Von Danielle Hirschberger

Di, 16. Juli 2019 um 09:00 Uhr

Rheinfelden

Bis zum Herbst ist eine Broschüre geplant, die die gesamte konzentrierte Arbeit der Stadt mit Fotos zeigen soll

RHEINFELDEN. Rheinfelden ist eine junge Stadt, die durch Menschen mit verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen geprägt wird. Um die Lebensqualität und ein gutes soziales Miteinander in den kommenden Jahren zu erhalten, entwickelte die Stadtverwaltung in enger Zusammenarbeit mit Einwohnern ein Konzept für Integration und Teilhabe. In einer Abschlusskonferenz wurde jetzt das Ergebnis dieser intensiven Arbeit vorgestellt.

Das erste Ergebnis ist ein simpler Flyer, der aber gleich vier Handlungsfelder vorstellt. Bis zum Herbst ist eine Broschüre geplant, in welcher die gesamte konzentrierte Arbeit mit Fotos präsent ist. "Es wird keine schöne Broschüre fürs Regal werden. Der Prozess des Zusammenwachsens wird begleitet von der Steuergruppe, der Stabsstelle für Integration, von den Kooperationspartnern. Und wir hoffen auf die Mitarbeit der Einwohnerinnen und Einwohner von Rheinfelden", betonte Bürgermeisterin Diana Stöcker.

Fähigkeiten vernetzen
Professor Ueli Mäder umriss in einem Impulsvortrag die Schwerpunkte zum Thema Inklusion mit anschaulichen, aber auch erstaunlichen Ansätzen. "Inklusion ist ein Modewort, das manchmal strapaziert wird", meinte er. Oder: "In der jetzt gesuchten Anonymität unserer heutigen Gesellschaft wird es allzu cool, es gibt wieder viele Menschen, die neue Verbindlichkeiten suchen". Mäder betonte, dass alle Menschen ihre Fähigkeiten hätten, und wenn dort angeknüpft werde, könnten Horizonte eröffnet werden. Gesetzliche Rahmen müssten eingehalten, aber dynamisiert werden, wenn sie behinderten. Forcierte Integration lehnt der Schweizer Soziologe ab, das Einbinden von Minderheiten in die Gesellschaft sei ein lange andauernder, aktiver Prozess.

Ehrenamtlicher Einsatz ergänzt
Auch "Management by Helikopter" sei überhaupt nicht gemeint. Wohnraum müsse der Spekulation entzogen werden, Digitalisierung genutzt, aber Gefahren dabei angegangen werden. Ehrenamtliches Engagement werde ergänzend, nicht ersetzend zu sozial-staatlichen Aufgaben eingebracht. "Unsere Authentizität definiert sich heute, ob und wie wir mit Widersprüchen umgehen können", meinte Mäder. Er verdeutlichte, Integration sei Teilhabe im Rahmen einer dialogischen Kultur der Auseinandersetzung, durchgeführt in "Unaufgeregtheit" und nicht "auf Teufel komm raus". Das Projekt "Konzept 2025 für Integration und Teilhabe" wurde aus Mitteln des Ministeriums für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg gefördert. Im November 2017 gründete sich die Steuerungsgruppe, mit der dann das Projekt begann. Mit Umfragen, mit einer großen Integrationskonferenz im Juli 2018 und mehreren Workshops wurde das nun vorliegende Konzept erarbeitet. Die Stabsstelle für Integration und Flüchtlinge sowie externe Fachfirmen wurden am Prozess beteiligt.

Vier Handlungsfelder
Dario Rago, Leiter der Stabsstelle Integration und Flüchtlinge, erläuterte die vier Handlungsfelder, die kurz- und mittelfristige Ziele bis 2021 vorstellen. "Wir wollen das Rad nicht neu erfinden. Wir zeigen, wo es Anlaufstellen und Fördermöglichkeiten gibt und wo man über Bildungsangebote informiert", sagte er. Die Handlungsfelder sind handfeste Maßnahmen wie "Mama lernt Deutsch" oder die Weiterführung der "Schulranzen-Aktion" für benachteiligte Familien. Immer müsse geprüft werden, ob die Projekte gut laufen oder ob es etwas Neues brauche, weil die Umstände sich ändern. "Was wir konzeptioniert haben, ist nicht in Stein gemeißelt, es ist eine Arbeitsgrundlage", meinte Rago abschließend.

Transparenter Prozess
Die zahlreichen Teilnehmer der Abschlusskonferenz gingen in die letzte Arbeitsphase: Auf den Tischen lagen papierne Sprechblasen und Stifte. Zur Frage "Wie haben Sie den Prozess hin zum Konzept 2025 für Integration und Teilhabe empfunden?" gibt es eine Menge Antworten. Unter anderem steht in den Sprechblasen: sehr transparent; jeder wurde Ernst genommen. "Wie schätzen Sie das Ergebnis ein?", war eine weitere Frage, dazu hieß es etwa: sehr positiv; Einbezug aller Einwohnerinnen und Einwohner; es braucht zur Umsetzung der Ergebnisse zusätzliche personelle Ressourcen, besonders in der Quartiersarbeit.

Zudem wurde gefragt, wie und woran man weiter mitwirken möchte. Interesse gab es unter anderem daran, die Jugendberufsagentur im lokalen Netzwerk zu verankern oder berufliche Förderangebote bekannt zu machen.