Corona

Kritik an Luca-App wächst: "Sensible Daten werden nicht geschützt"

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Mi, 14. April 2021 um 19:50 Uhr

Deutschland

Die App Luca soll die Datennachverfolgung von Corona-Kontaktpersonen erleichtern. Doch Datenschützer sehen die App kritisch: Es gibt erhebliche Sicherheits- und Datenschutzbedenken.

Die Kritik an der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen gewinnt an Schärfe. So bemängeln Mitglieder des Chaos Computer Club Freiburg (CCCFR) in einem offenen Brief an das Landessozialministerium erhebliche Sicherheits- und Datenschutzbedenken in einem sensiblen Bereich. Zudem kritisieren sie mangelnde Sorgfalt beim Erwerb und führen an, dass die Corona-Warn-App bald Ähnliches könne. Das Sozialministerium verteidigt Luca.

Eine Zeitlang sah es so aus, als könne die App ein Erfolg werden. Statt bei Restaurant- oder Theaterbesuchen mit Stift und Zettel mühsam Kontaktbögen auszufüllen, sollte bei Luca das Einscannen eines QR-Codes reichen und die App sollte fälschungssicher sein. Außerdem sollte Luca den Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung von Infektionen die Arbeit erleichtern und gab Hoffnung auf kontrollierte Öffnungen. Insbesondere ein TV-Auftritt des selbst finanziell an der App beteiligten Musikers Smudo von der HipHop-Band Die Fantastischen Vier, der in der ARD-Talk-Show "Anne Will" Werbung für die App gemacht hatte, hatte Luca zu großem Bekanntheitsgrad verholfen.

Sozialministerium sieht keinen Anlass, von Luca abzurücken

Die Bedenken machen sich nun daran fest, dass vertrauliche Informationen (Wer war wann mit wem in welchem Kino?) beim Luca-Betreiber als "einziger Autorität mit Zugriff auf wichtige Systemfunktionen" liegen. "Sie können auch später noch zweckentfremdet werden", so Sebastian Müller vom CCCFR. Ohne Ausschreibung und nur mit der Absicherung durch eine, laut Müller, "schlampig gemachte" Markterkundung habe das Land 3,7 Millionen Euro für die Lizenzierung ausgegeben.

Jan Böhmermann macht sich über App lustig

Auch ließen sich weiter ohne Aufwand QR-Codes für die App erzeugen, die weder Telefonnummer noch Kontaktdaten enthalten. So machte sich der Entertainer Jan Böhmermann im ZDF über die App lustig, indem es ihm mit einem Trick gelang, sich nachts im Osnabrücker Zoo einzuloggen – ebenso wie mehr als 100 Follower. Zuletzt machte die App mit einer Sicherheitslücke ihrer Schlüsselanhänger Negativschlagzeilen.

Der Freiburger Chaos Computer Club führt in seinem offenen Brief mit einem Verweis auf tagesschau.de auch an, dass die vielgeschmähte Corona-Warn-App der Bundesregierung nun um eine Möglichkeit zur Eventregistrierung erweitert werde. Bereits an diesem Freitag, 16. April, soll es möglich gemacht werden, sich auch mit der Corona-Warn-App beim Betreten von Restaurants oder beim Versuch von Veranstaltungen mittels QR-Code einzuchecken. Wenn ein Gast des Events dann später positiv auf Covid-19 getestet werde, könne er das Ergebnis an den Server des Robert Koch-Instituts übertragen, andere Gäste erhielten dann eine Warnung von der App.

Im Sozialministerium sieht man keinen Anlass, von Luca abzurücken. Der Landesdatenschutzbeauftragte habe im März zweimal festgestellt, dass die App hohe Datenschutzstandards erfülle, so eine Sprecherin. Das Markterkundungsverfahren sei umfassend geprüft und zulässig erklärt worden. Luca bleibe als kostenlose und auf allen gängigen Handys nutzbare App ein wichtiger Baustein der Pandemiebekämpfung.

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